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PolitikUkraine

Drohnenabwehr im Iran-Krieg: Was kann die Ukraine anbieten?

18. März 2026

Angesichts des Iran-Kriegs wächst weltweit das Interesse an der Expertise der Ukraine bei der Abwehr von Drohnen. Wie kann diese genutzt werden und welche Chancen bietet das der Ukraine?

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Ein maskierter Mann hält bei einer Vorführung eine ukrainischen Abfangdrohne in der Hand
Die Ukraine verfügt über einzigartige Erfahrung in der DrohnenabwehrBild: Efrem Lukatsky/AP Photo/picture alliance

Die Kämpfe im Nahen Osten zeigen, dass viele Länder auf die neue Art von Krieg mit dem massiven Einsatz von Drohnen nicht vorbereitet sind. Versuche, iranische Drohnen in den Golfstaaten mit teuren Raketen westlicher Flugabwehrsysteme abzuschießen, haben wenig Erfolg. Die Ukraine hat in vier Jahren Krieg jedoch gelernt, iranische und russische Drohnen mit deutlich kostengünstigeren Lösungen zu bekämpfen. Daher wächst das Interesse an ukrainischen Abfangdrohnen und an Erfahrungen bei der Drohnenabwehr.

"Jedem ist klar, dass heute nur ukrainische Erfahrung wirklich helfen kann, massive Angriffe mit Shahed-Drohnen abzufangen. Und ich denke, jeder hat erkannt, dass ohne unser Militär, unsere Piloten, ohne unsere Software und unser Radarsystem - ohne all das die Abfangdrohnen einfach nicht funktionieren", sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem WhatsApp-Gespräch mit Journalisten.

Know-how als verderbliche Ware

Die aktuelle Nachfrage nach ukrainischen Technologien und Erfahrungen werde aber nicht lange anhalten, meint Dmytro Sledjuk von der ukrainischen Dronarium Academy. "In der Anfangsphase kann und ist die Ukraine bereit, Abfangdrohnen zu liefern. Wahrscheinlich werden diese aber von Partnern schnell kopiert und in größeren Mengen produziert, da die von der Ukraine verwendeten Technologien nicht besonders komplex oder einzigartig sind. Es sind stark modifizierte FPV-Drohnen", so Sledjuk gegenüber der DW. Daher seien gerade die ukrainischen Erfahrungen heute eine "wertvolle Ware".

Ihm zufolge sollte der Staat bürokratische Hürden abbauen, damit die Nachfrage nach ukrainischen Entwicklungen und Erfahrungen jetzt genutzt werden könnten. "Wir müssen den Zugang zu diesem Markt für unsere Unternehmen vereinfachen. Private Unternehmen und Militärs können nicht einfach in den Nahen Osten reisen und dort loslegen. Es sind schnelle Entscheidungen der Regierung nötig. Wenn sich das Ganze über ein Jahr hinzieht, wird das Interesse verloren gehen", warnt Sledjuk.

Ukrainische Militärs in Uniformen tauschen bei einer Übung Erfahrungen mit NATO-Partnern aus
Ukrainische Militärs tauschen bei einer Übung Erfahrungen mit NATO-Partnern ausBild: NATO

Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete jüngst in sozialen Medien, die Ukraine habe elf Anfragen von Irans Nachbarländern, europäischen Staaten und den USA zum Kampf gegen iranische Drohnen erhalten. Auf einige davon habe Kyjiw bereits mit "konkreten Beschlüssen und konkreter Unterstützung" geantwortet. Selenskyj erklärte, der Nationale Sicherheits- und Verteidigungsrat entscheide gemeinsam mit dem Generalstab und den Streitkräften, auf welche Anfragen die Ukraine positiv reagieren könne, um ihre Verteidigungsfähigkeit nicht zu schwächen. In einem Interview mit der New York Times sagte Selenskyj außerdem, Kyjiw habe schon ein Expertenteam und Abfangdrohnen zum Schutz von US-Militärbasen in Jordanien vor iranischen Kampfdrohnen entsandt.

Was die Ukraine bietet und was sie braucht

Dmytro Sledjuk von der Dronarium Academy weist darauf hin, dass die Ausbildung eines Piloten für die Drohnenabwehr etwa fünf Monate dauert. Sie umfasse theoretisches Wissen und umfangreiches motorisches Training. So müsse der Pilot eine schnelle Drohne manuell auf ein sich schnell bewegendes Ziel lenken können. "Es ist unmöglich, dies in ein oder zwei Wochen oder gar einem Monat zu vermitteln. Die Ukraine kann fertig ausgebildete Spezialisten und Schulungen zu der bestehenden Technologie anbieten, um vor Ort massenweise Piloten auszubilden. Unsere Expertise wächst während des Krieges mit Russland stetig, sodass unsere Ausbilder immer einen Schritt voraus sein werden", erläutert Sledjuk.

