Italien: ″Lifeline″ darf in Malta anlegen | Aktuell Europa | DW | 26.06.2018
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Migration

Italien: "Lifeline" darf in Malta anlegen

Im Drama um das Rettungsschiff "Lifeline" vor Malta gibt es endlich eine Lösung. Lange Zeit war kein Land bereit, die rund 230 Migranten an Land gehen zu lassen.  

Das Rettungsschiff "Lifeline" der gleichnamigen deutschen Hilfsorganisation darf nach Aussagen der italienischen Regierung in Malta anlegen. Er habe mit dem maltesischen Premierminister Joseph Muscat telefoniert, erklärte Ministerpräsident Giuseppe Conte. "Das Schiff der NGO Lifeline wird in Malta anlegen."

Ein Sprecher der maltesischen Regierung hatte zuvor dem Sender Television Malta gesagt, es seien Gespräche mit verschiedenen EU-Staaten darüber in Gang, wo die rund 230 Migranten an Land dürften.

Maltas Ministerpräsident Joseph Muscat und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sollen laut Medienberichten über die Möglichkeit gesprochen haben, die "Lifeline" in Malta anlegen zu lassen - allerdings nur unter der Bedingung, dass die Migranten dann auf EU-Länder verteilt würden. Frankreich sei bereit, ein Team zur Prüfung der Asylansprüche der Passagiere in den Inselstaat zu entsenden, berichtete die Zeitung "Malta Today".

Malta sah sich bei der Aufnahme der "Lifeline" bisher nicht in der Pflicht, weil das Land die Rettung nicht koordiniert hätte und sie nicht in maltesischen Gewässern stattfand. Die Regierung erhob Vorwürfe gegen den Kapitän des Rettungsschiffs. Dieser habe die Probleme verursacht, indem er Anweisungen der italienischen Behörden missachtet habe, die in Übereinstimmung mit internationalen Regeln erteilt worden seien, erklärte Maltas Regierungssprecher Kurt Farrugia per Twitter.

Die Migranten waren in diesem Boot vor die libysche Küste gefahren und von der Lifeline aufgenommen worden(picture-alliance/AP/Mission Lifeline/H. Poschmann)

Die Migranten waren in diesem Boot vor die libysche Küste gefahren und von der "Lifeline" aufgenommen worden

Das Schicksal der "Lifeline" war auch Thema einer Begegnung Macrons mit den Spitzen der katholischen Gemeinschaft Sant'Egidio am Dienstagmorgen in Rom. Laut italienischen Medien sagte die Leitung der Gemeinschaft, Macron hoffe auf einen positiven Ausgang der Odyssee der "Lifeline". Der französische Präsident hatte sich vor seiner Audienz bei Papst Franziskus mit den Spitzen von Sant'Egidio am Sitz der französischen Botschaft im Palazzo Farnese getroffen.

Die "Lifeline" liegt seit vier Tagen mit 234 Flüchtlingen und 17 deutschen Besatzungsmitgliedern vor Malta. Deutsche Bundestagsabgeordnete, die die "Lifeline" besuchten, sprachen am Montag in deutschen Medien von zunehmend unhaltbaren Zuständen an Bord.

In der Nacht auf Dienstag wurde laut maltesischen Medien ein Passagier mit dem Hubschrauber zur medizinischen Versorgung nach Malta geflogen. Lifeline habe am Dienstagmorgen noch einmal eine Mail an Malta geschickt und darauf hingewiesen, dass sich die Crew an alle Regeln gehalten habe und sich die Situation zuspitze.

"Es muss jetzt eine Lösung her", hatte Axel Steier, Mitbegründer Organisation "Mission Lifeline", der Deutschen Welle gesagt. Die Menschen an Bord seien in einer solch schlechten körperlichen Verfassung, dass es nur eine Frage der Zeit sei, wann es den ersten Toten gebe. Steier zufolge reichen Lebensmittel und Wasser an Bord noch für zwei Tage.

Seenotretter sollen verbannt werden

Die neue populistische Regierung in Italien will private Seenotretter aus dem Meer verbannen, weil sie diese für Handlanger der Schlepper hält. Seit Jahren dringen Länder wie Italien allerdings schon darauf, dass die ankommenden Migranten fair unter den anderen EU-Mitgliedstaaten verteilt werden - alle Versuche dazu scheiterten bisher jedoch.

Das Containerschiff Alexander Maersk vor Sizilien (picture-alliance/dpa/S. Cavalli)

Das Containerschiff "Alexander Maersk" vor Sizilien

Italien lässt zwar keine NGOs in seine Häfen. Doch Militär-, Handels- und Küstenwache-Schiffe durften schon mit Geretteten anlegen. Allerdings oft mit großer Verzögerung. So bekam das dänische Containerschiff "Alexander Maersk" mit 108 Flüchtlingen an Bord erst knapp vier Tage nach der Rettung von Flüchtlingen die Erlaubnis, in Sizilien anzulegen. 

Die Besatzung des Containerschiffs hatte die Flüchtlinge am vergangenen Donnerstag gerettet und auf Anweisung der italienischen Küstenwache nach Pozzallo gebracht. Die Einfahrt in den Hafen wurde dem Frachter jedoch kurzfristig verweigert. Die Aufhebung des Hafenverbots erfolgte den Angaben zufolge wegen verschlechterter Wetterbedingungen. Aufgrund von Platzmangel war ein Teil der Flüchtlinge auf Deck untergebracht und damit schutzlos starken Regenfällen ausgesetzt. 

stu/uh (dpa, afp) 

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