Havertz und Co.: Wohin wechseln die Bundesliga-Stars? | Sport | DW | 13.04.2020
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Wer kommt, wer geht?

Havertz und Co.: Wohin wechseln die Bundesliga-Stars?

Wegen der Corona-Zwangspause und der Unklarheit darüber, wann die Saison zu Ende geht, steht die Bundesliga derzeit still. Transferaktivitäten liegen auf Eis, dabei könnten mehrere Stars im Sommer den Klub wechseln.

Kai Havertz (20 Jahre, Bayer 04 Leverkusen):
Die Frage war eigentlich nur: wohin und für wie viel? Neben dem FC Bayern sollten auch Real Madrid, der FC Barcelona, Champions-League-Sieger FC Liverpool und einige andere Top-Klubs bereits interessiert den Finger gehoben haben. Havertz wäre im kommenden Sommer wohl einer der teuersten Spieler geworden und hätte Bayer Leverkusen sicher mehr als 100 Millionen Euro in die Kassen gespült. Doch dann kam Corona, und alles wurde anders. Wegen der unklaren Zukunft der Bundesliga-Klubs und der Finanznot, in die viele Vereine geraten könnten, sollten tatsächlich Fernseh- und Sponsorengelder wegfallen, liegt der Havertz-Transfer erst einmal auf Eis. Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Passiert nichts, bleibt er eben am Bayer-Kreuz. Allerdings wird der Werksklub kein Interesse daran haben, seinen besten Spieler in 15 Monaten ablösefrei ziehen zu lassen - schon gar nicht zur nationalen Konkurrenz. Möglicherweise treffen die Verantwortlichen daher eine Abmachung mit Havertz, wie sie Timo Werner mit RB Leipzig getroffen hat. Der Vertrag wird zu verbesserten Bezügen verlängert, aber es wird eine feste Ablösesumme eingefügt, damit der Spieler auch trotz Vertrags im Sommer 2021 wechseln kann. Dann bekäme Bayer zwar keine 100 Millionen Euro mehr, aber möglicherweise wenigstens 40 bis 60 Millionen.

Timo Werner (24 Jahre, RB Leipzig):
Geht er zum FC Bayern oder nicht? Schon im vergangenen Sommer beherrschte diese Frage die Bundesliga. Damals wie heute steht Werner in einer Art Konkurrenz mit Nationalmannschaftskollege Leroy Sané von Manchester City. Während Bayern-Sportdirektor Hasan Salihamidzic eher zu einer Verpflichtung von Sané tendiert, kann sich der Trainer, Hansi Flick, mehr für Werner begeistern. Und Flick hatte sich vor seiner Vertragsverlängerung ausbedungen, künftig bei Transferfragen ein Wort mitreden zu dürfen. Machbar ist der Wechsel in jedem Fall, da Werner eine Freigabeklausel mit festgeschriebener Ablösesumme in seinem bis 2023 laufenden Vertrag stehen haben. Zahlt der FC Bayern die Summe, die bei 60 Millionen Euro liegen soll, ist Werner weg.

Fußball Bundesliga RB Leipzig vs 1.FC Köln Tor Werner 1:0 (AFP/O. Andersen)

Bereit für den nächsten Karriereschritt in München? Timo Werner hat eine Ausstiegsklausel

RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff gibt sich dennoch gelassen: "Ich bin tiefenentspannt, was Werner angeht", sagte er kürzlich bei Sky. "Er hat bislang nicht signalisiert, über die Saison hinaus bleiben zu wollen, aber das muss er auch nicht. Er hat Vertrag bis 2023." Dennoch: Die Wahrscheinlichkeit, dass Werner diesen Vertrag auch erfüllt, ist recht gering.

Philippe Coutinho (27 Jahre, FC Bayern München):
Anders als bei Werner lautet die Frage bei Coutinho: Darf er beim FC Bayern bleiben und wenn ja, will er das überhaupt? Der Brasilianer ist bislang vom FC Barcelona ausgeliehen. Die Leihe endet im Sommer, die Münchener besitzen eine Kaufoption, die bei über 100 Millionen Euro liegt. Zwar sieht Coutinhos Bilanz mit acht Toren und sechs Vorlagen in 22 Bundesliga-Spielen nicht schlecht aus, dennoch: Ganz überzeugen konnte der 27-Jährige im Bayern-Trikot nicht. Nicht unwahrscheinlich, dass Coutinho demnächst nach London umzieht, allerdings muss sich noch zeigen, ob in den Südwesten oder in den Norden der Stadt. Der FC Chelsea hat schon länger Interesse an Coutinho, nun soll auch Tottenham Hotspur ins Rennen eingestiegen sein. Das berichtet die englische Tageszeitung "Daily Mirror". Allerdings sollen beide Klubs nur an einer Leihe interessiert sein, nicht an einer festen Verpflichtung. Ob das auch für die Bayern interessant wäre? Eine Verlängerung der Leihe statt dem Zwang, 100 Millionen Euro auszugeben?

