Iran-Krieg: Teheran sieht keinen Anlass zur Diplomatie
20. März 2026
Schwarzer Rauch über dem Persischen Golf. In zahlreichen Staaten der Region stehen Energieanlagen, zivile Infrastruktur und militärische Einrichtungen unter Beschuss. Gleichzeitig erklärt US-Präsident Donald Trump, der Iran sei militärisch besiegt. Die Realität vor Ort spricht eine andere Sprache.
Auch politisch wächst der Druck auf Washington. Steigende Energiepreise treiben weltweit Inflation und Unsicherheit, auch in den USA selbst. Dennoch setzt die US-Regierung weiterhin auf militärischen Druck. Gespräche mit Teheran sind derzeit nicht in Sicht. Doch selbst wenn Washington dazu bereit wäre, dürfte es im Iran kaum Interesse geben.
"Der Iran wird offiziell in den kommenden Tagen keinerlei Interesse an Gesprächen zeigen", sagt der Nahost-Experte Stefan Lukas, Direktor des in Berlin ansässigen Think Tanks Middle East Minds.
Der Schaden, den die USA aus Sicht Teherans angerichtet hätten, sei zu groß. Zudem habe die iranische Führung die Erfahrung gemacht, dass selbst während laufender Verhandlungen Angriffe erfolgen könnten. Vor drei Wochen begannen die USA und Israel zuerst, Ziele im Iran anzugreifen, während die Gespräche noch liefen. Gleichwohl schließt Lukas nicht aus, dass es im Hintergrund weiterhin Kontakte gibt, etwa über Oman oder irakische Kanäle. "Wesentliche Veränderungen auf der diplomatischen Ebene wird es aber vorerst nicht geben", sagt er der DW.
Auch Marcus Schneider, Leiter des Regionalprojekts für Frieden und Sicherheit im Mittleren Osten der Friedrich-Ebert-Stiftung in Beirut, sieht derzeit kaum Chancen für Gespräche. "Ich bin im Augenblick sehr skeptisch", so Schneider zur DW. Mit der gezielten Tötung zentraler Figuren seien wichtige Ansprechpartner weggefallen. Zugleich stünden mögliche Nachfolger selbst unter Bedrohung. "Die, die nachrücken, gelten als deutlich kompromissloser."
Unterschätzte Resilienz des Regimes
Aus iranischer Sicht zeige sich, dass gerade diejenigen, die verhandeln, besonders gefährdet seien. "Diese Strategie von Enthauptungsschlägen rächt sich jetzt", so Schneider. Die Annahme, man könne durch das Ausschalten vom Führungspersonal einen schnellen Regimewechsel herbeiführen, habe sich als Fehleinschätzung erwiesen.
"Für das iranische Regime bedeutet allein das Überleben eines bewaffneten Konflikts mit den USA bereits einen Sieg", heißt es in einer Analyse der US-Denkfabrik Middle East Institute. Diese Einschätzung deckt sich mit dem Eindruck, dass Teheran derzeit weniger auf militärische Durchbrüche als auf politische und strategische Effekte setzt.
Lukas verweist zugleich auf die strukturelle Stabilität des Systems. "Das Regime war immer eine Blackbox", sagt er. Doch inzwischen sei deutlich geworden, dass seine Resilienz unterschätzt wurde. Trotz Angriffe wirke es derzeit eher gefestigt als geschwächt. Zugleich habe es international an Legitimität gewonnen, während es mit seiner Strategie, wirtschaftlichen Druck auf die Energiemärkte auszuüben, offenbar erfolgreich sei.
Iran: Ökonomische Eskalation
Auch Schneider betont, dass Teheran sich derzeit in einer strategisch nicht ungünstigen Lage sehe. Die Blockade der Straße von Hormus und Angriffe auf Energieinfrastrukturen in der Region wirkten direkt auf globale Märkte. "Warum sollte der Iran jetzt aufhören?", fragt er. Kriege würden nicht nur militärisch, sondern politisch entschieden. Teheran setze offenbar darauf, dass die eigene Leidensfähigkeit größer sei als die des Gegners.
"Der Iran könne den Krieg zwar nicht militärisch gewinnen, wohl aber ökonomisch eskalieren", heißt es in einer Einschätzung der Nachrichtenagentur Reuters. Damit verschiebt sich das Kräfteverhältnis zumindest teilweise auf ein Feld, auf dem militärische Überlegenheit weniger entscheidend ist.
Lukas sieht darin einen zentralen Hebel. Die Angriffe auf Energieinfrastruktur und die Einschränkung der Schifffahrtswege seien erwartbar gewesen. Washington habe aber die Auswirkungen offenbar unterschätzt. "Hier liegt einer der größten Fehler der US-Regierung", sagt er. Das verschaffe dem Iran derzeit eine vergleichsweise starke Position - trotz interner Spannungen und anhaltender Bedrohung durch die USA und Israel.
"Worüber sollte man überhaupt sprechen?"
"Worüber sollte man überhaupt sprechen?", fragt sich Schneider. Die USA hätten erklärt, ihr Ziel sei ein Regimewechsel sowie die vollständige Zerstörung zentraler militärischer Programme. Gleichzeitig werde der Krieg bereits als gewonnen dargestellt. "Was soll man da noch als Verhandlungsmassen mitbringen?"
Zwar seien die USA derzeit militärisch im Vorteil, heißt es in einer Analyse des Washington Institutes. "Dennoch droht ihnen ohne innenpolitische Unterstützung und Abkehr von Maximalzielen ein strategisches Scheitern." Auch dies deutet darauf hin, dass militärischer Druck allein kaum ausreichen dürfte, um eine diplomatische Lösung zu erzwingen.
Auch Lukas hält ein neues Abkommen derzeit für ausgeschlossen. Solange Washington und Jerusalem offenkundig auf einen Regimewechsel zielten, könnten selbst begrenzte Zugeständnisse wenig bewirken. "Kleine Schritte wie Sanktionserleichterungen würden daran nichts ändern", sagt er.
Hinzu kommt ein strategisches Dilemma auf amerikanischer Seite. Schneider zufolge hat Washington die Folgekosten des Krieges unterschätzt. Steigende Energiepreise, mögliche Ausweitungen des Konflikts und die Gefahr einer langfristigen militärischen Bindung könnten den Handlungsspielraum erheblich einschränken. "Der schnelle und kostengünstige Krieg, den man erwartet hat, ist ausgeblieben."
Zwei Szenarien
Lukas sieht zwei mögliche Szenarien: eine weitere Eskalation mit regionaler Ausweitung oder einen abrupten Rückzug, bei dem Washington den "Sieg" erklärt und sich anderen Themen zuwendet. Beide Optionen seien politisch riskant, insbesondere mit Blick auf die US-Verbündeten in der Region.
Dass es dennoch zu Gesprächen kommt, halten beide Experten kurzfristig für unwahrscheinlich. Zu groß ist das Misstrauen, zu unklar sind mögliche Gegenleistungen, zu unterschiedlich die strategischen Ziele. Solange sich daran nichts ändert, dürfte der Krieg weiter auf dem Schlachtfeld entschieden werden - und nicht am Verhandlungstisch.