Keith Haring: Kunstsammlung mit Rekordergebnis versteigert | Kunst | DW | 02.10.2020
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Versteigerung für den guten Zweck

Keith Haring: Kunstsammlung mit Rekordergebnis versteigert

Andy Warhol, Jean-Michel Basquiat und Kenny Scharf: Werke dieser Künstler-Kollegen vereinte Keith Haring in seiner Sammlung. Diese kam nun unter den Hammer.

Auf diesem Werk von Andy Warhol hält DJ Juan Dubose (rechts) seinen Partner Keith Haring umschlungen | ohne Titel | Keith Haring Sotheby's-Auktion in New York (Sotheby's/dpa/picture alliance)

Andy Warhols Porträt von Keith Haring und dessen Partner Juan Dubose erzielte eine Summe von über 500.000 Dollar

Er galt als erster Star der Street-Art-Szene: 30 Jahre nach Tod versteigerte das New Yorker Auktionshaus Sotheby's die persönliche Kunstsammlung des berühmten Vertreters der amerikanischen Pop Art und erzielte damit 4,6 Millionen Dollar (ca. 4 Millionen Euro). Das sei drei Mal mehr als erwartet, hieß es. Unter den Hammer kamen Werke seiner künstlerischen Weggefährten , Roy Lichtenstein, Jenny Holzer, Kenny Scharf, Jean-Michel Basquiat und von weiteren Pionieren der Pop und Street Art. 

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Die Bilder, die Haring teils im Tausch gegen eigene Werke, als Geschenk oder gegen Geld bekommen hatte, waren bis zur Auktion im Besitz der 1989 noch von Haring selbst gegründeten Stiftung "The Keith Haring Foundation". Doch hinsichtlich des gemeinnützigen Zwecks, dem Stiftungen dienen, wurde es rechtlich zunehmend problematisch, über Bilder zu verfügen, die nicht vom Gründer selbst stammen. Darum hat man sich dafür entschieden, die Sammlung bei Sotheby's versteigern zu lassen. Vom 24.09.2020 bis 01.10.2020 konnten Kunstliebhaber mit dem nötigen Kleingeld in der Auktion "Dear Keith" online mitbieten.

Einsatz für Kinder und HIV-Prävention: Keith Harings Vermächtnis

Die Stiftung unterstützt, so wollte es ihr Gründer, Non-Profit-Organisationen, die sich für benachteiligte Kinder einsetzen, und macht sich in der AIDS-Präventionsarbeit stark. Sie führt damit fort, was Haring schon zu Lebzeiten wichtig war. Beispielsweise arbeitete er in Kunst-Workshops mit Kindern zusammen und kreierte Wandbilder, Skulpturen und Zeichnungen für Gesundheitszentren und benachteiligte Gruppen. Von 1985 an befasste er sich künstlerisch mit der damals noch häufig tabuisierten Aids-Thematik. 1988 erfuhr er, dass er sich selbst mit HIV infiziert hatte, zwei Jahre später starb er.

Keith Haring mit Hut (picture-alliance/dpa/Elsner)

Keith Haring im Januar 1990 - kurz vor seinem Tod

Zum Auftrag der Stiftung passend, soll der Erlös der aktuellen Auktion an ein LGBTQ-Zentrum in New York gehen - doch nicht an irgendeines. Die "The Center" genannte Einrichtung im Stadtteil Manhattan setzt sich u.a. für die Rechte und Chancen der queeren Gemeinschaft New Yorks ein. Und wie unzählige andere Organisationen hat auch sie wegen der Corona-Pandemie finanziell stark gelitten. Doch dank der "Dear Keith"-Auktion kommt jetzt wieder Geld in die leeren Kassen. "Es fühlt sich so an, als ob Keith selbst seine Freunde dazu anstiftete, Kunst für diesen speziellen Zweck zu machen", sagte der künstlerische Direktor der Stiftung, Gil Vazquez, gegenüber der New York Times. "'The Center' vereint so viel, was Keith wichtig war: Gemeinschaft, Selbstbestimmung und die Unterstützung der Jugend, die unsere Zukunft ist." Im LGBTQ-Zentrum findet sich auch eines der letzten Wandgemälde Harings: In einer Männertoilette im zweiten Stock ist noch heute das Bild "Once Upon a Time" zu sehen. Damit erinnert Haring an jene Tage, als Sex unter Schwulen noch ohne Angst vor HIV möglich war.

