Eishockey-WM nicht mehr in Belarus | Sport | DW | 18.01.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Entscheidung zur Eishockey-WM

Eishockey-WM nicht mehr in Belarus

Nach anhaltender Kritik und Druck von Sponsoren und Mitveranstalter Lettland zieht der Eishockey-Weltverband IIHF Konsequenzen. Bei der Eishockey-WM wird es keine Spiele in Minsk, der Hauptstadt von Belarus, geben.

Eishockey Meisterschaften Sponsoren

Eishockey-WM in Bratislava 2019

Der Eishockey-Weltverband IIHF hat Co-Gastgeber Belarus angesichts des großen politischen und wirtschaftlichen Drucks die Weltmeisterschaft in diesem Jahr entzogen. Die Entscheidung des Exekutiv-Komitees der IIHF am Montag bei einer Videokonferenz sei aufgrund "von Sicherheitsbedenken" getroffen worden, teilte der Verband mit.

Die Kritik war angesichts der Machenschaften von Machthaber Alexander Lukaschenko zuletzt immer größer geworden. IIHF-Präsident René Fasel bezeichnete den WM-Entzug als "bedauerlich", aber "unvermeidlich". Deutschlands Verbandspräsident Franz Reindl sagte in einer ersten Reaktion: "Letztlich ist dieser Schritt in einer sehr sensiblen Lage ohne Alternative gewesen."

Zuvor hatten Politiker, Menschenrechts-Organisationen, Sportler und Sportverbände vehement gefordert, Belarus die Eishockey-WM zu entziehen - darunter auch der deutsche Bundesaußenminister Heiko Maas.

Auch WM-Ausrichter Lettland stellte sich gegen seinen Co-Gastgeber. Regierungschef Krisjanis Karins bekräftigte erneut, dass er eine gemeinsame Austragung der Weltmeisterschaft mit Belarus nicht für möglich halte. Für eine mögliche alleinige Ausrichtung in Lettland gebe es allerdings noch mehrere offene Fragen, sagte Karins. Binnen einer Woche soll nun entschieden werden, wo die WM, die vom 21. Mai bis 6. Juni im lettischen Riga und im belarussischen Minsk geplant war, nun stattfinden soll.

Umstrittenes Treffen in Minsk

Dennoch weigerte sich der Eishockey-Weltverband lange, diesen Schritt zu gehen. IIHF-Präsident René Fasel war höchstpersönlich nach Minsk gereist, um sich mit dem belarussischen Präsidenten zu treffen. Dabei zeigten Fernsehbilder des regierungsnahen Telegramsenders Pul Perwogo eine herzliche Umarmung der beiden, die den Schweizer Sportfunktionär in Erklärungsnot brachten.

Fasel ließ über die Homepage des Weltverbandes erklären, er sei mit "spezifischen Anforderungen, die die Regierung erfüllen sollte, damit die Weltmeisterschaft in Minsk stattfinden kann" gekommen. Dazu gehöre das Versprechen, friedliche Lösungen zur Verbesserung der gesellschaftspolitischen Situation im Land zu finden. "Vor allem stimmte die belarussische Regierung einem offenen und konstruktiven Dialog mit der Opposition zu, um die IIHF-Eishockey-Weltmeisterschaft 2021 aus dem politischen Fokus zu räumen und den Sport als Mittel zu nutzen, um Menschen zusammenzubringen."

Falls der Eindruck entstanden sei, dass es sich nur um ein freundliches Treffen handelte, sei dies nicht korrekt. Man habe eine gemeinsame Eishockey-Vergangenheit , daraus sei ein besonderes Verhältnis entstanden, rechtfertigte sich Fasel bei der ARD-Sportschau. Er unterstrich allerdings die Absicht, dass Belarus Co-Gastgeber bleiben sollte und auch Lukaschenko gab sich nach dem Treffen zuversichtlich.

Sponsoren erhöhen den Druck

Doch nach dem Treffen erhöhte auch die Wirtschaft den Druck: Mehrere namhafte Sponsoren wie Hauptsponsor Skoda, Nivea und Liqui Moly kündigten ihren Rückzug an, sollte die WM in Minsk stattfinden - ein gewichtiges Argument, dem der Eishockey-Weltverband nun nachgegeben hat.

Seit der als gefälscht eingestuften Präsidentschaftswahl am 9. August gibt es zudem politische Konsequenzen für Belarus: Die EU erkennt Lukaschenko nicht mehr als Präsidenten an, mehrere Staaten erließen Sanktionen gegen einzelne Funktionäre. Auch wegen der mangelnden Corona-Schutzmaßnahmen steht das Land in der Kritik.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema