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Kann Gastgeber USA bei der WM 2026 für Euphorie sorgen?

12. Juni 2026

Die USA sind nach 32 Jahren wieder Gastgeber einer Fußball-WM. Soccer hat sich stark entwickelt, ist aber weit von einem Volkssport entfernt. Nun soll eine erfolgreiche WM einen Schub bringen. Ist das realistisch?

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US-Fans mit Pyrotechnik beim Freundschaftsspiel USA gegen Deutschland in Chicago
Kommt bei den Spielen der US-Boys echte Fußballstimmung auf und gibt die WM der Sportart einen Schub?Bild: Marvin Ibo Güngör/GES/picture alliance

"Wir sind ein Land, das Basketball und American Football liebt. Es ist schwer, die einzufangen", sagt Joe Scally, Abwehrspieler bei Borussia Mönchengladbach in der Fußball-Bundesliga gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Aber ich denke, wir sind sehr nah dran. Die WM wird da noch mehr Begeisterung bringen."

Auch sein Gladbacher Teamkollege und Mitspieler im US-Team Gio Reyna verweist auf die positive Entwicklung der vergangenen Jahre. "Wir haben noch einen Weg zu gehen, aber der Fortschritt der vergangenen vier oder fünf Jahren war schön zu sehen. Ein gutes Turnier würde sicherlich helfen."

Noch keine WM-Euphorie?

Der erste Auftritt des Co-Gastgebers USA bei der Fußball-Weltmeisterschaft steht am Samstag (3.00 Uhr MESZ) mit dem Spiel gegen Paraguay an. Dass auch zwei Tage vor dem Anpfiff noch Tickets für die Partie im Stadion von Los Angeles (70.000 Plätze) zu bekommen sind, mag einerseits an den hohen Preisen liegen.

Es zeigt aber vielleicht auch, dass sich die Amerikaner erst von ihrem Team begeistern lassen wollen, bevor sie die Arena füllen. Das Testspiel gegen die deutsche Fußball-Nationalmannschaft vor einigen Tagen in Chicago war ausverkauft.

US-Nationalspielerin Megan Rapinoe feiert Tor bei der WM 2019 mit Teamkollegin Alex Morgan
Im Soccer sind die US-Frauen Weltklasse - Spielerinnen wie Alex Morgan (l.) oder Megan Rapinoe (r) absolute Top-StarsBild: John Walton/empics/picture alliance

Fußball oder Soccer, wie er dort heißt, war früher in den USA eher eine Sportart der Einwanderer und wurde lange Zeit von den US-Frauen sehr viel professioneller und vor allem erfolgreicher betrieben als von den Männern. Das Frauen-Team der USA ist viermaliger Weltmeister, fünfmaliger Olympiasieger und gewann neunmal den Gold Cup, die Kontinentalmeisterschaft des Nordamerikanischen Verbands CONCACAF.

Major League Soccer - langer Weg zu starker Liga

Die Major League Soccer (MLS) der Männer gab es lange Zeit gar nicht. Ende der 1970er Jahre gab es eine kurze Hochphase, als unter anderem die Fußball-Legenden Franz Beckenbauer und Pelé bei Cosmos New York unter Vertrag standen oder Bundesliga-Rekordtorjäger Gerd Müller in Fort Lauderdale.

Allerdings war die MLS damals eher eine Showveranstaltung auf eher niedrigem sportlichen Niveau. Die Altstars aus Europa und Südamerika konnten hier am Ende der Karriere ohne großen Aufwand nochmal gutes Geld verdienen - vergleichbar mit den Ligen in Katar oder Saudi-Arabien heute.

Erst nach der WM 1994 in den USA gab es eine Wiedergeburt. Seit 1996 läuft der Ligabetrieb wieder - der Neustart erfolgte mit nur zehn Mannschaften. Nach schweren Anfangsjahren mit geringem Zuschauerinteresse und finanziellen Problemen, in denen die Liga fast schon wieder verschwunden wäre, hat sie sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt.

Lionel Messi lacht und freut sich nach einem Tor für Inter Miami CF
Lionel Messi spielt seit 2023 für Inter Maimi CF und hat viele Fans in den USA für die MLS begeistertBild: Mohammad Karamali/OPA Images/IMAGO

Mittlerweile spielen 30 Klubs in der MLS. Aktueller Meister ist Inter Miami CF, wo Argentiniens Weltmeister und Superstar Lionel Messi spielt. Messis und das Engagement anderer Top-Stars wie David Beckham (2007 bis 2012 bei LA Galaxy) oder Thomas Müller (seit 2025 bei den Vancouver Whitecaps) hat sicher auch zum Wachstum und gesteigerten Interesse beigetragen.

Diese Stars sind aber auch deswegen in der Liga, weil potente Sponsoren viel Geld bereitstellen. Red Bull gehört dazu, die City Football Group aus Abu Dhabi, die auch Manchester City besitzt und einige andere.

Pull-Faktor für den Fußball durch die WM?

