Flüchtling wegen Kriegsverbrechen vor Stuttgarter Gericht | Aktuell Deutschland | DW | 20.10.2016
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Terrorismus

Flüchtling wegen Kriegsverbrechen vor Stuttgarter Gericht

Ein 25 Jahre alter Flüchtling muss sich wegen Kriegsverbrechen und Terrorhilfe vor dem Oberlandesgericht Stuttgart verantworten. Der Syrer war 2014 nach Deutschland gekommen und hatte in Schwaben gelebt.

Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt (picture-alliance/dpa/M. Murat)

Der Angeklagte wird in den Gerichtssaal geführt

Gut drei Jahre nach der Entführung des UN-Mitarbeiters Carl Campeau nahe Damaskus steht ein 25 Jahre alter Syrer in Stuttgart vor Gericht. In einer Gruppe von Terroristen der Vereinigung Al-Nusra-Front, die sich inzwischen in Fatah al-Scham-Front umbenannt hat, soll er sich laut Anklage 2013 an dem Verbrechen beteiligt haben. 

Der Syrer, der 2014 nach Deutschland kam und bei Stuttgart lebte, soll der Terrorgruppe angehört und die Geisel Campeau zwischen März 2013 und Juni 2013 bewacht und bedroht haben. Die Terroristen forderten ein Lösegeld von sieben Millionen Dollar für den kanadischen UN-Juristen, dem nach acht Monaten Geiselhaft die Flucht gelang.

Vor der Verlesung der Anklage verhandelte das OLG zunächst nichtöffentlich darüber, ob der weitere Prozess öffentlich geführt wird. Die Vertreterin des Mannes hatte dies beantragt.

Wegen zahlreicher Verbrechen angeklagt

Laut Oberlandesgericht ist er angeklagt unter anderem wegen eines Kriegsverbrechens gegen humanitäre Operationen, erpresserischen Menschenraubs, Freiheitsberaubung sowie wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen Terrorvereinigung. Das Gericht hat für die Verhandlung direkt am Gefängnis Stuttgart-Stammheim 30 Termine angesetzt - den letzten Ende März 2017.

Die Al-Nusra-Front, der der 25-Jährige angehört haben soll, hat sich inzwischen zwar von dem Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt, doch wird sie von den Vereinten Nationen weiterhin als Terrorgruppe betrachtet.

Anfang des Monats hatte das Oberlandesgericht Stuttgart vier Männer wegen Unterstützung einer ausländischen terroristischen Vereinigung in Syrien verurteilt. Das OLG sprach die vier Männer im Alter von 30 bis 50 Jahren schuldig, die von den Richtern als salafistisch eingestufte Vereinigung Ahrar al-Sham unterstützt zu haben. Die Strafen reichten von Bewährungsstrafen bis zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Die militärischen Einheiten der Vereinigung sollen häufig zusammen mit der extremistischen Al-Nusra-Front Anschläge gegen Angehörige der syrischen Armee und Sicherheitskräfte verübt haben. Den vier Männern wurde unter anderem vorgeworfen, an der Lieferung einer großen Menge Militärkleidung beteiligt gewesen zu sein. Diese umfasste demnach rund 7500 Stiefel, 6000 Militärparkas und 100 Militärhemden im Wert von rund 130.000 Euro.

stu/se (afp, dpa)

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