Marta Buchtijarowa vom Fachbereich Verteidigung an der Wirtschaftshochschule Kyjiw sagt, dass die Partner der Ukraine bislang zwar alle Innovationen der ukrainischen Armee begrüßt hätten, aber nicht wüssten, wie sie anzuwenden seien und welchen Nutzen sie ihnen bringen könnten. "Die aktuelle Situation mit dem Iran könnte der erste Schritt zu einem breiteren Verständnis dafür sein, wie die Kampferfahrung der Ukraine in die Militärdoktrinen anderer Länder integriert werden kann", sagt Buchtijarowa im DW-Gespräch.

Selenskyj hat wiederholt erklärt, dass die Ukraine bereit ist, ihre im Kampf erprobten Erfahrungen und Technologien zu teilen. Dafür erwarte sie eine Stärkung der ukrainischen Flugabwehr, vor allem mit Patriot-Raketen und der dazugehörigen Systeme, sowie diplomatische Unterstützung beim Druck auf Russland.

Eine ukrainische Drohne vom Typ "Ljutyj"
Eine ukrainische Drohne vom Typ "Ljutyj"Bild: Evgeniy Maloletka/AP Photo/picture alliance

Kyjiw will unter anderem ein Drohnen-Abkommen mit Washington schließen. "Vor einem Jahr haben wir den USA einen Drone-Deal angeboten, der unter anderem Abfangdrohnen umfasst. Im Prinzip geht es um unsere Erfahrung und unsere Produktionskapazitäten in einem Umfang, den wir derzeit nicht ausschöpfen", erklärte Selenskyj gegenüber Reportern. "Wir haben dieses Angebot daher primär den Amerikanern, unseren Partnern, unterbreitet. Dass der Nahe Osten heute bei uns anfragt, ist Teil dieses Drone-Deals. Deshalb ist der Drone-Deal für die USA absolut aktuell"

US-Präsident Donald Trump sagte jedoch in einem Interview mit Fox News Radio, die USA würden keine Unterstützung bei der Drohnenabwehr gegen den Iran benötigen.

Ukrainische Drohnen-Exporte möglich?

Anfang Februar kündigte Selenskyj auf seinem Telegram-Kanal an, die Ukraine öffne sich für den Export von Waffen. 2026 werde es zehn ukrainische Export-Vertretungen in Europa geben - im Baltikum und Nordeuropa. Noch ist der Export von Drohnen, wie Hersteller beklagen, fast unmöglich. Der Export von Rüstungsgütern war nach Beginn von Russlands umfassender Invasion faktisch gestoppt worden. Die Behörden verhandeln aktuell mit den Produzenten über ein für alle Seiten akzeptables Exportmodell.

"Drohnen-Exporte sichern Stabilität und das Überleben einzelner Unternehmen. Während des umfassenden Krieges hat sich die Zahl der Drohnenhersteller vervielfacht. Gleichzeitig hat das, was der Staat ihnen abkauft, längst sein Maximum erreicht", so Marta Buchtijarowa von der Wirtschaftshochschule Kyjiw. Sie betont, dass den Unternehmen, wenn der Staat von ihnen nichts mehr bezieht, ein Produktionstopp droht. Daher sei die Freigabe der Exporte von entscheidender Bedeutung für die Landesverteidigung.

Jewhen Motolyschenko vom Unternehmen Athlon Avia, das sich auf Drohnen spezialisiert, betont, dass Exporte es den Unternehmen ermöglichen würden, ihre Produktion auszuweiten. Davon würde auch der ukrainische Staat profitieren. "Wir produzieren, exportieren, erwirtschaften dort Gewinne und kehren mit neuem Kapital und neuen Technologien in die Ukraine zurück", erläutert er gegenüber der DW. Dies erfordere jedoch eine berechenbare und klare Exportpolitik. Ihm zufolge könnten auch gemeinsame Produktionsstätten mit internationalen Partnern geschaffen werden.

Entsprechende Projekte würden, so Motolyschenko, die Entwicklung ukrainischer Technologien beschleunigen. Sie würden Investitionen anziehen und den Zugang zu internationalen Förderprogrammen ermöglichen. "Dies kann nicht nur zur Entwicklung der ukrainischen Verteidigungsindustrie beitragen, sondern auch die Sicherheit unserer Verbündeten stärken", betont er.

Marta Buchtijarowa weist noch auf einen wichtigen Punkt hin. Eine Produktion im Ausland ermöglicht es den Unternehmen, Risiken durch russische Raketenangriffe zu vermeiden.

Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk