Müller warnt Europa vor Folgen der Corona-Krise in Afrika | Aktuell Afrika | DW | 08.06.2020
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Corona

Müller warnt Europa vor Folgen der Corona-Krise in Afrika

Malaria, Unruhen und Fluchtwellen: Entwicklungsminister Müller greift zu drastischen Worten, wenn es um die Corona-Ausbreitung in Entwicklungsländern geht. Europa dürfe die gravierenden Folgen nicht unterschätzen.

Corona-Ausbuch in Afrika (Imago/ Yeshiel)

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Mit Blick auf die weiter wachsende Ausdehnung des Coronavirus in den Entwicklungsländern und insbesondere in Afrika sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller: "Wenn wir jetzt nicht reagieren, werden die Folgen wie ein Boomerang zu uns zurückkehren." Nach einer Videokonferenz der EU-Entwicklungsminister verwies er auf ein inzwischen genehmigtes Sofortprogramm der EU, kritisierte aber, dass die EU vor allem in Afrika viel zu wenig in Entwicklung investiere.

Nach Angaben des Bundesentwicklungsministeriums hat das Sofortprogramm einen Umfang von 33 Milliarden Euro, wobei Deutschland 5,9 Milliarden Euro beisteuert. Müller zufolge sollen die Hilfen vor allem in Flüchtlingsregionen wie Syrien, dem Libanon oder Bangladesch zum Einsatz kommen und etwa für Labors, Notfallkliniken und möglicherweise für Impfkampagnen verwendet werden.

Gerhard Gerd Müller Bundesentwicklungsminister (Imago Images/U. Steinert)

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Der Minister übte heftige Kritik daran, dass die EU in der Corona-Pandemie umfassende Hilfen für ihre Mitgliedstaaten bereitstelle, in Afrika dagegen kaum investiere. Es gebe ein Missverhältnis zwischen den vorgesehenen Mitteln zur Folgenbewältigung inner- und außerhalb Europas. So sollten die Hilfen für Afrika in den kommenden sieben Jahren von 42 Milliarden Euro wegen Corona nur auf 50 Milliarden Euro erhöht werden, sagte Müller. Er forderte eine Verdopplung auf 80 Milliarden Euro. "Wir können nicht mit Almosen reagieren."

Medikamente und Impfdosen fehlen

Europa selbst werde die Folgen zu spüren bekommen, etwa durch den Ausbruch von Krankheiten und neue Fluchtbewegungen. Müller verwies auf den Zusammenbruch von Transport- und Lieferketten und damit fehlende Medikamente und Impfprogramme. Viele afrikanische Staaten sorgten sich deshalb mehr um einen dramatischen Anstieg von Malaria- als von Corona-Toten. Es bedürfe eines "Marshall-Plans für Afrika". Es dürfe nicht China sein, das sich den Kontinent sichere. "Afrika baut auf Europa", betonte der CSU-Politiker.

Nach Ansicht Müllers geht die Corona-Krise in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern ihrem Höhepunkt erst entgegen. Am Sonntag sei mit 150.000 Neuinfizierten weltweit der höchste Tagesanstieg seit Beginn der Pandemie registriert worden, sagte Müller unter Berufung auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Man dürfe also nicht nur auf Europa und Deutschland schauen, wo die Zahlen zurückgingen.

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Müller warnte zugleich, dass die echten Zahlen für Afrika höher seien als die gemeldeten. Dort kämen zum Beispiel auf eine Million Menschen nur 700 Tests. "Deshalb ist die Zahl von im Augenblick 189.000 bestätigten Infektionen sicherlich nicht real", sagte er nach der Videokonferenz.

Afrika müsse auch als wirtschaftliche Chance verstanden werden, betonte der CSU-Politiker. "Wenn wir ehrlich sind, nutzen wir Afrika zur Ausbeutung von Ressourcen und Menschen", so der Minister. Deshalb müsse dem Nachbarkontinent in Zukunft ein fairer Handel angeboten werden.

kle/uh (afp, epd, kna)

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