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Konfrontation mit Trump: Droht Fußball-WM 2026 Boykott?

Matt Pearson
23. Januar 2026

Wie schon die Fußball-WM 2022 in Katar wird auch das Turnier 2026 bereits im Vorfeld von politischen Diskussionen begleitet. Könnte Donald Trumps Vorgehen dazu führen, dass Europa die WM boykottiert?

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USA Washington D.C. 2025 | Donald Trump und Gianni Infantino beim WM-Auslosungs-Event
FIFA-Präsident Gianni Infantino (l.) und US-Präsident Donald Trump pflegen ein enges VerhältnisBild: Jacquelyn Martin/AP Photo/picture alliance

Die Beziehungen zwischen Europa und den USA sind derzeit angespannter denn je. Seit US-Präsident Donald Trump Anspruch auf die Insel Grönland, die zu Dänemark gehört, erhebt, werden die Stimmen lauter, die auch einen Boykott der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko in Betracht ziehen. 

Obwohl der 79-Jährige in seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos am Mittwoch sagte, dass er keine Gewalt anwenden werde, um Grönland zu annektieren, erheben die USA weiterhin Anspruch auf die Insel.

Dänemark (noch) nicht bereit für Boykott

Auch wenn Trump für seine überraschenden Kehrtwenden bekannt ist, müssen die Regierungen wie auch die Fußballverbände Europas auf alles vorbereitet sein. 

Der dänische Sozialdemokrat Mogens Jensen, Parteisprecher für Kultur, Medien und Sport, erklärte gegenüber der DW, dass Dänemark derzeit nicht zu einem Boykott aufrufen werde.

"Meine Partei und ich persönlich sind der Ansicht, dass dies eines der letzten Mittel ist, zu denen man greifen sollte", sagte Jensen. Falls sich die Lage aber ändere und Trump doch militärische Mittel nutzen würde, um seine Ziele zu erreichen, sei eine Boykott-Diskussion unumgänglich, so der Politiker.

Zölle bringen europäische Länder in schwierige Lage

Die britische Zeitung "Guardian" berichtet über ein Spitzentreffen von rund 20 europäischen Fußballverbänden am vergangenen Montag in Budapest. Dabei sei es auch um die von Trump wegen Grönland gegen acht europäische Länder verhängten Zölle in Höhe von zehn Prozent gegangen. Der US-Präsident erklärte am Mittwoch jedoch,  dass er diese Zölle aufheben werde, sofern das in Davos diskutierte NATO-Abkommen zu Grönland "vollzogen" werde.

Von den acht Nationen, die sich den Zorn Trumps zuzogen, sind Norwegen, die Niederlande, Deutschland, Frankreich, sowie die britischen Teams England und Schottland für das Turnier qualifiziert. Dänemark, Schweden und Nordirland haben noch die Chance, sich Ende März bei den Playoffs WM-Tickets zu sichern. Einzig Finnland hatte sich nicht qualifizieren können.

Somit sind nicht nur dänische Politiker gezwungen, ihre Optionen abzuwägen. Auch in Deutschland gibt es erste Äußerungen zum Thema WM-Boykott. CDU-Politiker Roderich Kiesewetter sagte, dass für einen Boykott möglicherweise nicht einmal militärische Maßnahmen der USA erforderlich seien.

"Wenn Trump seine Ankündigungen und Drohungen in Bezug auf Grönland wahr macht und einen Handelskrieg mit der EU beginnt, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass europäische Länder an der Weltmeisterschaft teilnehmen", sagte Kiesewetter der "Augsburger Allgemeinen Zeitung".

CDU-Politikerin Christiane Schenderlein (Foto) spricht im Bundestag und breitet beide Hände aus
CDU-Politikerin Christiane Schenderlein (Foto) nimmt auch den Deutschen Fußballbund (DFB) in die PflichtBild: Michael Kappeler/dpa/picture alliance

Christiane Schenderlein (CDU), Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, spielte den Ball unterdessen an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) weiter. "Entscheidungen über die Teilnahme oder einen Boykott von großen Sportveranstaltungen liegen allein bei den zuständigen Sportverbänden, nicht bei Politikern", sagte sie gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Petition gegen die WM 

Nicht nur in der Politik, auch bei den Fans mehren sich die Bedenken hinsichtlich der Weltmeisterschaft in diesem Jahr. In den Niederlanden startete der Journalist Teun van de Keuken eine Petition, in der angesichts der Drohungen eines NATO-Mitglieds gegenüber einem anderen ein WM-Boykott gefordert wird. Mittlerweile haben rund 135.000 Menschen (Stand: 22.01.2026) die Petition unterzeichnet - Tendenz stark steigend. 

"Sportverbände sagen fast immer, dass sie Politik und Sport nicht vermischen wollen. Das Problem ist aber, dass die Politik bereits präsent ist und man Stellung beziehen muss", sagte van de Keuken der DW. "Die Boykott-Idee ist mittlerweile unter Fußballfans, zu denen auch ich gehöre, sehr beliebt. Ich fände es zwar schade, wenn es dazu käme, weil eine Weltmeisterschaft immer ein Highlight im Sport ist. Aber ich denke, dass die politische Situation derzeit wichtiger ist."

FIFA-Friedenspreis wirft Fragen zur Neutralität auf

Nach Ansicht des niederländischen Journalisten hat das öffentliche Anbiedern von FIFA-Präsident Gianni Infantino gegenüber Trump es noch schwieriger gemacht, die vom Weltverband geforderte politische Neutralität zu akzeptieren.

Infantino hatte dem US-Präsidenten im Rahmen der WM-Auslosung im Dezember 2025 den kurz zuvor ins Leben gerufenen "Friedenspreis" verliehen. Offiziell ist jedoch nicht bekannt, nach welchen Kriterien und durch wen die Entscheidung für den Preisträger getroffen wurde.

Während der WM-Auslosung im Dezember verleiht FIFA-Präsident Gianni Infantino (r.) US-Präsident Donald Trump den FIFA-Friedenspreis
Während der WM-Auslosung im Dezember verleiht FIFA-Präsident Gianni Infantino (r.) US-Präsident Donald Trump den FIFA-FriedenspreisBild: Evan Vucci/AP Photo/picture alliance

"Ich habe meine Befürchtungen, wenn man sieht, dass die FIFA plötzlich der Meinung ist, der Präsident der USA sollte einen Friedenspreis erhalten, den es bisher noch nie gegeben hat", kritisierte der dänische Politiker Jensen im DW-Interview.

"Ich weiß nicht, aus welchen Gründen die FIFA plötzlich einen Friedenspreis vergeben muss. Aber es könnte eine Warnung sein, was uns erwarten könnte, wenn das Turnier in den USA stattfindet."

Der Artikel wurde aus dem englischen Original "World Cup 2026: Could Europe drive a boycott?" adaptiert.