Jadon Sancho (20 Jahre, Borussia Dortmund):
Es ist kein Geheimnis: Viele große Klubs der Premier League würden Englands Jungstar gerne wieder nach Hause auf die Insel holen. Der FC Chelsea und Manchester United scheinen sich besonders zu bemühen. Laut englischer Presse soll Sancho gewillt sein, sich United anzuschließen, allerdings nur dann, wenn der englische Rekordmeister nächste Saison in der Champions League spielt. Momentan - die Premier League ist wegen des Coronavirus neun Spieltage vor dem Saisonende unterbrochen worden - liegen die "Red Devils" auf Rang fünf. Nur die besten vier englischen Teams qualifizieren sich über die Liga sicher für die Königsklasse. Chelsea liegt mit drei Punkten Vorsprung auf Rang vier.

Fußball Bundesliga | Borussia Dortmund v Sport-Club Freiburg | Torjubel (1:0) (Reuters/L. Kuegeler)

Jadon Sancho möchte in der Champions League spielen - davon hängt ab, wohin er wechselt

Ob und wann die Saison fortgesetzt wird, ist unklar. Zudem hat die UEFA Manchester City für die nächsten beiden Jahre aus der Champions League ausgeschlossen. Dadurch könnten Chelsea und Manchester United einen Platz nach oben rutschen und wären in der Königsklasse dabei. Doch, um es noch komplizierter zu machen, hat City vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS gegen das UEFA-Urteil geklagt. Die endgültige Entscheidung über den Ausschluss könnte erst spät im Sommer fallen. Sicher ist daher bei Sancho gar nichts, außer dass sein Vertrag beim BVB noch bis 2022 läuft und, dass Dortmund, sollte der 20-Jährige vorzeitig wechseln, im Gegenzug sehr viel Geld erhalten wird.

Alexander Nübel (23 Jahre, FC Schalke 04):
Im Gegensatz zu einigen anderen Profis hat der Torwart des FC Schalke bereits Nägel mit Köpfen gemacht und früh die Weichen für seine Zukunft gestellt. Nübel wechselt im Sommer zum FC Bayern, so viel ist klar. Völlig unklar ist allerdings, für welchen Verein er in der kommenden Saison spielen wird, denn Bayern-Kapitän Manuel Neuer wird seinen Platz zwischen den Pfosten nicht freiwillig räumen. Kaum vorstellbar, dass Nübel es erstrebenswert und Karriere fördernd finden wird, dauerhaft auf der Bank zu sitzen. In der Vergangenheit hat der FC Bayern gute Erfahrungen mit Leihgeschäften gemacht: Philipp Lahm beim VfB Stuttgart, Toni Kroos in Leverkusen, David Alaba und Serge Gnabry in Hoffenheim. Warum sollte das nicht auch bei Alexander Nübel funktionieren? Fraglich wäre dann nur, wo der 23-Jährige "geparkt" wird, um auf hohem Niveau Wettkampfpraxis und Erfahrung zu sammeln.

Dayot Upamecano (21 Jahre, RB Leipzig):

Dayot Upamecano würde gerne für Real Madrid spielen (picture-alliance/AP Images/J. Meyer)

Dayot Upamecano würde gerne für Real Madrid spielen

Real Madrid, Bayern München oder Manchester United – die Liste hochkarätiger Klubs ist lang, die den Verteidiger von RB Leipzig auf dem Zettel haben. Dayot Upamecano kam 2017 für 10 Millionen Euro vom Schwester-Verein aus Salzburg. Der 21-jährige Franzose hat noch einen Vertrag bis 2021. Die Sachsen, die im vergangenen Sommer ein Angebot des FC Arsenal aus der englischen Premier League abgelehnt hatten, hoffen noch auf eine Vertragsverlängerung Upamecanos. Leipzig kassierte in dieser Saison in 19 Ligaspielen bisher nur 18 Tore und hat damit die beste Verteidigung in der Bundesliga - was zu einem großen Teil Upamecano zu verdanken ist. Seine Leistungen in der Bundesliga und der Champions League zogen die Aufmerksamkeit auf sich. Die festgeschriebene Ablösesumme von 60 Millionen Euro zu erhalten sei in diesem Sommer angesichts der Coronakrise allerdings eher unwahrscheinlich, so Sportdirektor Markus Krösche. Upamecano nannte vor zwei Jahren im französischen Fernsehen Real Madrid und Manchester United ausdrücklich als "Traumziele" und fügte damals hinzu: "Aber wenn man für einen dieser Klubs spielen will, muss man hart arbeiten". Das hat er mit Sicherheit getan, und seine Belohnung könnte schon bald kommen.

Mario Götze (27 Jahre, Borussia Dortmund):
Götzes Vertrag in Dortmund läuft aus, seine Zeit beim BVB scheint vorbei zu sein. Doch wo ist Platz für den WM-Siegtorschützen von 2014? Zuletzt verkündete Götze einen Beraterwechsel, über seine sportliche Zukunft wolle er aber erst später entscheiden. "Was die sportliche Zukunft bringt, wird sich erst zeigen, wenn wieder ein wenig Normalität eingekehrt ist", sagte er am Karfreitag der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Er habe sich entschieden, sich "in der sportlichen Planung meiner Karriere neu aufzustellen".

Höchstwahrscheinlich liegt Götzes Zukunft im Ausland. Aus Spanien, Italien und England soll es Interesse geben. Zudem wird es privat eine Veränderung geben: Götzes Ehefrau Ann-Kathrin erwartet ein Kind. Der werdende Vater muss bei der Entscheidung über seinen nächsten Arbeitgeber also auch bedenken, wo sein Kind in den ersten Jahren seines Lebens aufwachsen soll.

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