Fußball-Profi Moussa Marega setzt Zeichen gegen Rassismus | Sport | DW | 17.02.2020
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Rassismus im Stadion

Fußball-Profi Moussa Marega setzt Zeichen gegen Rassismus

Der Fußballprofi des FC Porto verlässt nach andauernden rassistischen Beleidigungen von den Rängen den Platz. Der frühere Weltstar Ruud Gullit kritisiert die Teamkollegen Maregas.

Schon beim Aufwärmen für das Spiel der ersten portugiesischen Liga bei Vitoria Guimarães wurde Moussa Marega vom FC Porto von den Rängen aus beleidigt. Da blieb der 28 Jahre alte Nationalspieler Malis äußerlich noch ruhig. Doch es gärte in ihm. Als Marega in der 60. Minute den Siegtreffer zum 2:1 erzielt hatte, rannte er zum Spielfeldrand, zeigte demonstrativ auf seine schwarze Haut und hielt eine Sitzschale über den Kopf, die Zuschauer zuvor nach ihm geworfen hatten. Der Schiedsrichter zeigte ihm für diese Geste die Gelbe Karte. Als Marega schließlich weitere Affengeräusche von der Tribüne ertragen musste, verließ er den Platz. Weder von wild gestikulierenden Mitspielern noch von beschwichtigenden gegnerischen Profis ließ sich Marega davon abbringen.

Auf Instagram wetterte der Profi des FC Porto später gegen die "Idioten, die ins Stadion kommen, um rassistische Rufe loszuwerden" und gegen den Schiedsrichter, der ihn verwarnt hatte: "Ich hoffe, dass ich Sie nie wieder auf einem Fußballfeld sehe! Sie sind eine Schande!" 

Gullit: "Verhalten der Teamkollegen ist enttäuschend"

Die Reaktionen auf den Zwischenfall am Sonntag fielen unterschiedlich aus. Die einen lobten Marega dafür, dass er ein deutliches Zeichen gegen Rassismus gesetzt habe. "Marega hat gezeigt, dass er nicht nur ein großer Fußballer, sondern auch ein großer Mensch ist", twitterte Portugals Ministerpräsident Antonio Costa.

GES Laureus World Sports Awards 2020, 17.02.2020 Ruud Gullit (picture-alliance/GES/M. Gilliar)

Ruud Gullit bei den Laureus Awards in Berlin

Andere fragten, warum seine Teammitglieder nicht aus Solidarität ebenfalls den Platz verlassen hätten. "Provokationen gehören zum Fußball. Aber wenn es Affenlaute gibt oder Bananen geworfen werden, ist das über dem Limit", sagte der frühere niederländische Superstar Ruud Gullit am Rande der Laureus World Sport Awards in Berlin und nannte das Verhalten seiner Teamkollegen enttäuschend: "Die anderen Spieler hätten ihn beschützen sollen und für ihn eintreten müssen. Diese Entscheidung, den Platz zu verlassen, sollte nicht nur bei dem Spieler liegen."

Bei einem Podiumsgespräch bei derselben Veranstaltung forderte Trainer-Legende Fabio Capello ein härteres Durchgreifen der Verbände gegen die Täter. "Man müsste diese Leute ein Leben lang vom Fußball ausschließen, nicht nur zwei oder vier Jahre", sagte der Italiener. "Die Spiele müssen gestoppt werden. Es muss insgesamt mehr getan werden."

Drei Jahre Stadionverbot für Täter in Münster

Auch in Deutschland hatte es am vergangenen Wochenende wieder einen Rassismusvorfall bei einem Fußballspiel gegeben. Beim Drittligaspiel zwischen Preußen Münster und den Würzburger Kickers wurde der Gästespieler Leroy Kwadwo von einem Zuschauer mit Affenrufen beleidigt. Die anderen Besucher auf den Rängen verhielten sich vorbildlich. Sie skandierten "Nazis raus!" und wiesen die Ordnungskräfte auf den Täter hin, der dann festgenommen wurde. Der Verein verhängte gegen den Mann ein bundesweites Stadionverbot von drei Jahren.

"Das Mindeste, das wir nun tun können, ist, dass diese Person nicht mehr in unser Stadion kommt", sagte Vereinspräsident Christoph Strässer. Drei Jahre Stadionverbot sind für Vorfälle dieser Art die höchstmögliche Strafe, die das Vereinsrecht vorsieht. Dem Täter droht zudem ein strafrechtliches Verfahren. Sollten die rassistischen Rufe als Volksverhetzung gewertet werden, ist eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren möglich.

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