Furioser Künstlerfilm: ″Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit″ | Filme | DW | 17.04.2019
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Kino

Furioser Künstlerfilm: "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit"

Willem Dafoe verwandelt sich bei Regisseur Julian Schnabel in Vincent van Gogh. Jetzt startet der Film in den deutschen Kinos. Wir blicken zurück: 10 Filme über Künstler, die in die Kinogeschichte eingegangen sind.

Ist Julian Schnabel eigentlich ein verhinderter Filmemacher, besser auf dem Regiestuhl als vor der Leinwand? Ist der schwergewichtige amerikanische Künstler, der ja seit vielen Jahren eine große Nummer in der Kunstwelt ist, nicht vielleicht talentierter als Filmregisseur denn als Malerfürst, als der er sich so gerne inszeniert?

Kategorien wie "besser" oder "talentierter" sind in der Welt der Künste natürlich kein ernst zu nehmendes Kriterium. Eines steht aber fest: Schnabels Werke als bildender Künstler verkaufen sich zwar gut, unumstritten als Maler ist der 1951 in New York geborene Schnabel aber keineswegs. Sein künstlerischer Rang wird von Experten immer mal wieder in Zweifel gezogen.

Mit seinem Kinodebüt begeisterte Julian Schnabel die Kritiker

Als Filmregisseur wird Julian Schnabel aber wieder zu Recht gerühmt. Ob sein schwungvolles Debüt "Basquiat" (1996), sein treffendes Schriftstellerporträt "Before Night Falls" (2000), der ungemein bewegende "Le scaphandre et le papillon" ("Schmetterling und Taucherglocke", 2007) oder sein neuer Film "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" (Originaltitel "At Eternity's Gate", unser Foto oben, 2018), der jetzt in Deutschland in die Kinos kommt, stets ernteten die Filme positive bis enthusiastische Besprechungen.

75. Filmfestspiele in Venedig Verleihung Goldener Löwe an Willem Dafoe (Reuters/T. Gentile)

Bester Schauspieler in Venedig: Willem Dafoe, ausgezeichnet für seine Rolle in Schnabels Film

Ein Künstler sollte Filme über Künstler machen, weil der das viel besser könne, sagte Schnabel in Zürich, wo er "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit" beim "Zurich Film Festival" im vergangenen Jahr vorstellte. Die früheren Versuche von Regisseuren, sich dem Oeuvre van Goghs anzunähern, seien schrecklich gewesen, so Schnabel, der noch nie an mangelndem Selbstbewusstsein gelitten hat.

Willem Dafoe liefert als depressiver Künstler eine Meisterleistung ab

Doch "Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit", der die letzten Lebensjahre Vincent van Goghs zu einem magischen Film über Kunst und Krankheit verdichtet, verzauberte bei seiner Uraufführung beim Festival in Venedig 2018 Publikum und Presse. "The Guardian" meinte damals, dass es dem Regisseur gelungen sei, die Kraft der van Gogh'schen Malerei einzufangen. "The Hollywood Reporter" lobte - wie die versammelte Weltpresse - insbesondere die Auftritte der Schauspieler: Willem Dafoe in der Hauptrolle, aber auch Oscar Isaac als Paul Gauguin.

Aus Deutschland schloss sich die "Süddeutsche Zeitung" den Jubelgesängen in Venedig an - gerade auch im Vergleich zu früheren van-Gogh-Spielfilmen von Vincent Minnelli und Robert Altman: Noch nie, so die "SZ", sei Vincent van Gogh "so sehr als ein Kunststück über Kunst, als (...) Aneinanderreihung von bewegenden Impressionen eines anderen Künstlers" porträtiert worden.

Filmgeschichte mit vielen missratenen Künstlerfilmen

Zweifellos hat Julian Schnabel (und der fulminante Auftritt seines Hauptdarstellers) dem Filmgenre "Künstlerfilm" ein weiteres Highlight hinzugefügt. Spielfilme über Künstler gibt es viele, ein paar gelungene, viele misslungen. In den vergangenen Jahren haben vor allem viele Dokumentaristen dem Genre Künstlerfilm einiges hinzugefügt: Künstlerporträts, die den Sprung ins Kino geschafft haben, sind gleich dutzendfach erschienen.

Vincent und Theo Filmstill: Tim Roth als Vincent van Gogh (picture-alliance/dpa/Everett Collection)

Bei Robert Altman schlüpfte Tim Roth in die Rolle van Goghs: "Vincent and Theo"

1955 drehte Vincent Minnelli in Hollywood den wohl heute noch bekanntesten Vincent-van-Gogh-Spielfilm, mit einem gut aufgelegten Kirk Douglas in der Rolle des unglücklichen Malers. Wie so viele Filme aus Hollywood, die sich einen Giganten der Kunstgeschichte als Filmcharakter ausgewählt haben, erscheint auch "Lust for Life" heute in seiner pathetischen Art eher etwas angestaubt. Robert Altman setzte 1990 dann das Bruderdrama "Vincent and Theo" etwas nüchternder und wohl auch realistischer in Szene.

Der Franzose Clouzot zeigte Picasso beim Akt des Malens

Einen ganz anderen Weg wählte 1955 der Franzose Henri-Georges Clouzot, der einen genialen Trick für sein Picasso-Porträt nutzte. Clouzots Film "Le mystère de Picasso" zeigte das Jahrhundertgenie beim Akt des Malens - ganz unverstellt. Selten konnte man einem Künstler beim Malen so direkt über die Schulter schauen wie bei Clouzot: Picasso trug seine Pinselstriche auch auf Glas auf, die Kamera verfolgte das von der gegenüberliegenden Seite.

Filmstill | Henri-Georges Clouzot: Picasso (1955) (picture-alliance/dpa/Everett Collection)

Henri-Georges Clouzot blickt Picasso in seinem Film 1955 eindrucksvoll über die Schulter

Julian Schnabel hat für seinen van-Gogh-Film den klassischen Weg des Spielfilms gewählt. Van Gogh habe "eine tiefe Beziehung zu Gott, das hat er selbst immer betont", sagte Schnabel in Venedig gegenüber dem ARD-Kulturmagazin "Titel, Thesen, Temperamente": "Er suchte einen Weg, um seine Kunst und die Natur mit einer höheren Kraft in Verbindung zu bringen. Es war wie eine Religion, aber ohne Kirche."

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