Guterres warnt vor neuem ″Kalten Krieg″ | Aktuell Welt | DW | 22.09.2020
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Vereinte Nationen

Guterres warnt vor neuem "Kalten Krieg"

China und die USA bewegten sich in eine "gefährliche Richtung". Es müsse alles getan werden, um eine weitere Eskalation zu vermeiden, sagte UN-Generalsekretär Antonio Guterres zum Auftakt der Generaldebatte.

"Unsere Welt kann sich keine Zukunft leisten, in der die beiden größten Volkswirtschaften die Erde spalten", sagte Generalsekretär Antonio Guterres zum Auftakt der UN-Generaldebatte in New York. Es müsse alles getan werden, um eine weitere Eskalation zu vermeiden. Dies würde eine technologische und wirtschaftliche Kluft entstehen lassen, die sich zu einer militärischen Kluft ausweiten könnte. Guterres warnte vor einem "Kalten Krieg" zwischen den USA und China.

Der UN-Generalsekretär warb in seiner Rede angesichts der enormen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie zudem für eine bessere internationale Zusammenarbeit. Populismus und Nationalismus seien an der Aufgabe gescheitert, das Virus einzudämmen. Dies gelte auch für egoistisches Vorgehen bei der Entwicklung eines Impfstoffes: "Ein solcher 'Impf-Nationalismus' ist nicht nur unfair, er besiegt sich selbst".

Für eine aktive Bekämpfung von COVID-19 erneuerte Guterres zudem seine Forderung nach einer weltweiten Waffenruhe, die bis zum Jahresende Realität sein müsse. "Uns bleiben 100 Tage. Die Uhr tickt."

Generaldebatte weitgehend virtuell

Die UN-Generalversammlung zum 75. Jubiläum der Vereinten Nationen fällt ganz anderes aus, als lange im Vorfeld geplant war. Die Generaldebatte, für gewöhnlich das größte diplomatische Spitzentreffen der Welt, findet in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie weitestgehend virtuell statt. Während Guterres persönlich im UN-Hauptquartier sprach, werden die Vertreter aller 193 Mitgliedstaaten - darunter weit mehr als 150 Staats- und Regierungschefs - mit vorab aufgezeichneten Video-Reden zugeschaltet. In der Halle der UN-Vollversammlung ist jedes Land nur durch den jeweiligen UN-Botschafter vertreten.

Trump attackiert in UN-Rede China und WHO

US-Präsident Donald Trump nutzte seine Videobotschaft für einen neuen Frontalangriff auf China und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit seinen altbekannten Schuldzuweisungen. "Wir müssen die Nation zur Rechenschaft ziehen, die diese Seuche auf die Welt losgelassen hat - China", sagte Trump in seiner Videobotschaft.

USA I UN-Generalversammlung I Donald Trump (UNTV/AP/picture-alliance)

Donald Trump meldet sich per Videobotschaft aus dem Weißen Haus zu Wort

Die Regierung in Peking habe die weltweite Ausbreitung des "China-Virus" nicht gestoppt, wiederholte er seine Position. "Die chinesische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation - die praktisch von China kontrolliert wird - haben fälschlicherweise erklärt, dass es keine Beweise für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gäbe." Er forderte: "Die Vereinten Nationen müssen China für dessen Handlungen zur Rechenschaft ziehen." So habe China zu Beginn der Pandemie seinen Bürgern erlaubt, ins Ausland zu reisen "und die Welt zu infizieren".

China reagiert empört

Der chinesische UN-Botschafter Zhang Jun wies die Vorwürfe umgehend zurück. Sie würden "jeder Grundlage entbehren", sagte der Diplomat im UN-Hauptquartier in New York, bevor er die Videoansprache des chinesischen Präsidenten Xi Jinping ankündigte. Notwendig seien mehr Solidarität und Kooperation als "Konfrontation". Präsident Xi warnte in seiner Ansprache vor einer "Politisierung" des Kampfes gegen das Coronavirus. Einen neuen "Kalten Krieg" wolle China nicht.

Inmitten der Corona-Pandemie hatten sich die Beziehungen zwischen den USA und China zuletzt weiter massiv verschlechtert, der Konflikt berührt mittlerweile fast jeden Aspekt der Beziehungen zwischen den beiden Großmächten.

qu/haz (dpa, afp, epd)

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