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HandelIndien

Indiens Öl-Importe: Kann Venezuela Russland ersetzen?

Nik Martin
4. Februar 2026

Laut Donald Trump hat Indien zugestimmt, russisches Öl durch Lieferungen aus den USA und Venezuela zu ersetzen. Aber kann das lateinamerikanische Land wirklich die große Nachfrage aus Indien bedienen?

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Blick auf die Raffinerie El Palito in Puerto Cabello, Venezuela, am 23. Januar 2026
Venezuelas veraltete Ölinfrastruktur braucht Investitionen von mehreren zehn Milliarden Dollar, um die Produktion zu steigernBild: Ronaldo Schemidt/AFP

Welchem Ölabkommen haben die USA und Indien zugestimmt?

Nach monatelangem Druck auf Indiens Import von vergünstigtem russischem und sanktioniertem iranischem Rohöl scheint Neu-Delhi den Forderungen von US-Präsident Donald Trump nachgegeben zu haben. Laut Donald Trump hat die indische Regierung zugestimmt, russische Ölimporte schrittweise einzustellen und mehr Barrel aus den USA - und möglicherweise aus Venezuela- zu kaufen.

Trump schrieb am Montag auf seiner Plattform Truth Social, dass Premierminister Narendra Modi plane, "den Kauf von russischem Öl einzustellen", was nach Angaben des US-Präsidenten dabei helfen würde, den Krieg in der Ukraine zu beenden.

Russlands Energieeinnahmen, die den fast vier Jahre anhaltenden Krieg gegen die Ukraine finanziert haben, sanken 2025 um ein Fünftel, berichtete die Financial Times Ende Januar. Damit steigt der Druck auf den russischen Präsidenten, ein Friedensabkommen abzuschließen.

Gehen die Zölle auf indische Waren nun runter? 

Laut Trump könne Indien US-Energie und Kohle im Wert von 500 Milliarden US-Dollar (424 Milliarden Euro) sowie Technologie, landwirtschaftliche und andere Güter kaufen.

Trump stellte den Schritt als Teil eines umfassenderen Handelsabkommens dar, bei dem die USA ihre Zölle auf indische Waren von 50 Prozent auf 18 Prozent senken würden, während Indien die Zölle auf US-Produkte komplett streicht. Neu-Delhi hat dies bisher nicht bestätigt.

Der US-Zollsatz auf indische Importe gehört bislang zu den weltweit höchsten, nachdem Trump im August eine zusätzliche Abgabevon 25 Prozent auf indische Waren verhängt hatte - als Strafe für Indiens Einfuhr von russischem Öl nach Russlands Invasion der Ukraine. Das Weiße Haus erklärte, dieser zusätzliche Zoll werde nun abgeschafft.

Donald Trump und Narendra Modi bei einer gemeinsamen Pressekonferenz
Narendra Modi war einer der ersten Staatschefs weltweit, der Trump nach dessen Wiederwahl traf Bild: Jim Watson/AFP

Modi bestätigte die Zollsenkung auf X, erwähnte das Ölabkommen jedoch nicht. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte jedoch einen nicht namentlich genannten indischen Regierungsbeamten, der sagte, dass US-Erdöllieferungen zu den im Deal enthaltenen Gütern gehörten.

Indien hat bereits damit begonnen, seine Abhängigkeit von russischem Rohöl nach den US-Sanktionen gegen die Ölkonzerne Rosneft und Lukoil zu reduzieren. Ende Januar sagte der indische Ölminister Hardeep Singh Puri in einem Interview mit Bloomberg, dass die Lieferungen in den vergangenen Wochen um fast ein Drittel auf 1,3 Millionen Barrel pro Tag (bpd) zurückgegangen seien.

Er sagte gegenüber Bloomberg, dass indische Ölunternehmen bestrebt sind, die Importe aus Kanada und den USA zu erhöhen, als Teil einer Strategie zur Diversifizierung der Lieferungen aus mehr als 40 Ländern.

Wie schnell kann russisches durch US-Öl ersetzt werden?

Der vollständige Ersatz der russischen Ölimporte durch US-Rohöl wird voraussichtlich mehrere Monate bis Jahre dauern, da die russischen Lieferungen etwa ein Viertel der etwa fünf Millionen Barrel ausmachen, die Indien pro Tag importiert.

Laut Schätzungen des Energie-Tracking-Unternehmens Kpler, die im letzten Jahr veröffentlicht wurden, würde ein vollständiges Umschwenken Indiens Ölimporte jährlich um neun bis elf Milliarden Dollar verteuern, weil Russland sein Öl mit einem hohen Rabatt an Indien verkauft und das amerikanische Rohöl deutlich teurer ist.

Die Drohung mit Zöllen und Sanktionen hat Indien bereits dazu veranlasst, seinen Import von US-Öl hochzufahren. Die Times of India berichtete im Januar, dass die US-Rohölimporte von April bis November 2025 um 92 Prozent gestiegen sind.

Von den 178,1 Millionen Tonnen Öl, die Indien importierte, stammten 13 Millionen Tonnen aus den USA, verglichen mit 7,1 Millionen Tonnen im gleichen Zeitraum im Jahr 2024.

Lange Wege, überlastete Infrastruktur 

Als größter Ölproduzent der Welt hat die USA reichlich zu bieten. Aber große Mengen US-Rohöl nach Indien zu transportieren, wird nicht einfach sein.

Die Reise dauert mehr als sechs Wochen, bindet Tanker an einer der längsten Ölrouten der Welt und ist auf die US-Export-Infrastruktur an der Golfküste angewiesen, die schon jetzt fast an der Kapazitätsgrenze läuft.

Das könnte außerdem bedeuten, dass Indien mit der Europäischen Union um amerikanische Öl-Lieferungen konkurriert. Im Rahmen ihres Zollabkommens mit Trump hatte die EU im Juli zugestimmt, bis 2028 für die Beschaffung von US-Rohöl, Flüssiggas (LNG) und Nuklearenergie-Gütern 750 Milliarden Dollar auszugeben.

Indische Raffinerien sind für schwereres, "saures" russisches Rohöl der Sorte Ural mit einem hohen Schwefelgehalt optimiert, das zu Diesel und Flugbenzin für den heimischen Markt verarbeitet wird. Der Umstieg auf leichteres, "süßeres" US-Rohöl mit einem niedrigen Schwefelgehalt würde technische Anpassungen erfordern, die Monate dauern können.

Kann Venezuela die Ölproduktion erhöhen, um die Nachfrage zu decken?

Trumps Erwähnung von Venezuela könnte Indien dazu führen, den Ölsektor des lateinamerikanischen Landes wiederzubeleben, dessen Kontrolle die USA nach der Festnahme des langjährigen Präsidenten Nicolas Maduro Anfang Januar faktisch übernommen haben.

Ein Arbeiter geht am 13. September 2007 durch eine Ölraffinerie östlich von Caracas, Venezuela
Die Ölproduktion Venezuelas liegt nach jahrelanger Unterinvestitionen, Korruption und US-Sanktionen am BodenBild: Diego Giudice/IMAGO

Die venezolanische Übergangsregierung hat bereits mit Washington eine Vereinbarung getroffen, bis zu 50 Millionen Barrel Rohöl an US-Raffinerien zu verkaufen, und reformiert die Energiegesetze, um ausländische Investitionen anzuziehen.

Indien war bis März letzten Jahres ein bedeutender Abnehmer venezolanischen Öls, als Trump einen Zoll von 25 Prozent auf Länder erhob, die mit Caracas Ölhandel betrieben.

Da Venezuelas Ölproduktion weiterhin bei etwa 900.000 Barrel pro Tag liegt - ein Bruchteil der 3 bis 4 Millionen Barrel, die Anfang der 2000er Jahre produziert wurden - wird es Jahre, stabile Politik und enorme Investitionen brauchen, um Indiens große Nachfrage zu decken.

Ein weiteres Thema ist der Preis, da Venezuela sein Öl aufgrund der US-Sanktionen zu einem starken Rabatt an asiatische Raffinerien verkauft hat.

Venezuela fördert hauptsächlich schweres, schwefelreiches Rohöl - die Art von dichtem, teerartigem Öl, für das Indiens Raffinerien nicht effizient ausgelegt sind. Auch hier könnte es Monate der Anpassungen dauern, um das venezolanische Rohöl zu verarbeiten, warnen Branchenanalysten.

Wie könnte sich das auf die weltweite Ölversorgung auswirken?

Da die Umstellung der indischen Ölimporte auf US- und möglicherweise venezolanisches Rohöl wahrscheinlich ein langsamer Prozess sein wird, dürfte der Einfluss auf die globale Ölversorgung aktuell begrenzt sein.

Indien muss bestehende Verträge für bereits gebuchte und transportierte russische Rohöllieferungen einhalten. Oft haben diese Ladungen eine Vorlaufzeit von bis zu 90 Tagen, was eine schrittweise Reduzierung über mehrere Monate erfordert, um Störungen und Vertragsstrafen zu vermeiden. China, der größte Abnehmer von russischem Öl, wird voraussichtlich seine Importe weiter erhöhen, ebenso wie die Türkei und afrikanische Länder.

Die globalen Ölströme bleiben nahezu ausgeglichen bis leicht über dem Bedarf, wobei die Mitglieder der OPEC+, die fast die Hälfte der weltweiten Rohölproduktion ausmachen, in den letzten Monaten zu wenig produziert haben, um Preisstabilität zu gewährleisten.

US-Schieferöl und Öl aus aufstrebenden Förderländern wie Brasilien, Guyana und Argentinien führen unterdessen zu einem kleinen globalen Ölüberschuss, schrieb die Internationale Energieagentur (IEA) letzten Monat in einem Bericht.

Diese zusätzlichen Quellen bieten einen ausreichenden Puffer gegen Lieferengpässe. Aber das könnte sich schnell ändern, wenn Indien die russischen Lieferungen plötzlich stoppt.

Dieser Artikel wurde aus dem Englischen adaptiert

 

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