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KonflikteNahost

Iran-Krieg: Investitionen aus Golfstaaten könnten schrumpfen

Cathrin Schaer
18. März 2026

Golfstaaten wie Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate investieren weltweit Billionen - von den USA bis nach Afrika. Der Iran-Krieg könnte dazu führen, dass sie ihr Geld stärker im Inland einsetzen.

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Flugzeuge am Flughafen von während Rauch nach Drohnenangriff aufsteigt
Flugzeuge am Flughafen von Dubai während eines iranischen Drohnenangriffes Bild: AP Photo/dpa/picture alliance

Astronomisch sind die Summen, die die ölreichen Golfstaaten weltweit investieren. Staatsfonds von Ländern wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Kuwait und anderen Golfstaaten verwalten Vermögenswerte im Wert von rund fünf Billionen US-Dollar (4,35 Billionen Euro).

"Die globale Bedeutung der Golfstaaten beschränkt sich nicht auf Öl", sagte Majed al-Ansari, Sprecher des katarischen Außenministeriums, am Dienstag (17.03.26) bei einer Online-Diskussion des in Doha residierenden Middle East Council on Global Affairs. "Die Region ist ein Zentrum der Weltwirtschaft. Sollte sie sich auf Verteidigung konzentrieren, Investitionen abziehen und ihr internationales Engagement einstellen, wären die Folgen weltweit spürbar - in fast jeder Volkswirtschaft."

In den vergangenen Jahren haben Golfstaaten ihr Geld in vielen Ländern der Welt in unterschiedlichste Bereiche investiert. Eines der jüngsten Beispiele ist die Unterstützung von Staatsfonds aus der Region für das Übernahmeangebot des US-Unterhaltungskonzerns Paramount für Warner Brothers.

Nach seinem Besuch im Nahen Osten im vergangenen Jahr kehrte US-Präsident Donald Trump mit Investitionszusagen in Billionenhöhe aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar zurück.

In den vergangenen zehn Jahren investierten die Golfstaaten zudem rund 100 Milliarden US-Dollar (87 Milliarden Euro) in Afrika - etwa in Ernährungssicherheit, kritische Rohstoffe und Projekte zur Energiewende.

Zugleich flossen Milliarden in sogenannte "Bailout-Diplomatie" in der Region - also umfangreiche finanzielle oder materielle Hilfen für Staaten in wirtschaftlichen Krisen. Dazu gehörten etwa die Stabilisierung der ägyptischen Wirtschaft sowie Wiederaufbau und Hilfe in Syrien, Libanon und im Gazastreifen.

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Ins Stocken geratene Exporte und Instabilität

Doch der Iran-Krieg könnte diese Investitionspolitik verändern. Denn der offene Krieg, der mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran Ende Februar begann, hat dazu geführt, dass viele Golfstaaten ihre Öl- und Gasförderung sowie den Export eingeschränkt haben - zentrale Einnahmequellen. Teheran wirft ihnen vor, Angriffe von ihrem Territorium aus zuzulassen, und hat neben US-Militärbasen auch Ölinfrastruktur und Flughäfen in mehreren Staaten angegriffen. Zudem blockiert der Iran die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Transportrouten für Öl und Gas.

Das Beratungsunternehmen Oxford Economics geht deshalb davon aus, dass die Einkommen der Golfstaaten in diesem Jahr nur um 2,6 Prozent wachsen werden - 1,8 Prozentpunkte weniger als erwartet.

Einige Länder dürften dabei stärker betroffen sein als andere. Oman und Saudi-Arabien etwa verfügen über alternative Exportwege und könnten von steigenden Ölpreisen profitieren. Bahrain, Kuwait und Katar haben diese Möglichkeiten nicht.

Kamele und ein Kamelführer mit Handy am Strand von Dubai
Auch der Tourismus in den Golfstaaten ist vom Krieg bedroht. Im Bild: Kamele und Kamelführer am Strand von DubaiBild: Fadel Senna/AFP/Getty Images

Zugleich wirft der Krieg in den Golfstaaten die Bemühungen zurück, die Volkswirtschaften weniger abhängig vom jahrzehntelangen Wohlstands-Garanten Öl zu machen. Tourismus, Immobilien und der digitale Sektor leiden, die Börsen gaben nach.

"Videos von Explosionen in Dubai, Doha und Manama haben das sorgfältig aufgebaute Sicherheitsimage der Golfregion erschüttert", schrieb der Analyst Frederic Schneider vom Middle East Council on Global Affairs in der vergangenen Woche. 

Experten warnen, Luftraumsperrungen - besonders während des derzeit noch laufenden Ramadan - könnten zu Einnahmeverlusten von bis zu 56 Milliarden US-Dollar im Tourismussektor führen.

Veränderte Prioritäten?

"Es ist noch zu früh, um die Folgen des Konflikts sicher abzuschätzen", sagt Tim Callen vom Arab Gulf States Institute (AGSI) in Washington. Kurzfristig werde der Effekt negativ sein, langfristig hänge er von Dauer und Ausgang des Krieges ab.

Die Staatsfonds seien derzeit stabil, so Callen. "Ich erwarte daher zunächst keine großen Änderungen bei Auslandsinvestitionen." Das könne sich jedoch ändern, je länger der Konflikt andauere und je stärker die heimische Wirtschaft betroffen sei.

Beobachter gehen zudem davon aus, dass sich die Prioritäten nach Kriegsende verschieben könnten - etwa hin zu mehr Investitionen in Versorgungssicherheit, alternative Exportwege sowie höhere Ausgaben für Wiederaufbau, Verteidigung und Sicherheit.

"Das wird Auswirkungen haben", sagt al-Ansari. Wegen wirtschaftlicher Belastungen und schwindenden Vertrauens in die Stabilität der Region werde man stark mit Wiederaufbau, Verteidigung und Krisenbewältigung beschäftigt sein.

Auch könnten Staatsfonds stärker zur Stabilisierung der eigenen Wirtschaft eingesetzt werden - so etwa, um angeschlagene Branchen wie den Tourismus zu stützen.

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Mögliche Neubewertung der Zusagen an Trump

Die Financial Times berichtete zuletzt unter Berufung auf eine anonyme Quelle, dass mehrere Golfstaaten auch geplante Investitionen in den USA überprüften.

Nach Trumps Besuch 2025 hatten die Vereinigten Arabischen Emirate Investitionen von 1,4 Billionen US-Dollar zugesagt, Katar 1,2 Billionen und Saudi-Arabien Vereinbarungen im Umfang von 600 Milliarden US-Dollar, darunter ein Rüstungsgeschäft über 142 Milliarden Dollar.

Callen hält eine grundlegende Neubewertung jedoch für unwahrscheinlich. Höhere Verteidigungsausgaben etwa seien mit den Investitionszusagen an die USA vereinbar. Zudem seien manche Zusagen eher als politische Signale zu verstehen gewesen, schrieb kürzlich die Analystin Rachel Ziemba, die unter anderem am amerikanischen Gulf International Forum tätig ist.

Kurzfristig seien die Folgen klar: geringeres Wachstum und ein höheres Risiko für Investoren. Die langfristigen Auswirkungen blieben jedoch offen.

"Investitionen werden insgesamt betroffen sein", so Callen. "Die Frage ist, wie stark und wie lange – und das hängt davon ab, wie dieser Krieg endet."

Aus dem Englischen adaptiert von Kersten Knipp.

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