NBA-Sieger LeBron James: Mehr als nur ein Basketballer | Sport | DW | 12.10.2020
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Basketball

NBA-Sieger LeBron James: Mehr als nur ein Basketballer

LeBron James führt die Los Angeles Lakers zum 17. NBA-Titel der Franchise-Historie. Für den 35-Jährigen selbst ist es bereits die vierte Meisterschaft. Seine Herkunft aus bescheidenen Verhältnissen hat er nie vergessen.

LeBron James 2020 NBA Finale

LeBron James - mit dem NBA-Pokal und der Trophäe als wertvollster Spieler der Finalserie

Wieder einmal trumpfte er auf: Mit 28 Punkten, 14 Rebounds und zehn Assists war Superstar LeBron James der dominierende Spieler beim 106:93 der Los Angeles Lakers gegen die Miami Heat. Mit dem vierten Sieg in der Best-of-seven-Finalserie, die wegen der Corona-Pandemie in Disney World in Orlando ausgespielt wurde, führte der 35-Jährige die Lakers zu ihrem 17. Titel in der NBA. Damit ziehen die Lakers nach Titeln mit dem bislang alleinigen Rekordmeister Boston Celtics gleich. 

Für James persönlich war es der vierte NBA-Triumph seiner Karriere. Neben John Salley und Robert Horry ist er nun der dritte Spieler, der den NBA-Titel mit drei verschiedenen Teams gewinnen konnte. Zuvor hatte er bereits mit den Miami Heat (2012, 2013) und den Cleveland Cavaliers (2016) triumphiert.

LeBron James Los Angeles Lakers Miami Heat

Auch im entscheidenden Spiel der NBA-Finalserie war James nicht zu stoppen

Außerdem wurde LeBron James zum vierten Mal in seiner Karriere als wertvollster Spieler der Finalserie (MVP) gekürt, nur der legendäre Michael Jordan erhielt die Auszeichnung häufiger (sechsmal). "Er ist der größte Spieler, den das Basketball-Universum jemals gesehen hat", schwärmte Lakers-Trainer Frank Vogel über James.

Vorbild Muhammad Ali

Und wie sieht er sich selbst? Er sei "mehr als ein Athlet", postete James Anfang 2018 in den sozialen Medien. Inzwischen ist "More than an athlete" nicht nur zum Hashtag geworden, sondern zu einem öffentlichen Attribut des Basketball-Superstars, das nicht nur er selbst, sondern auch sein Verein und seine Sponsoren nutzen. James ist eine der prominentesten Stimmen der Bewegung "Black Lives Matter". Im US-Wahlkampf hat er sich darüber hinaus klar positioniert: Er unterstützt Trump-Herausforderer Joe Biden von den Demokraten.

"Hoffentlich erkennen mich die Menschen eines Tages nicht nur wegen der Art und Weise an, wie ich Basketball spiele, sondern auch wegen meiner Lebenseinstellung als afro-amerikanischer Mann", sagte LeBron James kürzlich der "New York Times" und nannte Box-Legende Muhammad Ali als eines seiner Vorbilder. 

In einfachsten Verhältnissen aufgewachsen

Der kleine LeBron Raymone James musste von Beginn seines Lebens an kämpfen. Als uneheliches Kind einer 16-jährigen Schülerin und eines ehemaligen Häftlings, der sich schon vor der Geburt seines Sohnes wieder aus dem Staub gemacht hatte, fiel der Start ins Leben nicht leicht. James' Mutter Gloria zog den Jungen alleine groß, hatte kaum Geld. Nach dem frühen Tod ihrer eigenen Mutter - LeBron war damals noch kanpp drei Jahre alt - fiel das bis dahin einigermaßen stabile Familienleben auseinander.

Gloria James, die zuvor mit der Mutter und zwei Brüdern zusammen gelebt hatte, wechselte nun häufig den Wohnort und musste ihren Sohn zeitweise in eine Pflegefamilie geben, um über die Runden zu kommen.

Geregeltes Leben als Inspiration

Allerdings war dieser Aufenthalt bei fremden Eltern auch der Auslöser für die beeindruckende Sportkarriere ihres Sohnes. Mit acht Jahren lebte LeBron James für einige Zeit bei Frank Walter, seinem damaligen Football-Trainer. Walter erkannte, dass der Junge auch ein großes Talent für Basketball besaß und überredete ihn, neben dem Football auch für ein Basketball-Team aufzulaufen - der Grundstein war gelegt.  

USA Basketball 2013 | Gloria James, Mutter von LeBron James

Stolze Mutter und größter Fan: Gloria James und ihr Sohn haben ein inniges Verhältnis

Zudem tat dem kleinen LeBron das geregelte Familienleben gut. Zeitweise war er wegen der ständigen Umzüge und den damit verbundenen Schulwechseln kaum im Unterricht gewesen. "Sie zwangen mich, jeden Tag aufzustehen und zur Schule zu gehen", erinnert sich James im Buch "LeBron James: The Making of an MVP" an das Leben bei den Walters. "Teil einer Familie zu sein, mit Mutter und Vater, einem Bruder und zwei Schwestern, das war eine unglaubliche Erfahrung für mich. Es hat mir die Augen geöffnet, um das zu werden, was ich heute bin."

