Europas Länder machen die Schotten dicht | Aktuell Europa | DW | 12.03.2020
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COVID-19

Europas Länder machen die Schotten dicht

Grenzschließungen, Einreiseverbote, keine Schule und keine Veranstaltungen mehr - im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie schränken immer mehr europäische Staaten das öffentliche Leben drastisch ein.

Eine österreichische Ärztin führt an der Brennerautobahn bei aus Italien kommenden Reisenden Fieberkontrollen durch (Foto: picture-alliance/dpa/M. Balk)

Eine österreichische Ärztin führt an der Brennerautobahn bei aus Italien kommenden Reisenden Fieberkontrollen durch

Tschechien schloss die Grenze für Ankömmlinge aus Deutschland, Österreich, Frankreich und zwölf weiteren "Risiko"-Ländern. Dies teilte Regierungschef Andrej Babis in Prag mit. Tschechische Staatsbürger dürfen demnach nicht "in diese Risikogebiete" einreisen. Angesichts des Coronavirus, das in Tschechien bislang bei 96 Menschen nachgewiesen wurde, rief Babis zudem einen 30-tägigen Notstand aus. Er kündigte auch ein Verbot für Veranstaltungen und Zusammenkünfte mit mehr als 30 Menschen an. Restaurants werden zwischen 20.00 und 6.00 Uhr geschlossen.

Die Slowakei will abgesehen von Polen keine Ausländer mehr ins Land lassen. Der Sprecher des slowakischen Innenministeriums, Peter Lazarov, kündigte in Bratislava zudem die Schließung aller internationaler Flughäfen, Schulen, kulturellen Einrichtungen und Vergnügungsstätten an.

Ein Quarantäne-Zelt im polnischen Swiecko an der Grenze zu Deutschland (Foto: DW/A. Horbacz)

Ein Quarantäne-Zelt im polnischen Swiecko an der Grenze zu Deutschland

Polen meldete sein erstes Todesopfer durch die Coronavirus-Pandemie. In einem Krankenhaus in Posen starb laut Stadtverwaltung eine 57-jährige Lehrerin. Bislang wurden in Polen insgesamt 47 Infektionen gezählt.

In Italien  sind bereits alle nicht aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen notwendigen Reisen untersagt. Schulen, Hochschulen und seit Freitag auch alle Geschäfte bis auf Lebensmittelläden und Apotheken sind geschlossen. Mit mehr als 15.100 bestätigten Infektionen und mehr als 1000 Toten ist Italien das am stärksten von der Pandemie betroffene Land Europas. Aber auch die Lage in anderen Ländern ist zunehmend besorgniserregend.

Auch bei der spanischen Gleichstellungsministerin Irene Montero hat das Coronavirus zugeschlagen (Foto: Getty Images/AFP/P.P. Marcou)

Auch bei der spanischen Gleichstellungsministerin Irene Montero hat das Coronavirus zugeschlagen

In Spanien wurden bisher fast 3000 Infektionen gezählt, fast die Hälfte der betroffenen Menschen leben in der Hauptstadtregion Madrid. Die Zahl der Toten stieg binnen 24 Stunden von 48 auf 84. Auch das Kabinett in Madrid ist direkt betroffen. Bei Gleichstellungsministerin Irene Montero wurde das Coronavirus nachgewiesen, deshalb wurden alle Regierungsmitglieder getestet. Monteros Lebensgefährte, Vize-Regierungschef und Podemos-Chef Pablo Iglesias, sei bereits in Quarantäne, teilte die Regierung mit. Spaniens Rekordmeister Real Madrid wurde ebenfalls unter Quarantäne gestellt. Die Spiele von Spaniens oberster Liga wurden daher bis mindestens Ende März ausgesetzt.

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen beklagte angesichts von mehr als 500 Infektionen, dass der Erreger sich in ihrem Land "viel zu schnell" ausbreite. Kitas, Schulen und Universitäten werden daher ab Montag für zwei Wochen geschlossen, auch Kultureinrichtungen müssen dicht machen.

Eine geschlossene Schule in Vitoria im Baskenland - ein Foto, das die derzeitige Realität in vielen europäischen Ländern abbildet (Foto: picture-alliance/dpa/Euroüpa Press/Garitano)

Eine geschlossene Schule in Vitoria im Baskenland - ein Foto, das die Realität in vielen europäischen Ländern abbildet

Der Regierungschef Leo Varadkar von Irland kündigte an, von Freitag an seien alle Schulen, Hochschulen und Kinderbetreuungseinrichtungen in seinem Land geschlossen. Damit erfülle die Regierung ihre "Pflicht zu schützen".

Litauen will ab Montag all seine Kitas, Schulen und Universitäten schließen und Zusammenkünfte von mehr als hundert Menschen verbieten. Diese Maßnahmen gelten mindestens bis zum 27. März, wie Regierungschef Saulius Skvernelis mitteilte.

Norwegens Regierung verfügte die Schließung von Kitas, Schulen und Hochschulen sowie zahlreicher öffentlicher Einrichtungen und verbat medizinischem Personal Auslandsreisen. Auch den anderen Bürgern wird von Auslandsreisen sowie von der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel abgeraten. Aus dem Ausland einreisende Menschen müssen in Quarantäne.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gab in einer TV-Ansprache bekannt, dass ab Montag "bis auf Weiteres" alle Schulen, Hochschulen und Kitas geschlossen bleiben. Die Coronavirus-Pandemie sei die "schlimmste sanitäre Krise, die Frankreich seit einem Jahrhundert erlebt" habe, sagte der Staatschef. Er rief außerdem alle Menschen über 70 Jahre, Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Atemwegserkrankungen dazu auf, so weit wie möglich in ihren Häusern zu bleiben.
sti/sam (afp, dpa, rtr)