Mode: Versace wird amerikanisch | Wirtschaft | DW | 25.09.2018
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Mode

Mode: Versace wird amerikanisch

Das italienische Modehaus Versace wird an die Modegruppe Michael Kors verkauft - für 1,83 Milliarden Euro. Die Luxusmarke Versace gehört zu einer der wenigen in Italien, die bislang noch in Besitz der Gründerfamilie war.

Deutschland Ausstellung über den Modeschöpfer Gianni Versace in Berlin (picture-alliance/dpa/J. Kalaene)

Kreationen von Gianni Versace, ausgestellt im Berliner Kronprinzenpalais im Januar 2018.

Das Modehaus wurde 1978 von Gianni Versace gegründet, der vor 21 Jahren ermordet wurde. Seine Familie kontrollierte zuletzt noch 80 Prozent des Unternehmens, 20 Prozent entfielen auf Schwester und Chef-Designerin Donatella, 30 Prozent auf Bruder Santo. Donatella, ihre Tochter Allegra und Santo sollen auch nach dem Verkauf von Versace an Bord bleiben.

Obwohl sich Luxus-Designermode, angetrieben von einem Boom in Asien, großer Beliebtheit erfreut, tat sich Versace in den vergangenen Jahren eher schwer. Der durch die Wirtschaftskrise ausgelöste Konsumrückgang hatte dem Unternehmen zu schaffen gemacht. Nach weltweiten Stellenstreichungen und Sparmaßnahmen verbesserte sich die Lage aber zuletzt wieder. Im vergangenen Jahr kehrte das Mailänder Modehaus in die schwarzen Zahlen zurück und erzielte bei einem Umsatz von 686 Millionen Euro einen Gewinn von 15 Millionen Euro.

Jetzt aber schluckt der Modekonzern Michael Kors aus den USA das in Mailand gegründete Unternehmen. Es sei eine Vereinbarung unterzeichnet worden, wonach die US-Firma alle ausstehenden Aktien des Luxusmodehauses für einen Gesamtwert von 1,83 Milliarden Euro erwirbt, teilten die Firmen am Dienstag mit. Der Finanzinvestor Blackstone, der 2014 mit 20 Prozent bei Versace eingestiegen war, werde seine Anteile vollständig abgeben.

Keine Euphorie bei den Anlegern

Die Versace-Familie, die 80 Prozent an Versace über eine Holding namens Givi hält, bekomme 150 Millionen Euro des Kaufpreises in Aktien von Michael Kors. Die Transaktion soll im vierten Quartal über die Bühne gehen und steht unter dem Vorbehalt der Behördengenehmigung.

Reuters hatte bereits am Montag von Insidern erfahren, dass die beiden Modehäuser zusammengehen wollen. Die Anleger waren von den Übernahmeplänen aber wenig begeistert: Die Titel des US-Konzerns fielen im vorbörslichen US-Geschäft um ein Prozent.

"Motivierender Moment"

Michael Kors-Chef John D. Idol erklärte: "Die Übernahme ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Gruppe." Seit mehr als 40 Jahren sei Versace der Inbegriff des italienischen Mode-Luxus. "Wir freuen uns, Versace als Teil unserer Familie von Luxusmarken zu haben, und wir verpflichten uns, in sein Wachstum zu investieren."

Versace-Chefdesignerin Donatella Versace sprach von einem "motivierenden Moment". Sie sei "stolz", dass Versace auf diese Weise eine starke Marke bleibe. Versace war von den Brüdern Gianni und Santo gegründet worden, Donatella ist die Schwester der beiden. Das Label gehört zu den bekanntesten Luxusmarken.

Auch Michael Kors definiert sich als Edel-Anbieter, spielt mit seinen Handtaschen und Accessoires aber in einer preislich deutlich günstigeren Liga. Der Konzern wurde 1981 vom gleichnamigen US-Modedesigner Michael Kors gegründet und ist an der New Yorker Börse notiert, hat seinen Sitz aber inzwischen in London. Das Unternehmen expandiert kräftig und gab erst 2017 rund 1,2 Milliarden Dollar für die Luxus-Schuhmarke Jimmy Choo aus.

Michelle Obama goes Versace

Michael Kors versucht mit Zukäufen, den großen Konglomeraten wie LVMH oder der Gucci- und Balenciaga-Mutter Kering Konkurrenz zu machen. Sie hatten laut US-Medien ebenfalls ein Auge auf Versace geworfen. Im vergangenen Geschäftsjahr machte Michael Kors nach eigenen Angaben einen Umsatz von 4,7 Milliarden Dollar.

In den USA ist Michael Kors eine angesehene Marke und hat Fans wie die frühere First Lady Michelle Obama und die Schauspielerinnen Nicole Kidman und Catherine Zeta-Jones.

Versace + Kors = Capri

Versace solle so auf einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Dollar wachsen. "Wir sind überzeugt, dass die Stärke der Marken Michael Kors und Jimmy Choo wie auch die Übernahme von Versace uns in die Lage versetzen, ein mehrjähriges Umsatz- und Gewinnwachstum zu erreichen."

Michael Kors teilte zudem mit, dass die US-Modegruppe in Capri Holdings umbenannt werde. Der italienischen Kultmarke soll mit der Nennung der Insel Capri, die für Extravaganz und Luxus steht, Rechnung getragen werden.

dk/bea (dpa, rtr, afp)

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