Elf Tote bei Extremisten-Attacke auf Innenministerium in Kabul | Aktuell Welt | DW | 30.05.2018
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Afghanistan

Elf Tote bei Extremisten-Attacke auf Innenministerium in Kabul

Noch hat sich niemand zu der Gewalttat in Afghanistans Hauptstadt bekannt - es dürfte aber auf die Taliban oder den IS hinauslaufen. In diesem Jahr fielen schon fast 300 Menschen der Gewalt der Islamisten zum Opfer.

Bei einem Angriff von Extremisten auf das Innenministerium in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind alle zehn Angreifer und ein Polizist getötet worden. Ein Sprecher des Innenministeriums, Nadschib Danisch, sagte, die Lage sei nun unter Kontrolle. Ein Expertenteam sei noch dabei, Sprengstoffwesten zu entschärfen. Danisch wies Berichte zurück, wonach es die Attentäter auf das Gelände geschafft hätten. Die Gefechte hätten sich allein an einem Tor abgespielt. In dem Ministerium arbeiten Hunderte Menschen.

Der Angriff im Stadtzentrum nahe dem internationalen Flughafen dauerte knapp zwei Stunden. Nach offiziellen Angaben hatten sich zunächst drei der Angreifer in die Luft gesprengt. Die anderen seien später erschossen worden. Außerdem hätten mehrere Polizisten Verletzungen erlitten. Mitarbeiter kamen demnach nicht zu Schaden. Der Sprecher der für den nahegelegenen Flughafen zuständigen Grenzpolizei, Mohammed Adschmal Faisi, sagte, dass der Flugbetrieb während des Angriffs unterbrochen gewesen sei. Sicherheitskräfte hatten Medienberichten zufolge in der Nacht nahe dem Flughafen Waffen sichergestellt. Sie hatten deshalb einen bevorstehenden Angriff auf den Airport vermutet.

Weitere Angriffe in Kandahar und Puli Alam 

Wer hinter dem Angriff auf das Innenministerium steckt, blieb zunächst unklar. Es war der zehnte schwere Anschlag in Kabul in diesem Jahr mit nun insgesamt knapp 300 Toten und knapp 500 Verletzten. Sowohl die radikalislamischen Taliban als auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hatten sich zu den Angriffen bekannt. Erst vergangene Woche hatten die Taliban die Zivilbevölkerung gewarnt, sich nicht in der Nähe von Regierungs- oder Militäreinrichtungen aufzuhalten, weil sie weitere Anschläge planten.

Bei Angriffen der Taliban im südafghanischen Kandahar und in der östlich gelegenen Stadt Puli Alam waren bereits am Morgen mindestens zehn Sicherheitskräfte und Zivilisten getötet worden. In Kandahar explodierte eine Autobombe in einer Werkstatt. Dabei starben drei Mechaniker. In Puli Alam wurden bei einem Selbstmordanschlag auf eine Polizeistation sechs Beamte getötet. Drei weitere Angreifer seien im Anschluss auf das Gelände gestürmt und hätten sich einen Schusswechsel mit den Sicherheitskräften geliefert.

Taliban erobern Bezirk in Provinz Tachar

Die radikalislamischen Kämpfer eroberten unterdessen in der nördlichen Provinz Tachar einen strategisch wichtigen Bezirk. Ein Sprecher des Gouverneurs von Tachar sagte, die Taliban hätten das Zentrum von Dascht-e Kala nach fünfstündigen Gefechten in ihre Gewalt gebracht. Bisher seien mindestens drei Sicherheitskräfte getötet worden. Augenzeugen zufolge hatten die Islamisten alle Regierungsgebäude in ihrer Gewalt gebracht und im Polizeihauptquartier Feuer gelegt. In den Außenbezirken seien weitere Kämpfe im Gange. Der Bezirk Dascht-e Kala ist ein Haupteinfallstor für die Provinzhauptstadt von Tachar, Talokan. Mit der Einnahme des Bezirks seien außerdem Straßen in vier weitere Bezirke versperrt.

Die Taliban greifen seit Monaten immer wieder Bezirkszentren an und weiten so ihr Herrschaftsgebiet langsam aus. Vor zwei Wochen hatten sie sogar kurzzeitig die Provinzhauptstadt von Farah in Westafghanistan eingenommen. Sie kontrollieren heute nach Militärangaben wieder ein Siebtel Afghanistans.

sti/uh (afp, dpa, rtr)

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