Gastkommentar: Zurück zur Normalität in Korea | Kommentare | DW | 27.05.2018
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Korea-Konflikt

Gastkommentar: Zurück zur Normalität in Korea

Die Rückkehr Nordkoreas zur rhetorischen Normalität diene vorwiegend dazu, die eigene Verhandlungsposition zu stärken, meint Peter Sturm von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Kurz vor dem Ziel wäre Kim Jong Un beinahe ein schwerer Fehler unterlaufen. Aus seiner Sicht hat Nordkoreas Staatsführer - in Fortsetzung der Arbeit seines Großvaters und Vaters - in den vergangenen Jahren sehr viel richtig gemacht. Jetzt war sogar der amerikanische Präsident Donald Trump zu einem Treffen mit dem kleinen Diktator bereit. Die Wahrnehmung Kim Jong Uns in der internationalen Öffentlichkeit hatte sich seit dem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In Ende April dramatisch verändert. Kim galt als vernünftiger Staatsmann, das Problem der nordkoreanischen Atomwaffen schien auf dem besten Wege zu einer Lösung.

Sturm Peter Frankenberger Frankfurter Allgemeine Zeitung (Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Peter Sturm ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Jeder andere hätte diesen Imagewandel begrüßt. Aber Kim Jong Un ist offensichtlich - aus seiner Sicht durchaus folgerichtig - zu dem Schluss gekommen, dass das nicht gut ist für ihn. Seine Ziele hat er ja nicht mit Freundlichkeit, sondern mit dem genauen Gegenteil erreicht. Seine große Stärke war immer die (scheinbare) Unberechenbarkeit, mit der er die Welt mehr als einmal unter Hochspannung setzte. Nur so hat er es geschafft, dass er auf der Weltbühne geduldet wurde. Seine demonstrative Friedfertigkeit beim innerkoreanischen Gipfel kam zwar gut an. Aber Kim Jong Un musste danach befürchten, dass Donald Trump zu dem Schluss kommt, er sei "weichgekocht", werde einer vollständigen nuklearen Abrüstung unter dem überwältigenden Druck der internationalen Sanktionen zustimmen.

Kim Jong Un will aber Gegenleistungen. Welche genau das sind, hat er bislang nicht verraten. Die Rückkehr Nordkoreas zur rhetorischen Normalität dient also vorwiegend dazu, die eigene Verhandlungsposition zu stärken. Und auch wenn der amerikanische Präsident das für den 12. Juni in Singapur geplante Treffen mit Kim vorerst abgesagt hat, muss das nichts Schlimmes bedeuten, denn idealerweise treffen sich die Chefs immer erst dann, wenn es wirklich etwas zu beschließen gibt. Und so weit ist die Welt mit Nordkorea noch lange nicht. Man sollte Nordkorea klarmachen, was geht und was nicht. Dies allerdings am Verhandlungstisch, nicht über Twitter. Immer vorausgesetzt natürlich, alle Seiten wollen wirklich eine Lösung, die diesen Namen verdient. Und das wollen wir bis zum Beweis des Gegenteils doch annehmen.

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