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Fußball-WM: Anruf von Donald Trump bei FIFA wegen US-Sperre

6. Juli 2026

WM-Skandal? Hat der US-Präsident seine Kontakte zu FIFA-Präsident Infantino genutzt und ließ eine Rot-Sperre gegen einen US-Spieler aufheben? Das US-Team feiert die Entscheidung im "Fall Balogun", andere sind irritiert.

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US-Spieler Folarin Balogun sieht im Spiel USA gegen Bosnien die rote Karte
Auslöser für die Irritationen um FIFA und Trump: die rote Karte gegen Folarin Balogun (r.)Bild: Phil Noble/REUTERS

Eine rote Karte und ein Anruf sorgen bei der Fußball-WM für Aufregung. Im Sechzehntelfinale der USA gegen Bosnien-Herzegowina war US-Stürmer Folarin Balogun nach einem unbeabsichtigten Tritt auf den Knöchel und die Achillessehne eines Gegenspielers vom Platz gestellt worden.

Normalerweise zieht das zwangsläufig eine Sperre von mindestens einem Spiel nach sich. Allerdings ist der Angreifer der AS Monaco, der mit bislang drei Turniertreffern bester Torschütze seines Teams bei der WM ist, im Achtelfinale der US-Amerikaner gegen Belgien trotzdem dabei.

Der Fußball-Weltverband FIFA setzte die Sperre nämlich nur zur Bewährung aus und gab Balogun so die Möglichkeit, doch weiter dabei zu sein. Die FIFA verwies auf Artikel 27 ihres Disziplinarkatalogs, der besagt, dass eine Strafe für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Eine Begründung lieferte der Weltverband allerdings nicht. 

US-Spieler Folarin Balogun tritt Bosniens Tarik Muharemovic im Zweikampf um den Ball von hinten auf den Knöchel
Folarin Balogun (r.) trat Tarik Muharemovic (l.) auf den Knöchel und wurde nach VAR-Eingriff vom Platz gestelltBild: Jeff Chiu/AP Photo/dpa/picture alliance

Von dieser Regelung hatte früher auch Portugals Superstar Cristiano Ronaldo profitiert, nachdem er im November bei einem WM-Qualifikationsspiel gegen Irland vom Platz gestellt worden war. Ronaldo wurde von der Fifa zunächst für drei Spiele gesperrt. Er verpasste aber nur das Qualifikations-Duell gegen Armenien. Die Sperre wurde danach für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.

Druck von Donald Trump auf die FIFA?

Einen faden Beigeschmack bekommt die Entscheidung der FIFA allerdings dadurch, dass US-Präsident Donald Trump sich eingemischt haben soll. Informierten Kreisen zufolge soll Trump sich persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino für eine Aufhebung der Sperre eingesetzt haben.

Trump habe Infantino nach dem Platzverweis am Mittwoch angerufen, und ihn gebeten, die Entscheidung zu überprüfen, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP am Sonntag aus zwei mit dem Fall vertrauten Quellen. Zuvor hatte US-Außenminister Marco Rubio öffentlich eine Aufhebung der Sperre gefordert.

Wie die "New York Post" berichtete, hat die US-Regierung den Kontakt zwischen Trump und Infantino bestätigt. "Der Präsident und Infantino haben miteinander gesprochen, und der Präsident wollte besser verstehen, warum eine Rote Karte gezeigt wurde und warum es zu einer Sperre kam", erklärte ein US-Sprecher gegenüber der Zeitung.

Trump dankt der FIFA für "das Richtige"

Nachdem bekanntgegeben worden war, dass Baloguns Sperre zur Bewährung ausgesetzt wurde und er spielen kann, schrieb Trump auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social: "Danke an die Fifa dafür, das Richtige zu tun und eine große Ungerechtigkeit rückgängig zu machen." Der offizielle X-Account des Weißen Hauses in Washington retweetete Trumps Botschaft und kommentierte sie mit "USA-USA-USA".

