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IOC schließt Lukaschenko von Olympia aus

8. Dezember 2020

Alexander Lukaschenko ist vom IOC von allen olympischen Aktivitäten einschließlich der Spiele in Tokio ausgeschlossen worden. Der belarussische Machthaber reagiert mit verbalen Attacken in Richtung IOC-Präsident Bach.

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Belarus Präsident Alexander Lukaschenko
Bild: Sergei Sheleg/BelTA/AP Photo/picture-alliance

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko von allen olympischen Aktivitäten einschließlich der Sommerspiele in Tokio ausgeschlossen. Die Führung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) von Belarus um Lukaschenko habe Athleten nicht ausreichend vor politischer Diskriminierung innerhalb der Sportorganisationen des Landes geschützt, sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Montag in Lausanne. Das IOC stellt vorerst alle finanziellen Zuwendungen für das NOK von Belarus ein. Nur die Zahlungen an die Athleten für die Vorbereitung auf Olympia in Tokio und die Winterspiele 2022 in Peking sollen weiter fließen und direkt an die Sportler gehen.

Streitfall Eishockey-WM 

Seit Beginn der Proteste im Zuge der Präsidentschaftswahl in Belarus im vergangenen August haben sich eine Reihe prominenter Sportler gegen den seit 1994 amtierenden Präsidenten gestellt, darunter auch Schwimmerin Aliaksandra Herasimenia, die die Athletenvereinigung Belarusian Sport Solidarity Foundation (BSSF) gegründet hat und sich im Exil in Litauen befindet. Von dort aus machen sie und ihre Mitstreiter auch gegen die Co.-Ausrichtung der Eishockey-WM 2021 in ihrem Land mobil und verlangen vom Eishockey-Weltverband IIHF, Belarus und Lukaschenko das Turnier zu entziehen. 

Olypmische Sommerspiele 2016  Aliaksandra Herasimenia Belarus
Aliaksandra Herasimenia führt die Lukaschenko-Gegnerschaft im Sport anBild: Alexander Vilf/dpa/picture alliance

Der Chef des belarussischen Eishockey-Verbands und Lukaschenko-Vertraute Dmitry Baskov wird sogar beschuldigt, am gewaltsamen Tod eines Demonstranten beteiligt zu sein. Baskov selbst schweigt zu den schwere Vorwürfen bislang. Die IIHF hatte zuletzt ein Verfahren gegen ihn eingeleitet und wird voraussichtlich im Januar über das weitere Vorgehen bezüglich der WM, die Belarus gemeinsam mit Lettland austragen soll, entscheiden. Ein für Dienstag geplantes Treffen von Lukaschenko und dem IIHF-Vorsitzenden Rene Fasel musste indes kurzfristig abgesagt werden. Der Schweizer wurde positiv auf Corona getestet und musste seine Reise nach Minsk absagen, wie er in einem Statement bekannt gab. Dabei betonte Fasel, dass die IIHF weiter an ihren viel kritisierten Plänen festhalten wolle, die WM 2021 in Lettland und Belarus auszutragen.

"Bach und seine Bande"

Lukaschenko, der das belarussische NOK seit 23 Jahren führt, hat auf den Ausschluss durch das IOC mit scharfen Worten reagiert und fordert, "die Sache vor Gericht" zu klären: "Sollen doch Bach und seine Bande erzählen, worin meine Schuld liegt", sagte der belarussische Präsident der staatlichen Nachrichtenagentur "Belta" zur Suspendierung, von der auch sein Sohn Viktor und NOK-Vizepräsident, betroffen ist.

IOC-Präsident Thomas Bach
Zielscheibe Lukaschenkos: IOC-Präsident Thomas BachBild: picture-alliance/dpa/KEYSTONE/J.C. Bott

"Ich habe seit 25 Jahren nicht mehr an diesen Veranstaltungen teilgenommen und werde das überleben", meinte Lukaschenko, der die Rechtmäßigkeit des Beschlusses anzweifelt: "Haben sie alle Länder befragt?" Kein Verständnis hatte er dafür, dass auch sein Sohn Viktor suspendiert wurde. "Okay, ich werde es überleben, aber warum bestrafen sie Kinder?", fragte der 66-Jährige.

Hörmann begrüßt Entscheidung

"Das ist eine klare und begrüßenswerte Entscheidung", sagte Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) dem SID. Die Sportler hätten "mutig" gegen die Verhältnisse im eigenen NOK protestiert. Lukaschenko habe eine rote Linie überschritten und Athletenrechte mit Füßen getreten.

Belarus steckt seit der Präsidentenwahl am 9. August in einer schweren innenpolitischen Krise. Der 66-jährige Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Die EU erkennt ihn nicht mehr als Präsidenten an. Die Opposition sieht die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja als Gewinnerin. Die Demokratiebewegung fordert seit Wochen Lukaschenkos Rücktritt, ein Ende der Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten, die Freilassung aller politischen Gefangenen und Neuwahlen.

dvo/to (dpa, SID)