Fußball ist daher beliebt, aber andere Sportarten sind nach wie vor präsenter im Alltag. Wenn Kinder oder Jugendliche in Parks oder auf der Straße spielen, haben sie normalerweise einen Basketball, einen Football oder einen Baseball in der Hand

Nun soll die WM dem Wachstum des Fußballs und seiner Bedeutung in den USA einen ordentlichen Schub verpassen - ein gutes Abschneiden der US-Boys wäre dafür von enormem Wert. 

"Wir US-Spieler und Fans haben dieses Stigma auf der Welt, dass wir nicht wissen, wovon wir sprechen. Aber die Realität ist, dass es hier viel Liebe für Fußball gibt", sagte Torwart Matt Turner. Turner spielt in der MLS für New England Revolution.

zweikampf Christian Pulisic gegen Weston McKennie im Spiel Juventus Turin gegen AC Mailand
Christian Pulisic (2.v.l.) und Weston McKennie (2.v.r.) sind zwei der amerikanischen Top-SpielerBild: Marco Alpozzi/AP Photo/picture alliance

Die Hälfte des WM-Kaders von Coach Mauricio Pochettino spielt in den USA, die andere ist bei Klubs in Europa beschäftigt - darunter Top-Spieler wie Christian Pulisic von der AC Mailand, Weston McKennie von Juventus Turin oder Top-Talente wie Malik Tillman von Bundesliga-Klub Bayer 04 Leverkusen oder Ricardo Pepi von der PSV Eindhoven.

Pochettino, ein Argentinier, ist Realist und beurteilt die Qualität seiner Spieler eher zurückhaltend. Einen Spieler unter den Top 100 gebe es in seinem Team nicht, sagte er schon im Frühjahr. Ein Fußball-Wunder und den WM-Sieg im Finale am 18. Juli will aber auch er nicht ausschließen

"Warum nicht wir? Warum nicht wir? Warum nicht wir?", fragte Pochettino. "Wir müssen wirklich daran glauben, dass wir da sein können. Wir müssen träumen!"

Größter Erfolg vor 96 Jahren - Tragik bei WM 1994

Sehr erfolgreich war das US-Team bei Weltmeisterschaften zuletzt nicht - überhaupt liegt der größte Erfolg fast 100 Jahre zurück. 1930, bei der ersten WM in Uruguay scheiterten die Amerikaner im Halbfinale an Argentinien und wurden von der FIFA anschließend als WM-Dritter gewertet.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es bis 1990, ehe sich das Team überhaupt noch einmal qualifizieren konnte. 2002 schied man im Viertelfinale gegen Deutschland aus. 2018 in Russland war man nicht qualifiziert, und 2022 in Katar war im Achtelfinale gegen die Niederlande Endstation.

Tragisch endete die letzte WM, bei der die USA Gastgeber waren: Das Team verfügte 1994 mit Spielern wie Thomas Dooley, Alexi Lalas oder Claudio Reyna über eine Art "goldene Generation". Bester Akteur war Mittelfeldspieler Tab Ramos, der damals als einer der wenigen Europa-Legionäre bei Betis Sevilla spielte.

Im Achtelfinale gegen den späteren Weltmeister Brasilien wurde Ramos kurz vor der Halbzeitpause auf brutale Art und Weise aus dem Spiel genommen. Brasiliens Leonardo - später unter anderem Sportdirektor bei der AC Mailand und Paris St. Germain - rammte Ramos bei einem Zweikampf den Ellenbogen an den Kopf.

Ramos erlitt dabei eine Schädelfraktur und musste anschließend monatelang im Krankenhaus behandelt werden. Leonardo sah Rot und wurde für den Rest des Turniers gesperrt. Das Spiel endete 1:0 für Brasilien.

Ausgeglichene Gruppe - wie weit kann es gehen?

Nun, 22 Jahre danach, geht es für die USA erst einmal darum, die Gruppenphase gut zu überstehen. Mit Australien, Paraguay und der Türkei haben sie Gegner erwischt, gegen die am Ende von Platz eins bis Platz vier alles möglich ist.

Viel wird davon abhängen, wie die US-Boys gegen Paraguay ins Turnier starten. Gewinnen sie, sind sie aufgrund des Modus, bei dem von 48 Mannschaften 32 weiterkommen schon so gut wie im Sechzehntelfinale. Verlieren sie dagegen, ist der Druck im zweiten Spiel gegen Australien entsprechend hoch - zumal die Türken in Spiel drei als Favorit gelten.

US-Trainer Mauricio Pochettino
US-Coach Mauricio Pochettino führte einst die Tottenham Hotspur ins Champions-League-FinaleBild: Markus Ulmer/Pressefoto Ulmer/picture alliance

"Wir wollen das für uns. Wir wollen das für unser eigenes Land. Wir müssen niemandem anderen etwas beweisen", sagte Starspieler Christian Pulisic vor dem Turnier und versuchte damit, ein wenig Erwartungsdruck rauszunehmen. "Wir haben gute Spieler, sehr gute Spieler, in Topklubs auf der ganzen Welt. Wir haben eine gute Mannschaft und, yeah, wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um uns das selbst zu beweisen."

Der ehemalige Schalker Weston McKennie glaubt, dass - wenn der Ball rollt - auch die Stimmung da sein wird. "Amerikaner sind die Art Fans, die für die großen Events auftauchen", sagt er, "selbst, wenn sie Fußball nicht lieben."

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