Beim bosnischen Fußballverband kam der FIFA-Entscheid dagegen weniger gut an. "Beendet das Turnier einfach sofort. Das ist eine Schande!", heißt es auf X. Kurz danach posteten die Bosnier ein KI-Bild von Trump als Schiedsrichter für die Partie USA gegen Belgien.

Auch der belgische Fußballverband äußerte sich "erstaunt". Die Entscheidung stehe "in direktem Widerspruch" zu den FIFA-Regularien. Der belgische Verband kündigte an, "alle möglichen Optionen" zu prüfen.

"Ich wusste nicht, dass bei der FIFA-Weltmeisterschaft der 5. Juli nun der 1. April ist und dass es der Tag der Aprilscherze ist", meinte Belgiens Trainer Rudi Garcia auf einer Pressekonferenz. Belgiens Torhüter Thibaut Courtois sagte, es sei "eine kleine Überraschung" gewesen, dass Balogun erst einen Tag vor dem Spiel die Spielerlaubnis erhalten habe. "Wäre das früher passiert, hätten wir uns vielleicht mental besser darauf vorbereiten können."

Jürgen Klopp: "Das stellt alles infrage"

Der designierte Bundestrainer Klopp reagierte fassungslos. "Wenn das wirklich Trump und Infantino miteinander ausgemacht haben, das ist verrückt, das stellt alles infrage", sagte der DFB-Wunschkandidat für die Nachfolge von Julian Nagelsmann in seiner Rolle als Experte bei MagentaTV: "Diese beiden Menschen, die beide von Fußball keine Ahnung haben, sollten gar nichts damit zu tun haben. Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel."

Jürgen Klopp als TV-Experte
Jürgen Klopp verfolgt die Fußball-WM als Experte für den deutschen TV-Sender MagentaTVBild: Tom Weller/dpa/picture alliance

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Bernd Neuendorf, nahm den "Fall Balogun" mit großer Sorge zur Kenntnis und forderte: "Die FIFA sollte sich jetzt rasch zu Berichten erklären, wonach der Entscheidung zur Aussetzung der Roten Karte gegen den amerikanischen Spieler Folarin Balogun ein Telefonat zwischen US-Präsident Donald Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino vorausgegangen sein soll."

Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben habe, müsse zügig und schlüssig ausgeräumt werden. "Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA", so Neuendorf.

Englands Trainer Thomas Tuchel ist irritiert

Auch Englands deutscher Nationaltrainer Thomas Tuchel reagierte mit großem Erstaunen auf die Aussetzung der Rot-Sperre.

"Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war. Aber der VAR war involviert. Drei Leute vom VAR und der Referee haben es gecheckt und hatten die Meinung, dass es eine Rote Karte war. Es wurde also eine Entscheidung getroffen", sagte Tuchel, fragte sich aber. "Wer kippt diese Entscheidung dann - und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich."

Im Hinblick auf Sanktionen gegen eigene Spieler sagte er außerdem: "Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist? Wo fängt es an und wo hört es auf?" Auf die anschließende Frage eines Journalisten, ob man vielleicht US-Präsident Trump fragen sollte, meinte Tuchel: "Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt."

US-Trainer Pochettino: "Fantastische Entscheidung"

Das US-Team nahm die Nachricht dagegen positiv auf. "Das gibt uns natürlich einen Schub", sagte Stürmer Christian Pulisic laut einem Bericht von "The Athletic". "Es ist eine faire Entscheidung, denn es hätte niemals eine rote Karte geben dürfen", betonte US-Trainer Mauricio Pochettino. Die Strafe sei für ein unbeabsichtigtes Foul "zu hart".

"Alle, die den Sport wirklich lieben und seiner Integrität vertrauen, feiern diese Entscheidung", war sich der Argentinier sicher. "Es ist nicht, weil ich der Cheftrainer der USA bin. Ich denke, 99,9 Prozent der Menschen sind sich einig, dass es eine ungerechte Rote Karte war."

Es sei, so Pochettino, eine "fantastische Entscheidung, nicht nur für uns, sondern für den Fußball".

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