Kinostart: ″Es ist schwer, ein Gott zu sein″ | Kultur | DW | 03.09.2015
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Kultur

Kinostart: "Es ist schwer, ein Gott zu sein"

Das Vermächtnis des russischen Regisseurs Aleksei German kommt in die deutschen Kinos. Er bietet die außergewöhnlichsten Filmbilder des Jahres.

So etwas gibt es ganz selten im Kino. Ein Film, der nicht zu vergleichen ist mit anderen. Der stilistisch und thematisch in einer eigenen Liga spielt. Dessen Produktionsgeschichte schon so außergewöhnlich ist, dass sie selbst filmreif sein würde. Dass dieser Film jetzt die deutschen Kinoleinwände erreicht, ist eine kleine Sensation.

Aleksei German hat mehr als zehn Jahre an "Es ist schwer, ein Gott zu sein" gearbeitet. Kurz vor Fertigstellung des Projekts starb er 2013. Doch seine letzten künstlerischen Visionen, wie der fertige Film einmal auszusehen habe, konnte er seiner Frau Svetlana Karmalita und seinem Sohn Aleksei A. German jr. noch mit auf den Weg geben. Sie beendeten das außergewöhnliche Werk.

Germans Film ist ein kühnes Stilexperiment in Schwarz-Weiß

Seither ist der Film auf einigen Festivals in aller Welt zu sehen gewesen, nun kommt er Dank des Engagements von zwei mutigen Filmverleihern in die Kinos. Germans Film basiert auf der Romanvorlage der russischen Science-Fiction-Autoren Boris und Arkadi Strugazki aus dem Jahre 1964. Schon einmal hatte sich ein Regisseur an dem Stoff versucht, der Deutsche Peter Fleischmann 1989.

Filmstill Es ist schwer, ein Gott zu sein (Foto: Verleih Bildstörung/Drop Out Cinema)

Skeptischer Blick zurück auf mittelalterliches Leben: "Es ist schwer, ein Gott zu sein"

Die Handlung des Films nachzuerzählen, fällt schwer. Mit der reinen Inhaltsangabe lässt sich das komplexe Opus kaum beschreiben. "Es ist schwer, ein Gott zu sein" ist ein dreistündiges "Monster von einem Film" (Verleihankündigung), schwer verdaulich, kühn in seiner Anlage, zwischen Experiment und Tradition gelagert, in Schwarz-Weiß gedreht, in langen Plansequenzen mit nur wenigen Schnitten montiert.

Zwischen Mittelalter und Science-Fiction

Erzählt wird vom Leben auf einem fernen Planet, der - verglichen mit dem Entwicklungsstand der Erde - rund 800 Jahre zurückliegt. Eine Forschergruppe besucht die fremde Welt, um zu erkunden, wie es im allertiefsten Mittelalter auch bei uns ausgesehen haben könnte. Sie trifft auf Menschen, die in sumpfigen Dörfern bei Dauerregen zwischen Schlamm und Fäkalien leben, die sich untereinander bekriegen und bekämpfen, kaum durchschaubare und nachvollziehbare Rituale und Gebräuche pflegen.

Einmischen in das Leben der Fremden wollen sich die Erdbewohner nicht, doch werden sie durch den Strudel der Ereignisse hineingezogen in das oft blutige Geschehen.

Filmstill Es ist schwer, ein Gott zu sein (Foto: Verleih Bildstörung/Drop Out Cinema)

Seltsame Rituale zwischen Mensch und Tier

Ihn habe vor allem die Möglichkeit interessiert, "eine Welt und eine gesamte Zivilisation von Grund auf aufzubauen, Geschichte im Entstehen mitzuerleben", so German während der Dreharbeiten. In der Umgebung Prags und in den russischen Lenfilm-Studios wurden aufwendige Filmsettings errichtet, in den Jahren von 2000 bis 2008 wurde gedreht. Danach arbeitete das Team lange an der Postproduktion.

Enthusiastische Reaktionen in aller Welt

Die "New York Times" erinnerte das bildgewaltige Werk an die Gemälde des Niedländers Pieter Bruegel und eines Hironymus Bosch oder auch an die Texte des Dichters Dante. Der "Hollywood Reporter" schrieb leicht irritiert: "Der pausenlose Ansturm ekelerregender Bilder dürfte wohl jeden Zuschauer mit auch nur leicht nervösem Magen in die Flucht schlagen". Und das renommierte Internet-Film-Portal "critic.de" kommentierte: "Ein Film, der in seiner existenziellen Wüstheit und puren physischen Wucht vollkommen ohne Vergleich ist."

Ein Filmemacher ist zu entdecken

Der US-Kritiker Scott Foundas schrieb anlässlich einer Retrospektive von Germans Filmen im New Yorker Lincoln Center kurz vor dessen Tod: "In Zeiten von Netflix, Videostreams und DVDs-on-demand ist es nur allzu verführerisch - ja sogar tröstlich zu glauben, es gäbe keine filmische Terra Incognita mehr, die noch darauf wartete entdeckt zu werden." Überflüssig zu erwähnen, dass Foundas darauf anspielte, diese "unentdeckte Welt" in Germans Werken gefunden zu haben.

Filmstill Es ist schwer, ein Gott zu sein (Foto: Verleih Bildstörung/Drop Out Cinema)

Bei Prag entstanden eindrucksvolle Bauten für den Film

Aleksei German: Immer wieder Ärger mit den Filmbehörden

Aleksei German, der während seiner Karriere in der Sowjetunion und Russland nur sechs Filme drehen konnte, immer wieder mit den Zensurbehörden und aufgrund seiner Detailverliebtheit auch mit den Produzenten in Konflikt geriet, gilt unter Kritikern als einer der großen Unbekannten des Kinos.

Wie Andrej Tarkowski oder Stanley Kubrick, Terrence Malick oder Akira Kurosawa galt er als besessener Arbeiter und manischer Kinovisionär. Anders als bei den genannten Filmemachern ist das epochale Werk des Russen Aleksei German hierzulande jedoch noch zu entdecken.

Filmstill Es ist schwer, ein Gott zu sein (Foto: Verleih Bildstörung/Drop Out Cinema)

Magische Schwarz-Weiß-Bilder

Parallelen zu heutigen Konflikten

Germans Sohn übrigens verglich das Geschehen im Film seines Vaters mit den blutigen Umbrüchen im Nachbarland: "Ich sehe die Kämpfe in der Ukraine und denke, wie ähnlich doch alles ist."

Zu guter Letzt noch dieses Zitat des italienischen Schriftstellers Umberto Eco: "Im Vergleich zu Germans Obsessionen wirken die Filme Quentin Tarantinos zweifellos wie Märchenfilme von Walt Disney."

Der deutsche DVD-Anbieter "Bildstörung", der "Es ist schwer ein Gott zu sein" gemeinsam mit "Drop-Out-Cinema" in Deutschland verleiht, bringt den Film Ende des Jahres auf DVD und Blu-ray raus.

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