FIFA-Boss Infantino verteidigt Ticketpreise und Trump-Nähe
11. Juni 2026
Gianni Infantino hat sich einen Tag vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft erstmals seit drei Jahren wieder in einer Pressekonferenz den Fragen der Medien gestellt - und dabei demonstrativ Gelassenheit gezeigt. "Chill, relax!", lautete seine Botschaft angesichts der vielen Unstimmigkeiten im Vorfeld der WM.
Die Kritik an den teils astronomischen Ticketpreisen beunruhigten den FIFA-Präsidenten ebenso wenig wie die Ermittlungen mehrerer US-Bundesstaaten wegen möglicher Verstöße gegen Verbraucherschutzgesetze. Diese verfolge er nach eigenen Angaben "sehr relaxed".
Dabei wächst der Druck. In Kalifornien prüfen Behörden mögliche Rechtsverstöße, auch in New Jersey und New York wurden Untersuchungen angekündigt. Sie richten sich unter anderem gegen Berichte über irreführende Ticketvergabepraktiken. Infantino ging dennoch in die Offensive. Im Pressezelt nahe des Aztekenstadions erklärte er: "Es ist nicht so, dass jemand aufwacht und die Preise festlegt."
Infantino verwies auf den US-Sportmarkt und betonte, die WM liege im Vergleich auch preislich im Rahmen. Der Einstiegspreis von 60 Dollar sei der niedrigste in vergleichbaren Wettbewerben, der Durchschnitt liege bei 500 Dollar. "Bevor wir 6,5 Millionen Tickets verkauft haben, haben wir uns mit den besten Anwälten abgesprochen", sagte Infantino.
"Jeder Dollar zurück in den Fußball"
Die Debatte entzündet sich vor allem am Zweitmarkt. Dort werden Hospitality-Pakete für das Finale in New Jersey inzwischen zu Summen von bis zu 600.000 Euro angeboten, zeitweise sogar Eintrittskarten für mehrere Millionen. Für weniger attraktive Gruppenspiele sind hingegen deutlich niedrigere Preise zu finden.
Infantino verteidigt das System grundsätzlich - auch moralisch. "Jeder Dollar, den wir generieren, fließt zurück in den Fußball."
Der FIFA-Chef verweist auf Entwicklungsprojekte, etwa in afrikanischen Ländern, und stellt die Einnahmen als notwendigen Motor dar. "Wer investiert schon beispielsweise im Südsudan?", fragt er rhetorisch und antwortet selbstbewusst: "Wir tun es."
Visa-Streit wirft Schatten
Neben der Ticketdiskussion sorgt ein anderer Fall für Unruhe: Der somalische Schiedsrichter Omar Artan darf nicht einreisen. Infantino bezeichnet das als "natürlich unglücklich".
Gleichzeitig relativiert er den Einfluss der FIFA: "Wir versuchen immer, Lösungen zu finden. Aber wir müssen respektieren, dass wir nicht die Könige der Welt sind, die über Regierungen und die Polizei bestimmen", sagte der 56-Jährige in Mexiko-Stadt.
Man sei eine Sportorganisation und kontrolliere nicht alles, so Infantino. "Wir werden sprechen, wir werden sehen. Manchmal ist es gut, einfach zu chillen, relaxen. Wir versuchen, alles zu lösen."
Sicherheitsbedenken sollen laut US-Regierung ausschlaggebend gewesen sein. Somalia gehört zu den Staaten, deren Bürger bei der Einreise besonders strikt überprüft werden. Die FIFA wiederum betont, nicht in Visaentscheidungen involviert zu sein.
Nähe zu Trump? - "Ich bereue nichts!"
Einmal mehr verteidigte Infantino auch seine enge Beziehung zu Donald Trump. Ohne das Engagement und die Einbindung des US-Präsidenten "wäre es meiner Meinung nach schlicht unmöglich gewesen, eine WM in den Vereinigten Staaten zu organisieren", so Infantino.
Er sei "sehr froh" über sein "sehr gutes Verhältnis" zu Trump. Dieser habe sofort die Dimension der WM verstanden, ihre Wirkung und ihren Einfluss. "Sich mit dem Präsidenten und seiner Administration über wichtige Themen austauschen zu können, ohne etwas zu verlangen, sondern einfach zu versuchen zu erklären - ich denke, das ist wahrscheinlich der Schlüssel zu einer positiven Beziehung."
Auf die Frage, ob er es angesichts der politischen Spannungen rund um das Turnier bereue, die WM an die USA als Co-Gastgeber vergeben zu haben, antwortet Infantino: "Ich bereue nichts." Später ergänzt er: "Wir sprechen hier über die größte Macht der Welt, daher gibt es natürlich bestimmte Dinge, die berücksichtigt werden müssen."
Scharfe Kritik am Auftritt
Die Reaktionen auf Infantinos Pressekonferenz fielen entsprechend kritisch aus. Der "Independent" urteilte: "Gianni Infantinos Trumpsches Geschwafel ist ein chaotischer Start in die Weltmeisterschaft." Der Auftritt habe gezeigt, wie eng der FIFA-Präsident rhetorisch an das Umfeld des US-Präsidenten angelehnt sei.
Noch drastischer formulierte es "The Athletic" und schrieb von einer "brisanten Weltmeisterschaft", bei der es womöglich kein Zurück mehr gebe. Für Infantino seien all die Probleme jedoch lediglich "Diskussionspunkte, kleine Hürden".
Aus Mexiko kam ebenfalls Widerspruch. "Obwohl die WM 2026 als teuerste in der Geschichte der Weltmeisterschaften gilt, verteidigte FIFA-Präsident Gianni Infantino die Ticketpreise mit dem Hinweis, es handele sich um 'ein einzigartiges Erlebnis'", schreibt "Mediotiempo".
Die mexikanische Zeitung "Récord" fasste es so zusammen: "Es ist nur noch ein Tag bis zum Beginn der Weltmeisterschaft, doch an keinem der Austragungsorte ist eine allgemeine Euphorie zu spüren."