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KonflikteIran

Iran-Krieg: Trump setzt Angriffe auf Energieanlagen aus

Veröffentlicht 23. März 2026Zuletzt aktualisiert 23. März 2026

Nach gegenseitigen Drohungen zwischen Washington und Teheran deutet sich eine diplomatische Entspannung an. Die USA werden vorerst die Energieinfrastruktur im Iran nicht angreifen.

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Donald Trump vor US-Flaggen und am Rednerpult des Präsidenten (18.07.2025)
US-Präsident Trump berichtet von produktiven Gesprächen mit dem Iran (Archivbild)Bild: Nathan Howard/REUTERS

US-Präsident Donald Trump will nach eigenen Worten in den kommenden fünf Tagen keine iranischen Energieanlagen angreifen. Der Grund seien "sehr gute und konstruktive" Gespräche mit dem Iran über ein Ende der Kämpfe. Die Iran-Gespräche beträfen die "vollständige und endgültige Beilegung unserer Kampfhandlungen", erklärte Trump.

Er habe das Verteidigungsministerium angewiesen, alle Attacken auf Kraftwerke und die Energieinfrastruktur auszusetzen, teilte Trump auf seiner Plattform Truth Social mit.

Der Iran dementierte prompt die Aussagen Trumps, wonach Verhandlungen zwischen Teheran und Washington laufen. Es gebe keinerlei direkte Kontakte zu Trump, auch nicht über Vermittler, hieß es in Berichten der Nachrichtenagenturen Fars und Tasnim, die Irans mächtiger Revolutionsgarde nahestehen.

Trump drohte zuvor mit Angriffen auf Energieanlagen

Am Wochenende hatte Trump die Führung in Teheran aufgefordert, die Straße von Hormus binnen 48 Stunden vollständig und "ohne Drohungen" für die Schifffahrt zu öffnen. Andernfalls würden die USA iranische Kraftwerke angreifen und zerstören, "beginnend mit dem größten", so Trump in einem Social-Media-Post.

Der Iran reagierte umgehend mit einer Gegenandrohung. "Wenn ihr die Elektrizität trefft, treffen wir die Elektrizität", heißt es in einer Erklärung der iranischen Revolutionsgarden. Genannt wurden dabei israelische Kraftwerke und Anlagen, die US-Stützpunkte in der Golfregion mit Strom versorgen.

Die Revolutionsgarden erklärten über den Staatssender IRIB zudem, die Straße von Hormus werde vollständig gesperrt, falls die USA iranische Kraftwerke attackierten. Erst wenn zerstörte Anlagen wieder aufgebaut seien, solle die Meerenge wieder geöffnet werden.

Die Straße von Hormus ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und zählt zu den wichtigsten Schifffahrtsrouten weltweit. Rund ein Fünftel des globalen Ölbedarfs wird normalerweise durch diese Passage transportiert - ein erheblicher Teil davon in Richtung China, Indien und andere asiatische Staaten. Hinzu kommen etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels.

Pahlavi: Regime demontieren, Iran schützen

Reza Pahlavi, der im Exil lebende Sohn des früheren iranischen Schahs, appellierte zuvor an Trump, seine Drohung gegen iranische Kraftwerke zu überdenken und zivile Infrastruktur im Iran von Angriffen auszunehmen. Zwar solle der US-Präsident weiterhin gezielt gegen die Strukturen des Machtapparats der Islamischen Republik vorgehen, nicht aber gegen Einrichtungen, die für die Bevölkerung und einen möglichen Wiederaufbau des Landes nach dem Krieg unverzichtbar seien. "Das Regime muss demontiert werden, der Iran selbst aber geschützt bleiben", ließ Pahlavi verlauten.

Irans Oppositionsführer Reza Pahlavi zeigt Victory-Zeichen bei einer Kundgebung
Irans Oppositionsführer im Exil: Reza PahlaviBild: Michaela Stache/AFP/Getty Images

In Irans Hauptstadt Teheran wächst die Belastung durch den Krieg, wie es aus Berichten aus der Millionenmetropole heißt. Neue israelische Luftangriffe und heftige Explosionen wurden aus mehreren Bezirken der Stadt gemeldet.

Reporter des arabischen Senders "Al Jazeera" berichteten von "beispiellosen" Explosionen, vor allem in den östlichen Vierteln der Teherans. Die Luftabwehr sei im Dauereinsatz.

Iran setzt laut Israel Streumunition ein

In Israel wurden bei einem iranischen Angriff auf die Küstenmetropole Tel Aviv nach Angaben von Sanitätern 15 Menschen verletzt. Bereits am Wochenende waren bei iranischen Raketenangriffen auf die südlichen Wüstenstädte Dimona und Arad mehr als 100 Menschen verletzt worden, viele von ihnen schwer.

Nach Angaben eines Israelischen Armeesprechers setzte der Iran dabei erneut Streumunition ein. Eine Rakete mit Streumunition zerbricht über dem Ziel in der Luft und verteilt dann viele kleinere Munitionseinheiten, auch Bomblets genannt, über einem großen Gebiet. Solche Geschosse können nur schlecht abgefangen werde. Nach israelischen Militärangaben beträgt der Radius der Einschläge bei dieser Art von Waffe rund zehn Kilometer.

Wohngebiet nach iranischem Raketenangriff schwer beschädigt
Zerstörung nach einem iranischen Angriff auf Arad in IsraelBild: Toshiyuki Fukushima/AP Photo/picture alliance

Auch Israel intensivierte seine Angriffe auf den Iran. Das israelische Militär kündigte eine weitere Serie umfangreicher Attacken auf Regierungseinrichtungen der Islamischen Republik an. Kurz darauf wurden aus Teheran schwere Explosionen gemeldet.

Neue Angriffe auf die Golfstaaten

In den Golfstaaten verschärft sich die Lage ebenfalls. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums von Saudi-Arabien wurden zwei Geschosse im Anflug auf die Hauptstadt Riad entdeckt. Eines sei abgefangen worden, das andere in unbewohntem Gebiet abgestürzt. Die Vereinigten Arabischen Emirate teilten mit, ihre Streitkräfte "reagieren derzeit auf eingehende Raketen- und Drohnenbedrohungen aus dem Iran".

Wenige Stunden zuvor hatten die Behörden in Abu Dhabi gemeldet, dass ein indischer Staatsbürger durch herabfallende Trümmer eines abgefangenen Marschflugkörpers verletzt worden sei. In Bahrain waren Luftschutzsirenen zu hören. Das Innenministerium forderte die Bevölkerung auf, "Ruhe zu bewahren und sich zum nächstgelegenen sicheren Ort zu begeben".

Seit Beginn des Krieges am 28. Februar, den die USA und Israel mit Luftangriffen gegen den Iran eröffnet hatten, reagiert das Regime in Teheran mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel, mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Region. Hinzu kommen Angriffe auf Ölanlagen in verschiedenen Ländern der Golfregion sowie auf Öltanker. Nach offiziellen iranischen Angaben wurden seit Kriegsbeginn Ende Februar mehr als 1500 Menschen getötet und rund 21.000 weitere verletzt.

pgr/AR (dpa, ap, afp, rtr)

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