Huawei-Sprecher Senz: ″Ausschluss würde Netz-Sicherheit verringern″ | Asien | DW | 22.07.2020
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Huawei

Huawei-Sprecher Senz: "Ausschluss würde Netz-Sicherheit verringern"

Während weltweit der Druck der USA auf den chinesischen Telekomausrüster Huawei beim Ausbau der 5G-Netze steigt, lobt Carsten Senz von Huawei Deutschland die "professionelle Position" der Bundesregierung. 

Deutsche Welle: Das Problem des Westens mit Huawei als potentieller Ausrüster seiner 5G-Netze hat seinen Grund in der Nähe des Unternehmens zur Führung Chinas, also eines Einparteienstaates, der Kritiker und Minderheiten unterdrückt, um nur einige problematische Punkte zu nennen. Würden Sie dieser Analyse zustimmen?

Carsten Senz: Nein. Denn es gab schon einmal eine vergleichbare Reaktion bei einem anderen asiatischen Land, das einen ähnlichen Aufstieg wie China hingelegt hat, und dessen Regierungsform derjenigen in den USA und Europa ähnelt. In den siebziger und achtziger Jahren sahen sich japanische Unternehmen wie zum Beispiel Toshiba mit denselben Widerständen konfrontiert wie jetzt Huawei. Sie hatten sich auf Halbleiter spezialisiert und wurden von den Amerikanern extrem aggressiv angegangen. Dasselbe Spiel wiederholt sich jetzt. Da kommt ein neues Land mit einer Kultur, die man nicht gut kennt, die einem sehr fremd erscheint, und das Ganze trägt dann mit dazu bei, dass sich solche Ängste aufbauen. 

Carsten Senz, Head of Corporate Communications von Huawei in Deutschland

Huawei-Sprecher Carsten Senz

Der Unterschied ist klar, dass in China eine andere Regierungsform herrscht. Aber ich glaube, das ist gar nicht entscheidend. Wichtiger ist, dass China viel größer ist als Japan damals, und dass es in der Zukunft noch wichtiger und noch mächtiger sein wird. Ich glaube, das ist der eigentliche Hintergrund für die aktuelle Debatte. Und die Angriffe aus den USA werden sicherlich nicht aufhören, auch wenn wir uns das natürlich wünschen. 

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Huawei-Kehrtwende in Großbritannien

"Hoch emotionale Debatte in Großbritannien"

Wie bewerten Sie die jüngste Entscheidung der britischen Regierung, Huawei vollständig vom Ausbau seines 5G-Netzes auszuschließen, nachdem London zunächst eine begrenzte Beteiligung des chinesischen Konzerns befürwortet hatte? Was ist aus Sicht von Huawei da schiefgelaufen?

Ich habe keinen Einblick in die Prozesse in Großbritannien. Aber aus unserer Sicht ist die gesamte Debatte hochpolitisiert und auch, wie man auch in der Debatte im Parlament erkennen konnte, sehr emotional abgelaufen. 

Wir selbst wissen noch gar nicht, welche Auswirkungen das genau auf die nächsten Monate und Jahre haben wird. Grundsätzlich ist es uns natürlich wichtig, dass diese ganze Debatte, egal in welchem Land, sachlich geführt wird und vor allem auch mit Sachkenntnis, was die Technologie und unsere Branche angeht. Wir werden weiterhin über unsere Technologie aufklären, Sacharbeit leisten und mit den Personen und Institutionen, die mit uns zusammenarbeiten möchten, den Dialog weiterführen.

"Wir haben nichts mit Politik zu tun"

Beobachter sagen, dass unter anderem Chinas Verhalten in der Corona-Pandemie und das Sicherheitsgesetz für Hongkong die Regierung von Boris Johnson zum Umdenken gezwungen hätten...

Das sind alles rein politische Spekulationen. Ich wüsste nicht, was all diese Themen mit uns als Privatunternehmen zu tun haben. Wir liefern beste Technologie in 170 Länder auf der ganzen Welt. Und unsere Kunden sind seit vielen Jahren sehr zufrieden mit uns, sie vertrauen uns. Wir möchten uns aus diesen ganzen politischen Diskussionen heraushalten.

Lassen Sie mich jedoch eines betonen: Der Ausschluss von einem einzelnen Unternehmen wie etwa Huawei wird das Netzwerk kein bisschen sicherer machen. Im Gegenteil! Wenn einzelne Unternehmen in diesem ohnehin schon relativ kleinen Markt ausgeschlossen werden, dann verringert das insgesamt die Sicherheit. Auch die Kosten werden sich durch wenige Anbieter natürlich nicht verringern. 

Das sind die Themen, über die wir uns unterhalten. Und alles, was mit Politik zu tun hat, darüber kann sich gerne die Politik unterhalten. Wir bleiben bei unserem Geschäft.

"Deutscher Ansatz vorbildlich"

In Deutschland hat sich die Bundesnetzagentur erneut gegen einen pauschalen Ausschluss von Huawei bei Ausbau des Mobilfunknetzes in Deutschland ausgesprochen. Ist Deutschlands Huaweis letzte Hoffnung für die Rettung seines Geschäfts in der EU?

Natürlich ist Deutschland grundsätzlich für uns ein ganz wichtiger Markt. Nicht nur, weil es das größte Land in Europa ist, sondern auch, weil viele wichtige und starke Industrieunternehmen in Deutschland tätig sind. 

Nicht nur die Bundesnetzagentur, sondern auch andere Behörden in Deutschland wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kennen sich mit dieser Branche aus und gehen hoch professionell damit um. Deswegen begrüßen wir den Ansatz, den die Bundesregierung seit Anfang 2019 immer wieder kommuniziert hat, dass man grundsätzlich keinen Anbieter aufgrund seiner Herkunft von vornherein ausschließt, dass jeder Anbieter gleich und fair behandelt wird und dieselben Sicherheitskriterien erfüllen muss. Das ist der einzige Ansatz, der uns weiterbringt, um die Netze sicher zu machen. Und letztendlich ist das auch ein sehr gutes Beispiel für andere Länder.

Ich möchte hier auch nochmals betonen, dass wir seit über 20 Jahren mit Netzbetreibern in 170 Ländern weltweit zusammenarbeiten und eine exzellente Sicherheitsbilanz aufweisen. Es gab kein schwerwiegendes Fehlverhalten in all den Jahren. Wir reden hier also von einem Unternehmen, das technisch führend ist, mit dem Kunden weltweit vertrauensvoll zusammenarbeitet, sich nichts hat zuschulden kommen lassen und am transparentesten mit den zuständigen Fachbehörden in Deutschland zusammenarbeitet. 

Wie will Huawei der Welt glaubhaft machen, dass es nur ein normales chinesisches Unternehmen ist, wenn es so massiv von Chinas staatlichen Medien und politischen Vertretern verteidigt wird?

Ich glaube, es ist völlig normal, dass, wenn ein Unternehmen so aggressiv angegangen wird, sich auch die betreffende Regierung äußert. Das wäre in jedem anderen Land genauso. Allein vergangenes Jahr sind in Deutschland über 50.000 Artikel zu Huawei erschienen. Wir sind praktisch in unserer Branche das globale Thema geworden. Da glaube ich, dass es ganz normal ist, wenn sich auch eine Regierung dazu äußert. 

Ich weiß auch nicht, was ein "normales chinesisches Unternehmen" sein soll und wie das zu definieren ist? Wir sind insofern ungewöhnlich, dass wir ein privates Unternehmen sind, dessen Anteile von mehr als 100.000 Mitarbeitern gehalten werden.Dieses Modell rührt übrigens daher, dass wir als privates Unternehmen in den neuziger Jahren nur sehr schwer an Kredite von chinesischen Staatsbanken kamen und deshalb die Mitarbeiter beteiligt haben, um Cash zu generieren. Auch heute arbeiten wir hauptsächlich mit westlichen Banken zusammen. 

Schließlich noch ein wichtiger Punkt: Edward Snowden selbst hat enthüllt, dass die NSA uns jahrelang ausgespäht hat und dabei keinen einzigen Hinweis auf irgendwelche besonderen Beziehungen zwischen Huawei und der chinesischen Regierung finden konnte. Deshalb plädiere ich auch hier dafür, sich ein Bild anhand von nachweisbaren Fakten zu schaffen. 

Carsten Senz ist Head of Corporate Communications der Huawei Technologies Deutschland GmbH. Er studierte in Trier, Wuhan und Tokio und spricht fließend Chinesisch. 

Das Interview wurde von Jun Yan geführt.