Maria Magdalena erobert die Kinoleinwände | Filme | DW | 15.03.2018
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Filme

Maria Magdalena erobert die Kinoleinwände

Endlich, werden manche sagen, endlich bekommt auch Maria Magdalena ihren großen Auftritt im Kino. Bisher stand die Figur der Maria Magdalena in den Bibelverfilmungen stets im Schatten von Jesus von Nazareth.

Maria Magdalena ist schön, sehr schön sogar. In der neuen Bibelverfilmung "Maria Magdalena" wird die Titelfigur von der US-Schauspielerin Rooney Mara gespielt, eine der attraktivsten und derzeit erfolgreichsten Hollywood-Darstellerinnen. Sie gibt im Film von Regisseur Garth Davis eine zarte, dunkeläugige, fast elfenhaft schön wirkende Maria Magdalena, die in manchen Szenen an Audrey Hepburn erinnert. Ist das nun Hollywood-Kitsch?

Auch Jesus sah auf der Leinwand immer gut aus...

Manche Zuschauer dürften das so sehen. Andere werden sich betören lassen vom Auftritt Maras. Aber: War Jesus von Nazareth in all den Bibelfilmen, die man seit Jahrzehnten aus Film und Fernsehen kennt, nicht auch stets ein gutaussehender junger Mann, mit perfekt gestutztem Bart und durchdringendem Blick? Die Bibel und das Kino, das war und ist schon immer ein ganz eigenes Kapitel in der Filmhistorie gewesen. Über Authentizität und die Darstellung der biblischen Figuren auf der Leinwand lässt sich trefflich streiten - vor allem, wenn sich Hollywood des Themas annimmt.

Filmstill Maria Magdalena mit Jesu (2018 Universal Studios)

Jesus mit Falten: Joaquin Phoenix in "Maria Magdalena"

Johann Hinrich Claussen, evangelischer Theologe und Kulturbeauftragter des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, schreibt in einem aktuellen Aufsatz zum Kinostart von "Maria Magdalena": Bibelfilme verlängern "ihre Vorlagen, malen die oft nur skizzierten Protagonisten mit breitem Pinsel aus, fügen Figuren hinzu, erfinden zusätzliche Szenen, konstruieren neue Konflikte, die für mehr Dramatik sorgen, legen vor allem den Handelnden erheblich längere Dialoge in den Mund, die ihre Gefühle und Gedanken einem modernen Publikum verständlich machen sollen." (epd Film)

Katholischer Theologe: "Versuch der Rehabilitation der Maria Magdalena."

Vor diesem Hintergrund sollte man Bibelfilme stets betrachten: Regie, Kamera, Musik und Darstellerensemble machen aus dem historisch-religiösen Stoff immer etwas eigenes, artifizielles. Das war auch bei großen Filmkünstlern wie Pier Paolo Pasolini nicht anders, der 1964 seine biblische Geschichte in dem Film "Das 1. Evangelium Matthäus" in kargem Schwarz-Weiß und mit Laiendarstellern in die Kinos brachte. Die Person Maria Magdalena hatte darin übrigens keinen Platz.

Filmstill Maria Magdalena mit Petrus-Darsteller (2018 Universal Studios)

Auch dies eine Neudeutung: In "Maria Magdalena" ist Petrus ein Schwarzer

So ist auch der neue Maria Magdalena-Film in erster Linie ein (Kunst-)Werk mit all den Stärken und Schwächen eines Bibelfilms - wobei die Stärken überwiegen. Man kann sich durchaus dem Urteil des katholischen Filmexperten Peter Hasenberg anschließen, der den Versuch von Garth Davis und seines Teams lobt, die weibliche Perspektive einzubringen: Der Film von Davis verstehe sich bewusst als "Versuch der Rehabilitation der Maria Magdalena als eine den Aposteln gleichgestellte Begleiterin Jesu." In früheren Bibelfilmen, in den Maria Magdalena auftauchte, geriet die Figur nicht selten in den Dunstkreis von sexuellen Anspielungen oder gar Prostitution.

Maria Magdalena erste Zeugin der Auferstehung Jesu

Das ist in dem neuen Film nicht so: "'Maria Magdalena' (ist) eine um viele fiktive Erweiterungen erzählte Geschichte dieser Frau, die keinerlei sensationsheischende Umdeutungen sucht, sondern das unterstreicht, was in der Bibel den Kern ausmacht, nämlich, dass Maria Magdalena die erste Zeugin am Grab (Jesu) und die erste Verkündigerin der Auferstehung war", so Peter Hasenberg.

Mehr zu den zahlreichen Bibelfilmen in der Kino-Historie bietet das gerade erschienene Buch "Leid-Bilder - Die Passionsgeschichte in der Kultur", herausgegeben von Natalie Fritz, Marie-Therese Mäder, Daria Pezzoli-Olgiati und Baldessare Scolari, Schüren Verlag, 598 Seiten, ISBN 978-3-3894-727154.

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