Filmwelt trauert um Milos Forman | Filme | DW | 15.04.2018
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Filme

Filmwelt trauert um Milos Forman

Für die einen war er ein Held, für andere ein guter Freund. Für manche war er ein Lehrer und zudem ein großartiger Regisseur. Kollegen und Fans trauern um Milos Forman, der am Samstag gestorben ist.

"Er hatte einen wunderbaren Charakter und eine fantastische Energie", sagte der tschechische Regisseur David Ondricek, Sohn von Formans Kameramann Miroslav Ondricek. "Er war der beste Freund meines Vaters und wir beide haben zu ihm aufgeschaut." Forman sei ein "großartiger Erzähler" gewesen.

US-Schauspielerin Mia Farrow würdigte Milos Forman als brillanten Filmemacher, der zugleich "stets liebenswürdig, großzügig, bescheiden und loyal war. Und für den spanischen Filmstar Antonio Banderas war Forman schlichtweg ein "Genie der Kameraführung und ein Meister der Darstellung des menschlichen Daseins".

"Einer der größten Filmemacher der Welt"

Als solchen bezeichnet ihn der US-amerikanische Schauspieler und Regisseur Ron Howard auf Twitter. Und fügt hinzu: "Schaut Euch seine Filmographie an und guckt am Wochenende einen seiner Filme, um ihn zu ehren."

"Milos der Großartige", begeisterte sich Danny DeVito in einem Tweet. "Er war ein guter Freund und ich werde ihn vermissen", teilte der Schauspieler weiter mit. DeVito und Jim Carrey waren Co-Stars in Formans Film "Der Mondmann" (1999) über das Leben des Komikers Andy Kaufman. Mit ihm zu arbeiten sei ein "gewaltiges Erlebnis" gewesen, schrieb Carrey auf Twitter. "War für eine Kraft. Ein großartiger Mann".

Erfolg in Hollywood

Als Forman 1976 mit seinem ersten Oscar für "Einer flog über das Kuckusnest" in der Hand seiner Wahlheimat, den USA, für die Auszeichnung dankte, war der tschechische Akzent noch deutlich zu hören. "Amerika ist immer noch ein wunderbares, gastfreundliches und offenes Land", schwärmte der Regisseur vor versammelter Hollywood-Prominenz.

Acht Jahre zuvor war er aus der damaligen Tschechoslowakei in die USA emigriert, nachdem sowjetische Panzer 1968 den Prager Frühling niederwälzten. Bei der Oscar-Verleihung im März 1976 setzte sich Forman gegen Star-Regisseure wie Robert Altman, Federico Fellini und Stanley Kubrick durch. Sein Psychodrama "Einer flog über das Kuckucksnest" gewann fünf Oscars, darunter für Regie, Hauptdarsteller Jack Nicholson und als bester Film.

Langer Weg bis zum Oscar

Forman wurde 1932 in Mittelböhmen als jüngster Sohn eines Lehrers geboren. Er war acht Jahre alt, als seine Eltern von der Gestapo verhaftet wurden, beide kamen in Konzentrationslagern ums Leben. An der Prager Filmakademie lernte Forman sein Handwerk. Mit Filmsatiren wie "Die Liebe einer Blondine" (1965) und "Der Feuerwehrball" (1967) zählte er zu den Vorreitern der experimentierfreudigen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films.

Sein erstes Hollywood-Projekt, die Generationen-Satire "Taking Off" (1971), holte zwar beim Cannes-Festival einen Jury-Preis, floppte aber an den amerikanischen Kinokassen. Für Forman begann eine Durststrecke, in der er seinen Arbeitsvertrag verlor und um die Aufenthaltserlaubnis bangte. "Ich wartete auf das Angebot, das mein Leben ändern sollte, und in der Zwischenzeit akzeptierte ich alles, was ich kriegen konnte, bis hin zum Gratis-Mittagessen", blickte er in seiner Biografie zurück.

Szene aus Einer flog über das Kuckucksnest (Foto: imago)

Szene aus "Einer flog über das Kuckucksnest": Der Film entfachte in den 70er Jahren eine Debatte über den Umgang mit psychisch kranken Menschen

Mit "Einer flog über das Kuckucksnest" wendete sich das Blatt. Mit der Mozart-Biografie "Amadeus" (1984) besiegelte Forman seinen Erfolg in Hollywood. Der Film, der das Musik-Genie in einem neuen, nicht nur freundlichen Licht zeigt, gewann acht Oscars - auch für die beste Regie.

Mit seinen erwachsenen Zwillingssöhnen aus erster Ehe wagte sich Forman 2007 an ein ungewöhnliches Projekt. Im Nationaltheater in Prag inszenierte er die Oper "Ein gut bezahlter Spaziergang". Dass seine Söhne Petr (Co-Regie) und Matej (Bühnenbild) ihm zur Seite standen, bezeichnete Forman damals als den "glücklichsten Moment" seiner Karriere. Die gemeinsame Arbeit dokumentierte Forman auch in dem Film zu dem Projekt, den er 2009 auf dem internationalen Filmfestival im tschechischen Karlsbad vorstellte. "Keine Filme mehr, ich habe Urlaub", sagte er mit fast 80 Jahren.

Am Samstag ist Milos Forman in einem Krankenhaus nahe seines Wohnorts Warren im US-Bundesstaat Connecticut im Alter von 86 Jahren gestorben,

pl/ack (dpa, afpd)

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