Iran fährt Uran-Anreicherung hoch | Aktuell Amerika | DW | 20.05.2019
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Atomabkommen vor dem Aus?

Iran fährt Uran-Anreicherung hoch

Inmitten des verbalen Schlagabtauschs mit den USA hat der Iran seine Uran-Produktion um das Vierfache erhöht. Und Teheran ist im Streit um das Atomabkommen zu weiteren Schritten bereit.

Iran Atomanlage Natans (Getty Images/M. Saeedi)

Blick auf die Atomanlage Natans, 180 Kilometer südlich von Teheran (Archivbild)

Nach der formalen Aussetzung von Teilen des internationalen Atomabkommens schafft der Iran nun Fakten. In der Atomanlage Natans im Zentrum des Landes sei die Uran-Produktion um das Vierfache erhöht worden, teilte der Sprecher der iranischen Atom-Organisation, Behrus Kamalwandi, mit. Unklar blieb, ob Teheran damit nun bereits über mehr Uran verfügt, als im Vertrag zugestanden wird. Nach dem Wiener Atomabkommen von 2015 darf Teheran nur 300 Kilogramm bis auf 3,67 Prozent angereichertes Uran im Land behalten. Der Rest musste in ein Drittland verschifft oder verkauft werden. 

Uran-Anreicherung auf 20 Prozent steigern

Zwischen den USA und dem Iran hatten die Spannungen in jüngster Zeit erheblich zugenommen. Vor knapp zwei Wochen ordnete Präsident Donald Trump neue Sanktionen an. Die iranische Führung unter Präsident Hassan Rohani forderte die europäischen Staaten ultimativ auf, bis zum 7. Juli dafür zu sorgen, dass die US-Strafmaßnahmen nicht länger den internationalen Handel des Landes blockierten. Ansonsten werde man Uran unbegrenzt anreichern.

Sprecher Kamalwandi machte jetzt deutlich, falls die Juli-Frist verstreichen sollte, werde Teheran die Grenze von 3,67 Prozent im Atomdeal ignorieren und binnen vier Tagen seine Uran-Anreicherung bis auf 20 Prozent erhöhen. Für Atomwaffen wird eine Anreicherung von 90 Prozent benötigt.

Hassan Ruhani Präsident des Iran (picture-alliance/dpa/Iranian Presidency)

Präsident Hassan Rohani drängt die EU, sein Land aus der wirtschaftlichen Isolation zu befreien

Graham will "überwältigenden" Militärschlag 

Derweil forderte der republikanische US-Senator Lindsey Graham einen Militärangriff auf den Iran. Graham, der als Vertrauter von Präsident Trump gilt, äußerte sich nach einem Treffen mit dem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Dieser ist bekannt für seine äußerst aggressive Haltung gegenüber Teheran.

Graham meinte im Kurznachrichtendienst Twitter, es sei klar, dass der Iran in den vergangenen Wochen "amerikanische Interessen im Irak" bedroht habe. Falls das Land seine Drohungen gegen amerikanisches Personal "aktiviere", müssten die USA mit einer "überwältigenden militärischen Reaktion" dagegenhalten.

Der demokratische Abgeordnete Ruben Gallego hielt via Twitter dagegen. Er habe dieselben Geheimdienstunterlagen einsehen können wie Graham, schrieb er und warf dem Republikaner vor, deren Inhalt nicht richtig wiedergegeben zu haben. Stattdessen ziehe der Republikaner "die Schlussfolgerung, die er für sich und für die Medien will", twitterte Gallego.

Trump hatte am Sonntag erstmals offen der iranischen Regierung gedroht. "Wenn der Iran kämpfen will, wird dies das offizielle Ende des Iran sein. Bedroht nie wieder die USA", twitterte der US-Präsident. 

Irans Präsident Rohani lehnt derzeit Gespräche mit den USA ab. Er sei zwar grundsätzlich für Diplomatie, sagte er laut der amtlichen Nachrichtenagentur Irna. "Die heutige Situation ist aber nicht geeignet für Gespräche und unsere Wahl bleibt nur der Widerstand."

se/wa (rtr, ap, dpa)

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