Kalous Video startet neue Bundesliga-Kontroverse | Sport | DW | 05.05.2020
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Bundesliga-Neustart

Kalous Video startet neue Bundesliga-Kontroverse

Salomon Kalous Video aus der Umkleidekabine von Hertha BSC schafft ungewohnte Einblicke und befeuert die Diskussion um den Bundesliga-Neustart: Gibt es einen strikten Umgang mit dem Sicherheitskonzept der DFL?

Salomon Kalou hat die Fußball-Welt endgültig in Unordnung gebracht. Mit einem Live-Video, am Montagnachmittag auf Facebook ausgestrahlt, hatte der Profi von Hertha BSC aufgezeigt, dass die Bedeutung der von der Deutschen Fußball Liga (DFL) erarbeiteten Sicherheitsmaßnahmen für die Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs offenbar nicht von allen Beteiligten so richtig ernst genommen wird.

Kalous ungefiltert zu beobachtenden Begrüßungen der Mitspieler und des Betreuerteams per Handschlag in der Hertha-Umkleidekabine sowie zu geringer Sicherheitsabstand und fehlende Desinfektionsmaßnahmen haben in der Öffentlichkeit wieder Zweifel aufkommen lassen, ob sich alle Beteiligten an die Regeln halten, um einen möglichst gefahrlosen Neubeginn des Profifußballs zuzulassen. Zuvor waren die Diskussionen um drei positiv getestete Angehörige des 1.FC Köln und die Beschwerden des Spielers Birger Verstraete ob des Umgangs des Klubs mit den Corona-Tests aufgeflammt.

Probleme wie in der Gesamt-Wirtschaft

"Es zeigt einfach, wie viel Dialog mit allen Beteiligten notwendig ist. Und es nicht nur eine Frage von stichhaltigen Regeln auf Papier ist, sondern in der menschlichen Umsetzung sehr viele Probleme bestehen können", sagt Jonas Baer-Hoffmann von der internationalen Spielervereinigung FIFpro der DW. "Das braucht noch Arbeit und zeigt, wie fragil so ein System ist. Es hat viele Fragezeichen verdeutlicht, die Antworten brauchen, bevor es sicher ist, zu starten."

Jonas Baer-Hoffmann im Porträt (Foto: imago images/M. Hoffmann)

Jonas Baer-Hoffmann meint, es sei noch viel Arbeit nötig bis zum Liga-Start

Steffen Augsberg, Mitglied des Deutschen Ethikrates, hat grundsätzliche Bedenken in Bezug auf die mögliche Wiederaufnahme des Profifußballs. Augsberg sieht in der Bundesliga lediglich einen kleinen Teilausschnitt der gesamten Bevölkerung, der keine Sonderbehandlung erfahren dürfe. "Meine Hauptkritik liegt darin, zu fragen, ob die Bundesliga wirklich unser größtes Problem ist? Wenn wir ähnlich viel Energie in die Frage stecken würden, wie wir andere Wirtschaftszweige wieder auf die Beine bekommen, würde uns das besser zu Gesicht stehen", sagt der Professor für Öffentliches Recht an der Universität Gießen der DW.

Dabei seien die intensiven Bemühungen der DFL durchaus legitim, allerdings dürften durch die Intensität der Diskussionen nicht die anderen gesellschaftlichen Bereiche aus den Augen verloren werden. Zudem bezweifelt Augsberg, dass der Profifußball langfristig und nachhaltig unter einer längeren Wartezeit leiden würde. "Ganz brutal gesagt ist es auch so, dass, wenn Vereine Pleite gehen, aber das Produkt stimmt, sich dieses in einer Nachkrisenzeit auch wieder etablieren lassen wird. Das ist eine Konstellation, die wir auch in der Gesamt-Wirtschaft erleben werden."   

Heterogene Fan-Meinungen

In der organisierten Fanszene sind die Meinungen sehr unterschiedlich, ob es in Kürze zu Geisterspielen in der Bundesliga kommen soll. "Das entscheidet allein die Politik. Das ohnehin schon heterogene Meinungsbild wurde durch die Vorkommnisse bei Hertha BSC sicher noch heterogener. Die Politik hat in allen gesellschaftlichen Fragen sehr schwierige Entscheidungen vor sich und dazu gehört auch der Teilbereich Bundesliga. Aber sicher wird das Berücksichtigung in der Beurteilung finden. Aber das obliegt nicht uns", sagt Helen Breit, Vorstandsmitglied der bundesweiten Interessenvertretung „Unsere Kurve".

Politik bleibt bei ihrem Kurs

In der Bundespolitik haben die in der Öffentlichkeit geäußerten Zweifel offenbar nicht verfangen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ließ keine Zweifel am Hygiene-Konzept der DFL aufkommen. "Das grundsätzliche Konzept macht Sinn und kann auch Vorbild sein im übrigen für andere Profisport-Bereiche. Aber dann muss es auch gelebt werden", sagte der Politiker am Dienstagmorgen im Deutschlandfunk.

Und auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sieht mit Blick auf die Tests beim 1.FC Köln keinen tiefgreifenden neuen Handlungsbedarf "Die Kölner Corona-Fälle sind ja gerade der Beleg, dass das ganze System funktioniert. Es ist ein Riesen-Sicherheitskonzept entwickelt worden, dass inzwischen parteiübergreifend Zustimmung gefunden hat", sagte der CDU-Politiker am Montag im ARD-Mittagsmagazin.

Ob und wie sich das Live-Video von Kalou auf die Entscheidungsfindung der Ministerpräsidentenrunde mit der Kanzlerin am Mittwoch auswirken wird, ist nur schwer vorherzusagen. Fakt ist: Sollte die Bundesliga in Kürze einen Neustart machen, dürfte es bis dahin genügend Diskussionsstoff geben.