IWF: Weltwirtschaft wächst langsamer | Wirtschaft | DW | 15.10.2019
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Konjunktur

IWF: Weltwirtschaft wächst langsamer

Der Internationale Währungsfonds sieht die Entwicklung der Weltwirtschaft deutlich pessimistischer und kappt seine Wachstumsprognose. Hauptgrund sei der von US-Präsident Trump ausgelöste Handelsstreit.

Im Handelskrieg zwischen den USA und China hat US-Präsident Donald Trump gerade erst eine Teileinigung verkündet. Schaden hat der Konflikt aber längst angerichtet.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Wachstumsvorhersage für das Jahr 2019 - das vierte Mal in Folge - auf nunmehr 3,0 Prozent. Dies geht aus der Prognose "World Economic Outlook" hervor, die der IWF am Dienstag in Washington veröffentlicht hat.

Im Juli hatte der IWF noch ein Wachstum von 3,2 Prozent vorausgesagt, im Juli des Vorjahres waren es sogar 3,9 Prozent. Der nun erwartete Anstieg von nur noch 3,0 Prozent wäre laut IWF das langsamste Wachstum seit Beginn der globalen Finanzkrise 2008.

Für 2020 erwartet der IWF dann eine leichte Erholung (3,4 Prozent), bleibt aber auch damit leicht unter seiner früheren Prognose.

Trübe Aussichten für Deutschland

Als Gründe dafür nannte der Weltwährungsfonds den Handelsstreit zwischen den USA und China, zunehmende Handelsbarrieren und wachsende Unsicherheit in Folge geopolitischer Risiken. Immer neue Sonderzölle hätten die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen gedämpft.

USA Washington | Internationaler Währungsfonds | Kristalina Georgiewa, Direktorin (Getty Images/M. Wilson)

Die Bulgarin Kristalina Georgiewa ist seit Oktober Nachfolgerin von Christine Lagarde an der Spitze des IWF

Ein drohender Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne Abkommen könnte die Stimmung an den Finanzmärkten noch zusätzlich verschlechtern, so der IWF. Der Klimawandel trübe die Wachstumsaussichten für die Wirtschaft ebenfalls ein, insbesondere in davon besonders bedrohten Ländern.

Auch die Perspektiven für Deutschland haben sich laut dem Bericht eingetrübt. Hier erwartet der IWF ein Wachstum von 0,5 Prozent in diesem und von 1,2 Prozent im kommenden Jahr. Letzteres sind 0,5 Punkte weniger als in der jüngsten Schätzung im Juli. Deutschland ist besonders abhängig vom Export und spürt dadurch den von den USA entfachten Handelsstreit mit China und der EU stärker als andere Staaten.

Für die gesamte Eurozone sagt der IWF ein Wachstum von 1,2 Prozent voraus. Im Juli lag die Prognose bei 1,3 Prozent. 2020 soll die Wirtschaft um 1,4 Prozent wachsen.

Auch China und USA schwächer

Länder müssten gemeinsam Handelsstreitigkeiten lösen und die Hemmnisse abbauen, forderte der IWF. "Multilaterale Zusammenarbeit ist unverzichtbar, um einige der kurz- und langfristigen Probleme zu bewältigen", so der Bericht. Politische Entscheidungsträger sollten zusammenarbeiten, "um Spannungen im Handel zu beseitigen, die die globale Konjunktur geschwächt und Vertrauen verletzt haben".

US-Präsident Donald Trump (picture-alliance/AP Photo/P. Semansky)

Donald Trumps Handelsstreit mit China ist laut IWF der Hauptgrund für die schwache Weltkonjunktur

US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag eine Teileinigung mit China im Handelskrieg verkündet. China reagierte zurückhaltender auf den Ausgang der zweitägigen Verhandlungen in Washington. Die für Dienstag geplante Anhebung von Strafzöllen von 25 auf 30 Prozent auf chinesische Importe wurde in der Folge auf Eis gelegt. Damit kommt zumindest Entspannung in den seit mehr als einem Jahr andauernden Konflikt, gelöst ist er aber noch lange nicht. Die beiden größten Volkswirtschaften der Welt hatten sich in dessen Verlauf immer weiter gegenseitig mit Strafzöllen überzogen.

Das schwächere Wirtschaftswachstum in China sei aber nicht nur auf die "eskalierenden Strafzölle" zurückzuführen, sondern auch auf eine sinkende Nachfrage im Land, betonte der IWF. Für 2019 wird ein leicht nach unten korrigiertes Wachstum von 6,1 Prozent erwartet, im kommenden Jahr von 5,8 Prozent. Vergangenes Jahr hatte die chinesische Wirtschaft noch um 6,6 Prozent zugelegt.

Auch für die USA sagt der IWF einen Abwärtstrend voraus: Nach einem Wachstum von 2,9 Prozent im vergangenen Jahr wird 2019 nur noch ein Plus von 2,4 Prozent erwartet. Die Prognose liegt für 2020 - dem Jahr der kommenden Präsidentschaftswahl - bei 2,1 Prozent und damit geringfügig besser als noch im Juli erwartet (1,9 Prozent). Sowohl der Konsum als auch die Beschäftigung hätten sich positiv entwickelt.

Ermahnung für Deutschland

Die neue Konjunkturprognose wurde im Rahmen der Jahrestagung von IWF und Weltbank in Washington vorgestellt. Bei dem mehrtägigen Treffen beraten Zentralbanker, Finanzminister und Chefs von Großbanken aus aller Welt über die Herausforderungen für die Weltwirtschaft.

Laut IWF wäre die Lage ohne die sehr lockere Geldpolitik in vielen Ländern und Wirtschaftsregionen noch wesentlich schlechter. Die Geldpolitik dürfe aber nicht die einzige Stütze sein, auch die Finanzpolitik der Länder müsse bei Spielräumen tätig werden.

Explizit nannte der IWF-Bericht hier Deutschland. Die Bundesregierung solle die aktuell negativen Zinsen nutzen, um mehr zu investieren. Sollte das Wachstum auf der Welt noch weiter nachlassen, sei eine koordinierte Antwort der Staaten womöglich erforderlich.

bea/hb (dpa, rtr)

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