Explosion in Monaco: Wer ist Wadym Jermolajew?
1. Juli 2026
Am Abend des 29. Juni ereignete sich in einem Wohngebäude in Monaco eine heftige Explosion. Medienberichten zufolge wurde dabei der Geschäftsmann Wadym Jermolajew verletzt. Er stammt aus der Stadt Dnipro in der Ukraine und zählt dort zu den reichsten Geschäftsleuten.
Vorläufigen Ermittlungen zufolge hatte ein unbekannter Mann einen mit einem Sprengsatz und scharfen Metallteilen gefüllten Rucksack in der Lobby des Gebäudes zurückgelassen. Durch die Explosion sollen insgesamt drei Menschen verletzt worden sein - ein Mann und eine Frau im Alter zwischen 50 und 60 Jahren sowie ein 13-jähriger Jugendlicher. Laut dem Nachrichtenportal "nice-matin" verlor die Frau durch die Explosion beide Beine. Jermolajew selbst erlitt laut Medienberichten Verbrennungen und Splitterverletzungen. Später teilte seine Frau gegenüber der Presse mit, dass sie sich während des Vorfalls an einem anderen Ort aufgehalten habe und daher unverletzt geblieben sei.
Laut der französischen Zeitung Le Figaro gehen die Ermittler in Monaco auch einer Spur nach, der zufolge der ukrainische Geheimdienst SBU hinter dem Attentat auf den Geschäftsmann stecken könnte. Monacos Generalstaatsanwalt Stéphane Thibault erklärte am 1. Juli, dass die Ermittlungsbehörden den Vorfall als versuchten Mord einstufen würden. Die Suche nach den Tatverdächtigen dauere an.
Was ist über Jermolajew bekannt?
Wadym Jermolajew ist Gründer der Handels- und Produktionsfirma "Alef" und einer der größten Bauunternehmer der Stadt Dnipro. Jermolajew hat sein Kapital hauptsächlich in die Entwicklung von Gewerbe- und Wohnimmobilien investiert. Zu den Geschäftsfeldern seiner Unternehmensgruppe gehören neben der Immobilienbranche auch Baustoffproduktion, Landwirtschaft, Schweißtechnik, Bergbau und Logistik.
2020 belegte er laut "Forbes Ukraine" Platz 23 der reichsten Unternehmer in der Ukraine. Vor Beginn der umfassenden russischen Invasion belief sich das Vermögen des Geschäftsmanns Schätzungen verschiedener Medien zufolge auf über 200 Millionen US-Dollar.
Jermolajews Geschäfte auf der Krim
Wadym Jermolajew gab 2017 seine ukrainische Staatsbürgerschaft auf und nahm einen zyprischen Pass an. Als Grund dafür nannte er seine Unzufriedenheit mit dem ukrainischen Justiz- und Steuersystem. Am 23. Dezember 2023 verhängte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Grundlage eines Beschlusses des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates persönliche Sanktionen gegen Jermolajew mit einer Laufzeit von zehn Jahren. Insgesamt wurden ihm 16 verschiedene Beschränkungen auferlegt, darunter die Sperrung von Vermögenswerten und die Einschränkung von Finanztransaktionen.
Laut SBU waren Geschäfte Jermolajews auf der besetzten Krim der Grund für die Sanktionen. Der ukrainische Geheimdienst hatte festgestellt, dass mehrere Unternehmen des Geschäftsmanns ihre Aktivitäten auch nach der russischen Besetzung der Halbinsel im Jahr 2014 fortgesetzt haben und sich dafür nach russischem Recht neu registrieren ließen. Durch regelmäßige Steuerzahlungen in Millionenhöhe an Russlands Staatshaushalt hätten sie so finanziell zur russischen Aggression gegen die Ukraine beigetragen.
Zu den sanktionierten Unternehmen Jermolajews gehört "Alef-Vinal-Crimea". Es bündelt die Krim-Aktivitäten eines der größten ukrainischen Alkoholika-Produzenten, der Gruppe "Alef-Vinal", hinter der ebenfalls Jermolajew stehen soll. Er selbst hat die Vorwürfe gegen ihn öffentlich zurückgewiesen und erklärt, er habe nicht im Interesse Russlands gehandelt und halte die verhängten Sanktionen für unbegründet.
Skandale um die Familie Jermolajew
Im August 2022 deckten Journalisten der ukrainischen Internetzeitung "Ukrajinska Prawda" mit ihren Enthüllungen unter dem Titel "Monaco-Battalion" ein ganzes Netzwerk ukrainischer Geschäftsleute, Politiker und Oligarchen auf, die sich während Russlands umfassenden Krieges gegen die Ukraine an der Côte d'Azur niedergelassen hatten - darunter auch Wadym Jermolajew.
Im August 2024 berichtete der Sender Hromadske, ein mit Jermolajew in Verbindung gebrachtes Unternehmen aus Dnipro solle den Granit für den ersten Bauabschnitt des Nationalen Kriegs-Gedenkfriedhofs der Ukraine liefern. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück. Später berichtete Hromadske, Jermolajew habe die Kontrolle über die Firma auf seine Tochter Sofia Kononenko übertragen, um ukrainische Sanktionen zu umgehen.
Im Dezember 2025 wurde Jermolajews Sohn Artur auf Zypern festgenommen und nach Estland ausgeliefert. Im Fall der sogenannten "Milton Group", eines international agierenden Netzwerks für Online-Investmentbetrug, bekannte er sich schuldig, zahlte 8,5 Millionen Euro Entschädigung und erhielt eine fünfjährige Bewährungsstrafe.
Gibt es Motive für ein Attentat?
Auch wenn französische und ukrainische Medien bereits unter Berufung auf Ermittlerkreise verbreiten, dass Jermolajew Ziel des Anschlages war, steht eine offizielle Bestätigung dafür seitens der monegassischen Behörden noch aus. Zu den in der Presse diskutierten Motiven für die Tat gehören mögliche Kontakte von Jermolajew zu früheren Geschäftspartnern in den russisch besetzten Gebieten der Ukraine oder Verbindungen zur russischen organisierten Kriminalität. Möglich wäre aber auch ein Zusammenhang mit dem Strafverfahren gegen seinen Sohn. Keines dieser Motive ist bislang offiziell bestätigt.
Dies ist nicht der erste Aufsehen erregende Anschlag in Europa, in den einflussreiche Personen aus der Ukraine verwickelt sind. So wurde beispielsweise im Mai 2025 Andrij Portnow, ein ehemaliger Politiker und Anwalt mit engen Verbindungen zum Regime des ehemaligen Präsidenten Wiktor Janukowytsch, bei einem Attentat in Spanien getötet.
Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk