Hip und nachhaltig: Mode aus Afrika | Lebensart | DW | 25.08.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Fashion

Hip und nachhaltig: Mode aus Afrika

In Afrika gibt es viele Modezentren, doch die sind hierzulande unbekannt. Die Schau "Connecting Afro Futures" stellt sie vor und zeigt, wie aus Autoreifen Jacken werden.

Nicht ein einziges Exponat aus der Sammlung des Berliner Kunstgewerbemuseum stamme aus Afrika, sagt Claudia Banz bei der Pressevorstellung der Ausstellung "Afro Futures. Fashion - Hair - Design". Aber dieser Mangel werde bald behoben, fügt die Kuratorin hinzu.

Eine Ausstellung zu Mode und afrikanischen Frisuren und Hairstylings hat es in Deutschland bislang noch nicht gegeben. Die Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Europas ist den Museen aber mehr und mehr ein Anliegen, auch dem Kunstgewerbemuseum.

Ideal wäre es, wenn die Herkunft eines Künstlers überhaupt keine Rolle mehr spielen würde, sagt Friederike Tappe-Hornbostel von der Kulturstiftung des Bundes, wo seit einiger Zeit verstärkt der Austausch zwischen deutschen und afrikanischen Künstlern und Institutionen gefördert wird. Das Werk solle im Fokus stehen, nicht der Ort, an dem es produziert wurde.

Schwarze Mode von Lamula Anderson im Berlin Kunstgewerbemuseum | Connecting Afro Futures (DW/E. Grenier)

Schwarz statt grellbunte Farben: Lamula Anderson bricht mit Tabus

Auch Claudia Banz teilt diese Ansicht. Doch sie betont, dass Mode ein Machtsystem sei und viele Designer aufgrund ihrer Nationalität immer noch davon ausgeschlossen würden.

An diesem Punkt setzt die Ausstellung an: Sie gibt innovativen, hochkarätigen Designern afrikanischer Herkunft einen Freibrief. Sie sollen die Möglichkeit haben, die von der westlichen Modebranche etablierten Regeln für sich zurückzuerobern. Sie hinterfragen Stereotypen und engagieren sich für nachhaltige Mode.

Schwarz feiert ein Comeback

Bunt und kontrastreich sind viele Muster afrikanischer Kleidung. Lamula Anderson, geboren in Uganda, lebt in London, wo sie Mode studierte. Sie wollte alles anders machen. Schon allein, weil man ihr oft empfahl: "Du solltest helle Farben tragen, weil Deine Haut dunkel ist". Sie gründete ihr eigenes Modelabel, Lamula Nassuna, und beschloss, sich diesen sozialen Regeln aus der eigenen Gemeinschaft zu widersetzen. Sie entwarf schwarze Kleider. "Ein Statement zur Selbstdarstellung, das allen Normen widerspricht", sagt sie selbstbewusst.

Die Designerin Njola posiert vor ihren Modellen im Berlin Kunstgewerbemuseum | Connecting Afro Futures (DW/E. Grenier)

Aus Müll wird Mode: Njola stellt ihre neuen Entwürfe in Berlin vor

Auch das Duo Laura Tarot und Naay Sooley vom Label Bull Doff bevorzugen eine schwarz-weiße Punkästhetik bei ihren traditionellen Webstoffen, die vielerorts in Afrika bei der Geburt, der Hochzeit oder beim Tod getragen werden. Sie recyclen Materialien wie Eisen, Reifen und Leder und arbeiten sie in die Stoffe ein.

Innovative Ausdrucksformen

Aufwendiges Hairstyling ist Teil der afrikanischen Identität. Es ist ästhetisches und politisches Statement zugleich. In der Ausstellung sind Illustrationen von Diana Ejaita zu sehen, die traditionelle Frisuren auf abstrakte Weise darstellt. Der Konzeptküstler Mechac präsentiert eine Installationen, die einem Turm aus geflochtenem Haar gleicht. Die Installation der senegalesischen Modedesignerin Adama Amanda Ndiaye spielt damit, dass ihr Haar schon immer ein großes Anliegen in ihrem Leben war. Sie spielt mit verschiedenen Frisuren, indem sie Verlängerungen, Zöpfe oder Perücken hinzufügt.

Die nachhaltigste Kleidung der Welt

Nachhaltigkeit ist heute für viele Designer ein Thema. Es ist auch ein Schlüsselwort in der Ausstellung "Afro Futures. Mode - Haare - Design". Zwei der vertretenen Designer zeigen eindrucksvoll, wie Nachhaltigkeit auch in High Fashion umgesetzt werden kann.

Ausstellung Berlin Kunstgewerbemuseum | Connecting Afro Futures (DW/E. Grenier)

Nachhaltigkeit ist das große Thema von Modedesignerinnen aus Afrika wie José Hendo

Die ugandische Multimedia-Künstlerin Njola arbeitet mit Materialien, die an Orten mit schlechter Müllentsorgung wie den Slums von Kampala zurückgelassen wurden. Die Idee, aus Müll neue Objekte herzustellen, ist in Afrika nicht neu, aber die Schuhe, Kleidung, Rucksäcke und andere Accessoires des Labels Njola Impressions, die aus alten Reifen, Plastiktüten und weggeworfenen Flip-Flops hergestellt werden, haben einen erstaunlichen Sci-Fi-Look und integrieren gleichzeitig Referenzen der afrikanischen Kultur. "Die Leute lieben unser Design. Es hat einen zeitgemäßen und ökologischen Stil", sagte Njola im Gespräch mit der DW. Sie und ihr Team von "Njola Recycling Initiative" integrieren auch arbeitslose Schulabbrecher in ihr Projekt. Sie sammeln Materialien auf den Straßen oder lernen in Workshops traditionelle Webmethoden. "Wir nutzen Mode auch dazu, Gemeinschaftsprobleme zu lösen", sagt sie.

Wiederbelebung des Rindentuchs

Auch José Hendo ist eine Aktivistin für Nachhaltigkeit in der Modebranche. Die in London lebende, ugandische Designerin kritisiert, dass Second-Hand-Kleidung aus Amerika und Europa die Märkte in Afrika kaputt macht, und integriert zum Beispiel Teile von gebrauchten Jeans in ihre Entwürfe. Hendo sucht ständig nach neuen nachhaltigen Materialien. Dabei stieß sie auch auf eine alte Methode in ihrer Heimat names Mutuba. Das sogenannte Baumrindenvlies gilt als das älteste Textil in der Geschichte der Menschheit. Es ist natürlich gewachsen aus der Rinde des Feigenbaums. Mutuba und war früher mal den Monarchen des Königsreichs Buganda vorbehalten. Im Treppenhaus des Kunstgewerbemuseums hängt eine gigantische, ockerfarbene Mutuba-Stoffbahn. Hendo benutzt das etwas steife, lederartige Material für ihre ausladenden Entwürfe. So verbinden sich Schönheit und jahrtausendealte Tradition zu zeitgenössischem Design aus Afrika.

Video ansehen 01:34

Mode aus Afrika auf dem Laufsteg

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema