Nicht jeder Apfel ist ein Apple | Wirtschaft | DW | 06.10.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Nicht jeder Apfel ist ein Apple

Kleines Café gegen Computerkonzern: Zwei Jahre lang stritt sich eine Bonnerin mit Apple um das Apfel-Logo ihres Ladens. Überraschend hat der Konzern die Angelegenheit nun fallen gelassen. Ein Nachgeschmack bleibt.

Sie wollte einen Ort schaffen, an dem Eltern sich mit ihren Kindern beschäftigten, mit ihnen spielen oder vielleicht eine Waffel essen. Ein Ort, wo Computer, Mobiltelefone und Tablets keine Rolle spielen: "Viele werden von der Technik aufgefressen, machen mehrere Dinge gleichzeitig und die Eltern haben dann keine Zeit mehr für ihr Kind", sagt Christin Römer.

Also eröffnete sie 2011 in Bonn das Café "Apfelkind". Während die Kinder sich im Spielzimmer vergnügen, können die Eltern dort in Ruhe einen Kaffee trinken. Auch das Logo des Ladens sollte dies signalisieren: ein Apfel, in dem ein Kinderkopf prangt.

Doch dann flatterte ein Brief in den gemütlichen Altbau - vom internationalen Computerhersteller Apple. Zwischen ihrem Logo und dem Markenzeichen des Konzerns bestünde "Verwechslungsgefahr", man bat sie, das Apfelkind-Logo nicht weiter zu benutzen.

Christin Römer in ihrem Cafe Apfelkind in Bonn (Foto: picture-alliance/dpa)

Kleinunternehmerin Römer im Café "Apefkind": "Ich konnte es im ersten Moment gar nicht glauben"

Die Apple-Anwälte wurden auf Christin Römer aufmerksam, da sie ihre Marke beim Münchener Patent- und Markenamt schützen lassen wollte. Dagegen legte Apple vor zwei Jahren Widerspruch ein. Nach zahlreichen Treffen mit dem Anwalt von Apple und schlaflosen Nächten, wie die Bonnerin sagt, bot der Konzern ihr zwischenzeitlich einen Vergleich an.

Eigentlich wollte Christin Römer diesen Vertrag auch unterschreiben. Sie hätte sich damit verpflichtet, keine Produkte herzustellen, die im Zusammenhang mit Computern oder Ähnlichem stehen, wie zum Beispiel Schutzhüllen für Laptops. Doch ein Satz im Vertrag störte die Cafébetreiberin: "Ich hätte nicht mehr darüber sprechen können und dürfte nur sagen, dass ich mich gütlich mit Apple geeinigt habe."

Das wollte sie nicht - allein, weil ihre Gäste sie immer wieder nach dem Verlauf des Verfahrens fragen. Das Café Apfelkind schaffte es 2011, als der Streit begann, sogar bis in die japanischen Medien. Und immer wieder kommen Touristen vorbei und wollen Fotos machen, erzählt die Bonnerin lachend.

Apple hat kein Recht auf alle Äpfel dieser Welt

Doch nun die Kehrtwende des Computerriesen: Apple zog Ende September seinen Einspruch beim Patentamt zurück. Nun ist Römers Marke "Apfelkind" also offiziell eingetragen. "Ich konnte es im ersten Moment gar nicht glauben, da ich gar nicht damit gerechnet hatte", so Christin Römer. "Ich bin froh, dass ich nichts unterschrieben habe, jetzt bin ich frei." Allerdings hat keine offizielle Stelle über den Fall entschieden - Apple könnte also jeden Moment wieder Einspruch einlegen.

Andreas Bulling, Patentanwalt (Foto: privat)

Patentanwalt Bulling: "Apple hat keinen Motivschutz"

Alexander Bulling ist Patentanwalt und Honorarprofessor für Patentrecht an der Universität Stuttgart. Er glaubt nicht, dass Apple es darauf ankommen lassen wird. Das Unternehmen wollte eine Entscheidung des Patentamtes nicht riskieren und habe sich wahrscheinlich aus diesem Grund wieder zurückgezogen, sagte Bulling der DW: "Apple wollte sich wahrscheinlich nicht die Blöße geben und offiziell gegen Apfelkind verlieren."

Kein Kommentar, hieß es dazu auf DW-Anfrage von Apple Deutschland. Auch wenn der aktuelle Fall - Computerkonzern gegen Café - skurril, fast schon absurd erscheint: Das Vorgehen von Apple sei normal, sagt Bulling: "Markeninhaber müssen immer darauf achten, dass keine anderen Marken angemeldet werden, die die eigene beeinträchtigen könnten." Das Apfelkind-Logo sähe dem von Apple allerdings nicht besonders ähnlich, so der Experte. Ein Erfolg des Konzerns in diesem Streit wäre sehr unwahrscheinlich gewesen. Hier sei Apple einen Schritt zu weit gegangen.

Doch das Vorgehen von Apple scheint kühl kalkuliert zu sein. "Apple hat keinen Motivschutz für einen Apfel als solchen", so Bulling. Trotzdem werde das Unternehmen wahrscheinlich immer wieder versuchen, kleine Unternehmer einzuschüchtern und für so viele Äpfel wie möglich seine Rechte anmelden, glaubt der Anwalt.

Beatles John Lennon und Paul McCartney auf Werbetour für die Plattenfirma Apple (Foto: Stroud/Express/Getty Images)

Beatles John Lennon und Paul McCartney: Gründung der Plattenfirma "Apple" bereits 1968

Dabei hatte Apple schon selbst Ärger wegen seines Markennamens. Die Beatles hatten nämlich bereits 1968 die Plattenfirma "Apple" gegründet - acht Jahre bevor das Computerunternehmen entstand. Nach einer jahrelangen Prozessserie musste der US-Konzern Lizenzzahlungen in Millionenhöhe an die Beatles-Firma entrichten.

Café-Besitzerin Christin Römer ist jedenfalls erleichtert. "Jetzt habe ich hoffentlich endlich wieder einen freien Kopf, um weitere Pläne zu schmieden." Schon von Beginn an wollte sie eine weitere Filiale in München eröffnen und eine "Apfelkind"-Produktpalette aufbauen.

Vorwürfe und Unterstützung

Den Vorwurf, sie habe das Apfellogo gewählt, um gezielt einen Markenrechtsstreit mit dem Apple-Konzern anzuzetteln, um selber groß rauszukommen, weist Römer zurück. "Solche Vorwürfe sind an den Haaren herbeigezogen. Ich habe viele Cafés kommen und gehen gesehen - mit ein bisschen Kaffee und Kuchen kann man heute keinen ausreichenden Gewinn erzielen", erläutert Römer ihre Pläne, auch Kinderprodukte zu verkaufen.

Patentanwalt Bulling hält das für ein normales unternehmerisches Vorgehen. Auch mache es keinen Sinn, bewusst eine Marke zu kreieren, die Apples Logo ähnlich sieht. Das Risiko wäre einfach viel zu groß, so der Patentexperte: "Wenn Apple nämlich doch gewonnen hätte, dann hätte Frau Römer viel Geld verloren."

Auch so musste Christin Römer viel Geld in ihren eigenen Anwalt investieren. Doch zumindest hat sie neben den Kritikern auch zahlreiche neue Fans hinzugewonnen: "Ich habe viele nette Mails aus der ganzen Welt erhalten von Leuten, die mich unterstützen." Denen ist sie heute sehr dankbar. Denn ohne die große Medienresonanz hätte Apple vielleicht auch ganz anders gehandelt, glaubt Christin Römer.

Die Redaktion empfiehlt