Neue Hauptstadt im Dschungel von Borneo | Aktuell Asien | DW | 26.08.2019
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Südostasien

Neue Hauptstadt im Dschungel von Borneo

Indonesien will eine völlig neue Hauptstadt aus dem Boden stampfen. 2024 sollen Regierung und Parlament aus Jakarta in die Nähe der Stadt Balikpapan im Osten von Borneo umziehen. Bislang steht dort dichter Urwald.

Indonseien - eine neue Hauptstadt, mitten im tropischem Regenwald (picture-alliance/blickwinkel/Agami/H. van Diek)

Für die neue Hauptstadt muss tropischer Regenwald auf Borneo gerodet werden

Aus dem Moloch der Mega-City Jakarta auf der Insel Java soll die Hauptstadt des 265-Millionen-Einwohner-Landes in die provinzielle Sicherheit des Regenwaldes im indonesischen Teil der Insel Borneo verlegt werden. Präsident Joko Widodo sagte in einer vom Fernsehen übertragenen Rede, "die Last auf Jakarta" als politisches und wirtschaftliches Zentrum wiege zu schwer.

2024 sollen Regierung und Parlament in den Osten Borneos umziehen. Bislang besteht das dortige Gelände aus dichtem Tropenwald und einigen gerodeten Flächen. Einen Namen für die neue Hauptstadt gibt es noch nicht.

Dass es von der Insel Java nach Borneo geht, stand schon länger fest, bislang hatte aber auch zur Debatte gestanden, eine bestehende Stadt auszubauen. Seit Präsident Joko Widodo wiedergewählt wurde, drückt er nun mächtig aufs Tempo. Die Wahl des neuen Ortes und den kompletten Neubau einer Stadt begründete der Präsident mit der "strategisch guten Lage", mitten "im Herzen Indonesiens".

Karte Indonesien Samarinda Balikpapan EN

In dem 180.000 Hektar großen Gebiet in der Provinz Kalimantan Timur nahe der Stadt Balikpapan bestehe zudem ein "minimales" Risiko für Naturkatastrophen, wie Überflutungen, Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche, sagte Joko Widodo. Das entsprechende Gesetz für die Gründung der neuen Hauptstadt soll bereits an diesem Dienstag im Parlament eingebracht werden. Die Kosten für den Bau werden auf umgerechnet bis zu 30 Milliarden Euro geschätzt.

Jakarta droht, im Meer zu versinken

Experten warnen seit langem vor einem buchstäblichen Untergang der Hauptstadt Jakarta. Die Küstenmetropole ist die am schnellsten sinkende Stadt der Welt. Hauptursache ist die exzessive Grundwassergewinnung. Rund 40 Prozent des Stadtgebiets befindet sich inzwischen unter dem Meeresspiegel. Nach einer Studie des Bandung Institute of Technology könnte 2050 ein Drittel der Stadt überschwemmt sein, wenn der Boden unter dem Stadtgebiet im selben Tempo absackt wie bisher.

Die Mega-City mit ihren mehr als zehn Millionen Einwohnern leidet zudem unter chronischem Verkehrschaos. Tag für Tag gibt es dort extrem lange Staus. Im Großraum Jakarta leben sogar 30 Millionen Menschen. Zudem ist Jakarta immer wieder von schweren Erdbeben betroffen.

Indonesien, Jakarta: Skyline (picture-alliance/AP/D. Alangkara)

Indonesiens Finanzmetropole soll Jakarta nach dem Willen der Regierung bleiben

Mit mehr als 17.000 Inseln und einer Fläche von 1,9 Millionen Quadratkilometern ist Indonesien der größte Inselstaat der Welt. Borneo, das Indonesien sich mit Malaysia und Brunei teilt, ist die viertgrößte Insel der Welt.

Vorbilder für einen Umzug der Hauptstadt sind Länder wie Brasilien, Pakistan oder Myanmar, die ihre Hauptstädte in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls verlegt haben - und in gewissem Maße auch Deutschland mit dem Umzug von Bonn nach Berlin. Aktuell plant auch Ägypten einen Umzug: weg von Kairo, 50 Kilometer weiter in die Wüste.

qu/ww (dpa, afp, ape)

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