Keith Haring: vom Comic über die Street Art zur Pop Art

Mit der Kunst in Berührung kam Haring durch seinen Vater, der selbst Comics zeichnete. Was moderne Kunst ausmachte, erfuhr er aus Büchern und durch Museumsbesuche. 1978 zog Haring von seinem Heimatstaat Pennsylvania nach New York, wo er ein Jahr lang die "School of Visual Arts" besuchte. In den U-Bahnhöfen der Stadt fertigte er Graffitis auf leeren Reklametafeln an und wurde Mitglied im "Club 57", wo sich die Kunstszene des East Village traf.

Eine Bärenskulptur von Jeff Koons steht neben einem Gemälde von Keith Haring, das bunt ausgemalte Figuren zeigt (Selcuk Acar/AA/picture alliance)

Dieses Bild ohne Titel mit den berühmten Haring-Figuren erzielte 2014 bei einer Auktion über drei Millionen Dollar

In den 1980er Jahren hatte sich Haring in der internationalen Kunstwelt bereits einen Namen gemacht. Er nahm beispielsweise an der documenta 7 in Kassel und an verschiedenen Biennalen teil. 1985 zeigte das Museum für zeitgenössische Kunst in Bordeaux sogar eine Einzelausstellung von ihm. Auch drei Jahrzehnte nach seinem Tod kennen selbst Schulkinder in Deutschland den US-Amerikaner noch, denn seine mit schwarzen Linien umrahmten, bunt ausgemalten Figuren sind längt im kollektiven Gedächtnis verankert. Bei Schülern weniger bekannt dürften allerdings Zeichnungen der durch Penisse als männlich ausgewiesenen Figuren sein, wie sie auch das Wandbild "Once upon a time" zeigt. Mit derartigen Bildern setzte sich Haring gegen Homophobie ein und brachte HIV und AIDS ins Licht der Öffentlichkeit.

Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat: mehr als nur Zeitgenossen Harings

Andy Warhol und Keith Haring stehen vor einem Plakat in Schwarz-Weiß, das Noten und die berühmten Haring-Figuren zeigt. (picture-alliance/dpa/Keystone)

Andy Warhol und Keith Haring: Freunde und Kollegen - gemeinsam erschufen sie das Plakat im Hintergrund

Seinen ersten Warhol sah Haring bei einem von der Kirche organisierten Ausflug in einem Museum in Washington, D.C.. Vermutlich ahnte er da noch nicht, dass er einmal mit dem Mitbegründer der Pop Art befreundet sein würde und Warhol und er 1985 gemeinsam auf die Hochzeit von Madonna und Sean Penn gehen würden. Ein anderer Künstler, Jean-Michel Basquiat - der erste afroamerikanische Star der Kunstszene -, zählte ebenfalls zu Harings Freunden in New York. Auch er verkehrte regelmäßig im "Club 57". 

Viele Werke von Künstlern, die mit diesem Club assoziiert waren, gehören zu Harings Sammlung, die in New York unter den Hammer kam. Doch auch Werke von Mitgliedern der Street Art-Bewegung der damaligen Zeit, darunter John Matos, Lady Pink und Lee Quinones, gehörten zu den Auktionsgegenständen. 450 Bieter beteiligten sich an der Versteigerung der 140 angebotenen Stücke. Der Gesamterlös ist fast viermal so hoch, wie zuvor angenommen worden war. Die höchste Summe erzielte der eingangs auf 250.000 Dollar (ca. 214.625 Euro) geschätzte Warhol, auf welchem Haring von seinem Partner, dem DJ Juan Dubose, umarmt wird (unser Titelbild): Mit 504.000 Dollar war sein Wert doppelt so hoch wie erwartet. Haring und Dubose waren fünf Jahre lang ein Paar. Dubose starb noch vor Haring an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung.

Dies ist eine aktualisierte Version eines früheren Artikels. 

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