Friedensnobelpreis an Abiy Ahmed überreicht | Aktuell Europa | DW | 10.12.2019
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Preisverleihung

Friedensnobelpreis an Abiy Ahmed überreicht

Nach der Bekanntgabe im Oktober dauert es knapp zwei Monate, bis die Nobelpreisträger ihre 18-karätigen Goldmedaillen entgegennehmen können. Der äthiopische Regierungschef war nun als erster an der Reihe - in Oslo.

Norwegen l Verleihung des Friedensnobelpreis an Abiy Ahmed in Oslo (picture alliance/dpa/NTB scanpix/H. M. Larsen)

Die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen ...

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hat in Oslo den diesjährigen Friedensnobelpreis erhalten. Dem mit 43 Jahren jüngsten Regierungschef Afrikas wurde die renommierte Nobelmedaille bei einer feierlichen Zeremonie in der norwegischen Hauptstadt überreicht. In seiner Dankesrede betonte Abiy, wie schwierig es sei, langfristig Frieden zu sichern. "Ich glaube, dass Frieden eine Herzensangelegenheit ist. Frieden ist eine Arbeit der Liebe. Frieden zu erhalten, das ist harte Arbeit."

Abiy sagte, er nehme den Preis nicht nur im Namen seiner Landsleute entgegen, sondern auch für die Menschen im benachbarten Eritrea. Zugleich dankte er dem eritreischen Präsidenten Isaias Afwerki. Dessen guter Wille, sein Vertrauen und Einsatz hätten wesentlich dazu beitragen, dass der Konflikt zwischen beiden Ländern beendet werden konnte. "Wir haben verstanden, dass unsere Nationen keine Feinde sind", sagte Abiy. "Stattdessen waren wir Opfer des gemeinsamen Feindes namens Armut."

Zwei Jahrzehnte Feindschaft

Äthiopien und Eritrea hatten im vergangenen Jahr unter Abiys Ägide nach rund 20 Jahren Feindschaft ihre Rivalitäten beigelegt. Hierfür und für seine Reformbemühungen erhielt der Ministerpräsident, der in seinem Heimatland stark unter Druck steht, den Preis, der als weltweit wichtigste politische Auszeichnung gilt.

Norwegen l Verleihung des Friedensnobelpreis an Abiy Ahmed in Oslo (picture alliance/AP Photo/NTB scanpix/H. M. Larsen)

... überreicht die Medaille und eine Urkunde an Abiy Ahmed

Die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen, richtete das Wort an Abiy: "Sie haben die Initiative ergriffen und waren der Hauptarchitekt hinter den Friedensverhandlungen, die erfolgreich mit Eritrea geführt wurden."

Zugleich habe sich der Äthiopier intensiv darum bemüht, in seinem Land die bürgerlichen Freiheitsrechte zu stärken und die Entwicklung ziviler Institutionen zu fördern, um die Demokratie aufzubauen. Aber auch im Verhältnis zwischen Eritrea und dem ebenfalls am Horn von Afrika gelegenen Dschibuti sowie im benachbarten Sudan habe Abiy vermittelt.

"Außerordentlich bescheiden"

Der Ministerpräsident, der seine Dissertation über die Lösung interreligiöser Konflikte geschrieben hatte, zeichne sich überdies durch eine außerordentliche Bescheidenheit aus, sagte Reiss-Andersen. "Sie sprechen selten öffentlich über Ihre Errungenschaften und Ihren Erfolg."

Abiy ist seit April 2018 äthiopischer Regierungschef. Nach seinem Amtsantritt krempelte er das Land nach Jahrzehnten repressiver Herrschaft radikal um. Seit im Oktober bekannt wurde, dass er den Friedensnobelpreis erhalten soll, haben sich die Beziehungen zwischen Äthiopien und Eritrea jedoch wieder verschlechtert. Die Grenzen zwischen beiden Staaten wurden erneut geschlossen; die Gespräche stocken. Bei Protesten gegen Abiy wurden bislang mehr als 80 Menschen getötet.

Der Friedensnobelpreis ist mit neun Millionen schwedischen Kronen (umgerechnet 850.000 Euro) dotiert. Er wird im Gegensatz zu den anderen Nobelpreisen, die ebenfalls an diesem Dienstag in Stockholm verliehen wurden, in Oslo überreicht.

Protest bei Nobelpreisverleihung in Stockholm

Am Rande der Verleihung in Stockholm kam es zu Protesten gegen den österreichischen Literaturnobelpreisträger Peter Handke. Viele der Teilnehmer trugen eine stilisierte weiße Blume als Symbol für die Opfer des Völkermords von Srebenica. Sie protestierten gegen die Preisvergabe an Handke wegen dessen Positionierung im Jugoslawien-Konflikt.

Der Schriftsteller hatte sich stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede. 

jj/sti (dpa, afp)

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