Gastkommentar: Der Golan ist für Israel unverzichtbar | Kommentare | DW | 29.03.2019
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Nahost-Konflikt

Gastkommentar: Der Golan ist für Israel unverzichtbar

Wenn Donald Trump die Annexion des Golan durch Israel anerkennt, bestätigt er nur, was ohnehin längst Tatsache ist. Das aber hat seinen Preis, meint Rainer Hermann von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Es gibt gute Gründe dafür, dass Israel nicht bereit ist, über die Golanhöhen zu verhandeln: Der wichtigste heißt Sicherheit, und ein ebenso wichtiger Grund ist das Wasser des schneereichen Plateaus. Völkerrechtlich mag die amerikanische Anerkennung der israelischen Annexion des strategisch bedeutenden Plateaus umstritten sein. Politisch ändert sie jedoch nichts daran, dass für Israel eine Rückgabe des Golan auf keinen Fall in Frage kommt. Denn er ist für Israel unverzichtbar.

Einst war Israel zu Kompromissen bereit

Heute dürfte Israel froh darüber sein, dass die indirekten Gespräche mit Syrien über die Rückgabe eines Teils der Golanhöhen, die vor zwei Jahrzehnten geführt worden waren, zu keinem Ergebnis gekommen sind. Damals war der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert durchaus zu territorialen Kompromissen bereit.

Kommentarbild PROVISORISCH | Rainer Hermann, FAZ & Klett-Cotta (Helmut Fricke)

Rainer Hermann ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Seit dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 war zwar keine andere Grenze Israels so sicher wie die zu Syrien. Heute ist sie es jedoch nicht mehr. Denn auf der syrischen Seite haben sich von Iran geführte Milizen festgesetzt. Bereits von Gaza aus beschießt die von Iran unterstützt Hamas Israel, und vom Libanon aus bedroht ebenso die Hizbullah mit ihrem Raketenarsenal das Land. Nicht auszudenken für Israel, käme am Golan eine dritte Front dazu. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu liegt daher nicht falsch, wenn er sagt, Iran stünde am Ufer des Sees Genezareth, würde die israelische Armee das Land nicht auf dem Golan verteidigen.

Schließlich hatte die syrische Armee israelische Städte vom Golan aus beschossen, bis Israel das Plateau im Sechstagekrieg 1967 erobert hat. Sechs Jahre später, im Jom-Kippur-Krieg, fand auf dem Golan eine der größten Panzerschlachten in der Geschichte des Nahen Ostens statt. Dabei wurden die auf den Golan vorrückenden 1400 syrischen Panzer jedoch zurückschlagen. Syrien erlitt eine krachende Niederlage. Das ist eben ein Gesetz des Kriegs: Wer einen Krieg beginnt und ihn verliert, muss damit rechnen, Territorium zu verlieren.

Politischer Preis für Trumps Vorstoß

Der Golan, der 1981 annektiert wurde, erhöht also Israels Sicherheit. Zudem ist er für die Wasserversorgung des Landes wichtig. Denn Quellflüsse, die auf dem Golan entspringen, fließen in den See Genezareth, den wichtigsten Süßwasserspeicher Israels.

Der Vorstoß des amerikanischen Präsidenten hat jedoch einen politischen Preis. Nachdem bereits die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem die arabischen Golfstaaten, die sich in den vergangenen Jahren Israel angenähert hatten, in Erklärungsnot gebracht hat, wird es diesen nun noch schwerer fallen, einen amerikanischen Plan zur Beilegung des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern, wie ihn Washington ankündigt, zu unterstützen. Ein Ende des Konflikts ist daher noch auf lange Sicht nicht abzusehen.

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