Nach WM-Silber wollen deutsche Handball-Frauen goldene Ära
16. Dezember 2025
"Jetzt kommt vielleicht die Generation geiler Handball", sagte Bundestrainer Markus Gaugisch nach dem Silber-Coup der deutschen Handballerinnen bei der Weltmeisterschaft in Deutschland und den Niederlanden.
Es war die erste WM-Medaille für das Nationalteam der Frauen seit der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2007. Im Halbfinale in Rotterdam hatten die deutschen Handballerinnen sensationell Titelverteidiger Frankreich mit 29:23 besiegt.
Im Endspiel an selber Stelle gegen Topfavorit Norwegen hielten sie lange mit, mussten sich am Ende aber mit 20:23 geschlagen geben.
Xenia Smits: "Mannschaft ist Gold wert"
"Wenn man das einmal erlebt hat, dann will man es nicht mehr nicht erleben. Deutschland kann Handball", sagte Nationalspielerin Emily Vogel. "Ich glaube, das könnte eine geile Zukunft für uns werden."
In nahezu identischer Besetzung könnte das DHB-Team eine neue Ära im Frauen-Handball prägen. Auch Routiniers wie Xenia Smits (31 Jahre alt) oder Emily Vogel (27) können noch einige Jahre spielen.
Gleichzeitig schlummert in den WM-Debütantinnen riesiges Potenzial. Die 25-jährige Aimée von Pereira, die seit Jahren in der starken dänischen Liga spielt, machte ein gutes Turnier.
Die 21 Jahre alte Rückraumspielerin Viola Leuchter wurde sogar als beste Nachwuchsspielerin der Weltmeisterschaft ausgezeichnet. "Diese Mannschaft ist Gold wert", befand Smits, Deutschlands Handballerin des Jahres 2024.
Macht Bundestrainer Gaugisch weiter?
"Ich hoffe, dass es nachhaltig ist", sagte Bundestrainer Gaugisch mit Blick auf die Handball-Euphorie, die sein Team in den vergangenen Wochen entfacht hatte. Seine Spielerinnen hätten "auf einem breiten Spektrum Vorbilder geschaffen", so Gaugisch. "Für unten, aber auch für oben. Ich glaube schon, dass Sponsoren sehen, dass es sich lohnt, in den Frauen-Handball zu gehen."
Wie nachhaltig der Erfolg sein wird, dürfte aber auch von ihm selbst abhängen: Der Vertrag des 51-Jährigen als Frauen-Bundestrainer läuft im Sommer 2026 aus. Es ist kein Geheimnis, dass Gaugisch mit einem Job im Männer-Handball liebäugelt.
Gaugisch trainiert die Nationalmannschaft der Frauen seit 2022. "Er hat die richtigen Knöpfe gedrückt", sagte Führungsspielerin Smits. "Ich wünsche mir, dass er bleibt."
Neue Bundesstützpunkte für Handballerinnen
Es sei eine "absolut magische WM-Reise gewesen", sagte Anja Althaus, Frauen-Teammanagerin im Deutschen Handballbund (DHB). "Ich hoffe, dass wir den Fokus weiter auf die Frauen legen. Wir brauchen Frauen-Handball. Wir haben gezeigt, wie sehr wir Deutschland begeistern können."
Der DHB hat ein "Jahrzehnt des Handballs" ausgerufen, in dem der Frauen-Handball deutlich sichtbarer und auch professioneller werden soll. 2027 sollen in Leipzig und Stuttgart zwei Bundesstützpunkte eröffnet werden, zwei weitere im Norden und Westen Deutschlands sollen folgen.
DHB-Chef: "Frauen müssen vom Handball leben können"
"Hinter dem Modell steckt die Philosophie, die Spielerinnen individuell zu stärken, um später mit einer Weltklasse-Mannschaft aufzutreten", sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. "Natürlich müssen wir auch dafür sorgen, dass die Frauen in ihrer aktiven Zeit vom Handball leben können."
Seit diesem Jahr erhalten die deutschen Nationalspielerinnen die gleichen Tagegelder wie die Männer. Für das WM-Silber gab es eine Rekordprämie von insgesamt 300.000 Euro.
Deutschland ist das Mutterland des Handballs. Vor mehr als 100 Jahren wurde hier Handball als Wettbewerbssport gegründet - schon damals für Frauen und Männer.