Soll Justin Bieber in Saudi-Arabien auftreten? | Kultur | DW | 22.11.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Protest gegen Konzert

Soll Justin Bieber in Saudi-Arabien auftreten?

Justin Bieber plant im Rahmen einer Formel-1-Veranstaltung in Dschiddah aufzutreten. Menschenrechtler bitten den Sänger darum, den Saudi-Arabien-Gig abzusagen.

Großbritannien London | Albumvorstellung Justin Bieber

Justin Bieber

Ein Formel-1-Rennen ist immer ein Großereignis, egal ob in Monaco, am Nürburgring oder im saudi-arabischen Dschiddah. Ein Rahmenprogramm mit reichlich Prominenz und Glamour gehört zum Rennzirkus dazu - und in Dschiddah soll es am 5. Dezember unter anderem von Superstars wie Justin Bieber, Jason Derulo, A$AP Rocky und David Guetta bestritten werden.

Dies sind nicht die ersten Weltstars der Musikszene, die von Saudi-Arabien eingeladen worden sind, in dem Land aufzutreten: Enrique Iglesias, Mariah Carey, Andrea Bocelli, Janet Jackson, 50 Cent und Jennifer Lopez haben dort schon Konzerte gegeben. Für Unterhaltungs-, Sport- und Kulturveranstaltungen wird viel Geld ausgegeben, in einem Land das sich nach außen hin weltoffen zeigt und gleichzeitig für seinen Umgang mit Menschenrechten kritisiert wird.

"Singe nicht für die Mörder meines geliebten Jamal"

Weltweites Aufsehen erregte der Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi am 2. Oktober 2018. Er hatte die saudische Vertretung in Istanbul aufgesucht, um wichtige Papiere abzuholen. Im Konsulat ist er ermordet worden - von einem saudischen Tötungskommando, das mutmaßlich dem Befehl des Kronprinzen Mohammed bin Salman unterstellt war.Khashoggi hatte häufig Kritik an der saudischen Monarchie, insbesondere an bin Salman, geäußert.

Hatice Cengiz, die Verlobte von Jamal Khashoggi

Hatice Cengiz

Khashoggis damalige Verlobte Hatice Cengiz kämpft bis heute für Gerechtigkeit und bat Justin Bieber nun in einem Washington Post-Artikel darum, seinen geplanten Auftritt abzusagen. Mit den Worten: "Singe nicht für die Mörder meines geliebten Jamal".

Hashtag "Bieberfans4humanrights"

Unter #Bieberfans4humanrights wird seit Tagen auf Twitter dazu aufgerufen, den kanadischen Popstar und seine Kolleginnen und Kollegen von ihren Auftritten abzubringen. Denn die saudische Regierung wolle diese Berühmtheiten dazu benutzen, ihre miserable Menschenrechtsbilanz aufzupolieren, heißt es bei der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, die den Hashtag ins Leben gerufen hat.

Viele haben sich der NGO angeschlossen und verlangen von der saudischen Regierung, Rechenschaft abzulegen. So schreibt auch Cengiz in ihrem Artikel, Justin Bieber habe jetzt eine "einmalige Gelegenheit". Er könne der Welt mit einer Absage verdeutlichen, dass sein "Name und Talent nicht benutzt werden, um den Ruf eines Regimes wiederherzustellen, das seine Kritiker tötet". Bieber habe Alben mit den Titeln "Gerechtigkeit" sowie "Freiheit" veröffentlicht - "Saudi-Arabien benötigt beides dringend." Das hat auch der Aktivist Samer Muscati in seinen Tweets erwähnt und bittet die Twittergemeinde, sich dem Hashtag anzuschließen.

Auch andere Gruppen bitten die Künstler, von ihren Auftritten beim Formel-1-Rennen abzusehen, wie etwa die Organisation "Together for Justice". Sie forderte den Weltstar Justin Bieber auf, moralisch Stellung zu beziehen und sich auf die Seite der Opfer von Menschenrechtsverletzungen in der arabischen Region zu stellen, heißt es in diesem Tweet:

Dieser Twitter-User fühlt sich durch Prinz Salmans Verhalten - also auch die Austragung der umstrittenen Veranstaltung - in seinen religiösen Gefühlen verletzt und schreibt, dass er dieses Konzert als eine Missachtung des Heiligen Landes in Saudi-Arabien betrachtet:

Trotz einiger Lockerungen im öffentlichen Leben sind etwa die Frauenrechte weiter so stark eingeschränkt wie in kaum einem anderen Land. Kritiker der Regierung, politische Aktivisten wie auch Angehörige der LGBTQ-Gemeinde werden oft aggressiv verfolgt, die Zahlen der Hinrichtungen nehmen zu.

Besuche abgesagt

Journalist Jamal Khashoggi, Porträt

Jamal Khashoggi lebte in den USA (Foto von März 2018)

Seit der Ermordung Khashoggis haben zahlreiche Prominente Reisen nach Saudi-Arabien mit dem Verweis auf die Menschenrechtslage in dem Land abgelehnt. Dazu gehören die Rapperin Nicki Minaj, die Models Emily Ratajkowski und Martha Hunt, sowie die Wrestling-Stars John Cena und Daniel Bryan.

Außerdem setzte der Unternehmer Richard Branson seine Partnerschaft mit Saudi-Arabien für sein Weltraumtourismusprojekt aus. Im März 2019 gab die Talentagentur Endeavour eine Investition des saudi-arabischen Staatsfonds in Höhe von 400 Millionen Dollar zurück. Von Justin Bieber gab es bislang keine Reaktion auf den Protest.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der arabischen Redaktion der Deutschen Welle.