Highschool-Spiele landesweit

Auch auf dem Basketball-Court entwickelte sich James weiter. Mit dem Team der St. Vincent-St. Mary-Highschool seiner Heimatstadt Akron im Bundesstaat Ohio erreichte James überregionale Endspiele und gewann sogar die landesweite Schul-Meisterschaft. "Dies ist der Ort, an dem alle Träume Wirklichkeit geworden sind", sagte James später in einem Interview mit der "New York Times" über seine Schule: "Wenn man in diesem Land arm und schwarz aufwächst, träumt man viel, aber man glaubt nicht wirklich, dass die Träume auch wahr werden. Hier habe ich angefangen zu glauben, dass ich es schaffen kann."

USA | Basketballspieler LeBron James

Als Highschool-Schüler bereits ein Ausnahmesportler: LeBron James 2002 im Trikot der "Fighting Irish"

Tatsächlich war James bereits als Teenager einem breiten Publikum bekannt, auch weil seine Highschool-Spiele teilweise im Fernsehen übertragen wurden. 2002 landete er mit dem Titel "The Chosen One" auf dem Cover der "Sports Illustrated", dem bekanntesten Sportmagazin der USA. Die Scouts der NBA waren da längst auf ihn aufmerksam geworden. Folgerichtig wurde er 2003 beim Draft von den Cleveland Cavaliers als erster Spieler ausgewählt.

Treue und die eigenen Wurzeln

Den "Cavs" hielt James sieben Jahre lang die Treue, bis er 2010 zu den Miami Heat wechselte, weil er dort die größten Chancen auf den Meistertitel sah. Zuvor hatte er mit seinen beiden Teamkollegen aus der US-Olympiamannschaft, Dwyane Wade und Chris Bosh, abgemacht, gemeinsam nach Miami zu wechseln. Die drei bildeten dort ein schier unschlagbares Trio und holten, nachdem sie in den Finals 2011 noch an Dirk Nowitzki und den Dallas Mavericks gescheitert waren, 2012 und 2013 den Titel. Die Basis des Erfolgs war - neben dem sportlichen Ehrgeiz - ihre Freundschaft. "Außerhalb des Basketballs sind LeBron und ich die besten Kumpel. Und wir stützen uns gegenseitig", sagte Wade 2010 in einem Interview mit "ESPN": "Wenn ich abseits des Platzes Probleme habe, dann ist er der Typ, der mich jeden Tag antreibt, um sicherzustellen, dass meine Einstellung stimmt. Und ich mache dasselbe bei ihm."

USA Basketball 2012 | Miami Heat | Dywane Wade, Chris Bosh & LeBron James

Starkes Trio: Dwyane Wade, Chris Bosh und LeBron James (v.l.n.r.) waren als "Big Three" bekannt und gefürchtet

2014 kehrte James zu "seinen" Cavaliers zurück, um eine noch nicht erledigte Aufgabe zu erfüllen: Mit seinem Heimatteam den NBA-Titel gewinnen, was ihm 2016 tatsächlich gelang. Es war die erste Meisterschaft für ein Team aus Cleveland in einer der großen US-Sportligen seit 1964 - LeBrons Geschenk an Stadt und Fans. "Das ist für euch Cleveland", rief James nach dem Titelgewinn gegen die Golden State Warrriors ins Mikro. 

Ohnehin sind Treue und das Wissen um die eigene Herkunft zwei Eigenschaften, die James auszeichnen. Mit seiner Ehefrau Savannah Brinson ist James schon seit Highschool-Tagen liiert, die beiden haben zwei Söhne und eine Tochter. Anders als bei seinem eigenen Vater steht für James die Familie an erster Stelle. Und er hat nicht vergessen, wie er selbst angefangen hat. Für benachteiligte Kinder hat James 2018 in Akron eine Schule eröffnet. Hier werden 240 Mädchen und Jungen aus sozial schwachen Familien unterrichtet und bis zum Wechsel auf ein College finanziell unterstützt.

Versprechen erfüllt

Allerdings wohnt James selbst seit gut zwei Jahren nicht mehr in der Nähe seiner Heimatstadt, sondern in Los Angeles. Wie so viele NBA-Stars vor ihm folgte er dem Ruf der "großen" Lakers. Die Lila-Gelben aus L.A. sind der bekannteste und beliebteste Verein der NBA, hier haben viele große Spieler gespielt. Hollywood-Stars wie Jack Nicholson und Leonardo Di Caprio sitzen als Fans auf der Tribüne - nirgendwo gibt es für einen Top-Basketballer mehr Rampenlicht als hier. "Für mich wird ein Traum wahr", sagte James, nachdem sein Wechsel feststand. 

LeBron James, Anthony Davis

Mit Anthony Davis (r.) hat LeBron James (l.) bei den Lakers einen zweiten Top-Spieler an seiner Seite

Vor dem Triumph in Orlando hatten die Lakers ihre bislang letzte Meisterschaft 2010 gewonnen. Damals war Kobe Bryant noch der Lakers-Superstar. Bryant kam bei einem Helikopter-Absturz auf tragische Weise ums Leben - einen Tag, nachdem ihn James in der Rangliste der erfolgreichsten Korbschützen der NBA von Rang drei verdrängt hatte.

"Teil eines so historischen Klubs zu sein, ist ein unglaubliches Gefühl", sagte der Superstar nun nach dem entscheidenden Sieg der Finalserie. "Ich wollte dieses Team dahin zurückbringen, wo es hingehört." Dieses Versprechen, das LeBron James zu Beginn seines Engagement bei den Lakers gegeben hatte, hat er nun erfüllt.

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