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KonflikteUkraine

Russische Drohnen zielen auf ukrainische Züge

10. März 2026

Russland nimmt bei seinen Drohnenangriffen in der Ukraine zunehmend auch die Eisenbahn und deren Logistik ins Visier. Wie lassen sich Menschen und Infrastruktur besser schützen?

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Zerstörte Züge nach russischem Beschuss des Bahnhofs der Stadt Fastiw im Dezember 2025
Zerstörte Züge nach russischem Beschuss des Bahnhofs der Stadt Fastiw im Dezember 2025Bild: Danylo Antoniuk/Ukrinform/abaca/picture alliance

Neben den Attacken auf die Energieinfrastruktur der Ukraine hat Russland in letzter Zeit auch seine Angriffe auf die ukrainische Eisenbahn verstärkt. So griff beispielsweise am 8. März eine russische Drohne zwischen den Städten Kyjiw und Sumy einen Zug mit 200 Fahrgästen an. Die Drohne traf die Lokomotive; zwar wurde niemand verletzt, doch musste schnell eine Ersatzlok beschafft werden, um die Fahrt fortzusetzen.

Laut der ukrainischen Eisenbahngesellschaft Ukrsalisnyzja sind seit Anfang März verstärkt Lokomotiven, Güterwagen und spezielle Geräte zur Instandsetzung der Infrastruktur von russischen Angriffen betroffen. Darüber hinaus attackiert Russland zunehmend auch Brücken und Bahndepots.

Hauptziel sind teure Lokomotiven

Die russischen Angriffe auf ukrainische Züge seien keine Einzelfälle, sondern gezielte Attacken auf Logistik, Exporte und militärische Versorgung, sagt der Militärexperte und Gründer der Wohltätigkeitsorganisation "Reactive Post", Pawlo Naroschnyj, gegenüber der DW. Ihm zufolge gelten die Angriffe vor allem den Lokomotiven; Attacken auf diese sollen die Wirtschaft lahmlegen und den Transport der ukrainischen Streitkräfte erheblich erschweren.

Ein zerstörter Personenzug nach einem russischen Angriff in der Nähe von Krywyj Rih im März 2026
Ein zerstörter Personenzug nach einem russischen Angriff in der Nähe von Krywyj Rih im März 2026Bild: Oleksii Kuleba/Telegram

"Krieg verbraucht Unmengen an Treibstoff, Munition und Ausrüstung. All das muss transportiert werden. Das geht zwar auch auf der Straße, ist aber sehr teuer und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Deshalb wird ein Großteil der Militärgüter per Bahn transportiert", erläutert Naroschnyj. Russische Drohnenpiloten würden bestimmte Bahnstrecken observieren, warten, bis ein Zug erscheint, und dann insbesondere versuchen, die Lokomotive zu treffen. Diese sei der teuerste Teil eines Zuges, zudem seien Lokomotiven knapp. Auch Personenzüge würden beschossen. "Sie greifen jeden Zug an. Wenn sie einen finden, greifen sie ihn an", so Naroschnyj.

Russen nutzen Mesh-Netzwerk für Angriffe

Laut Experten sind die Bahnstrecken entlang der ukrainischen Grenze zu Russland und Belarus, im Osten und Süden der Ukraine nahe der besetzten Gebiete sowie in Richtung Krim und Odessa besonders gefährdet. Dort kann die russische Armee Drohnen über Mesh-Netzwerke starten und steuern.

"Ein auf Shahed-Drohnen installiertes Mesh-Netzwerk besteht aus Funkmodems, die nicht nur Signale empfangen und senden, sondern auch als Repeater und Signalverstärker fungieren. Dadurch sind alle Shahed-Drohnen in der Luft per Funk miteinander verbunden. Selbst wenn man mehrere von ihnen abschießt, bleibt die Verbindung bestehen. Die Signale werden einfach über andere Shahed-Drohnen weitergeleitet", erklärt Serhij Beskrestnow, Berater für Drohnen und elektronische Kriegsführung beim Verteidigungsministerium in Kyjiw.

Zwei Ingenieure inspizieren und fotografieren einen von russischen Drohnen getroffenen Schnellzug in Kyjiw im August 2025
Ingenieure inspizieren einen von russischen Drohnen getroffenen Schnellzug in Kyjiw im August 2025Bild: Valentyn Ogirenko/REUTERS

Ihm zufolge werden diese Mesh-Netzwerke über Funksignale leistungsstarker Antennen gesteuert, die die Russen entlang der Grenze und in den besetzten Gebieten platzieren. Beskrestnow berichtet, dass ein solches Netzwerk kürzlich in Belarus "neutralisiert" worden sein soll. "Eine dieser Antennen reichte bis nach Kyjiw, und Aufklärungsdrohnen, die über der Stadt flogen, nutzten ihn zur Datenübertragung. Ein anderer Punkt ermöglichte Drohnenangriffe auf den Westen der Ukraine, insbesondere auf die Bahnstrecke Kyjiw - Kowel", so Beskrestnow auf Facebook.

Was kann man gegen die russischen Angriffe tun?

"Wir brauchen mehr Mittel für die Luftabwehr, also Lieferungen von Partnern und den tatsächlichen Aufbau einer 'kleinen' Luftverteidigung", sagt Iwan Kyrytschewskyj, Experte des ukrainischen Portals Defence Express, im DW-Gespräch. Gemeint sind schnelle, mobile Gruppen mit tragbaren Luftabwehrgeschützen - das sei, was wirklich funktioniere.

Gleichzeitig würden in den Grenz- und Frontgebieten schon seit Längerem besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen. "In den Regionen Tschernihiw und Sumy, auf der Strecke Cherson - Mykolajiw, werden die Lokomotiven mit Panzerplatten, sogenannten 'Grills', verkleidet und mit Drohnennetzen versehen. Manchmal werden auch zwischen der Lokomotive und den Personenwaggons Containerwaggons platziert, damit im Falle einer Explosion der Hauptteil des Zuges nicht beschädigt wird", erklärt Kyrytschewskyj.

Gleichzeitig stimmen Militärexperten darin überein, dass es für den Personenverkehr in der Ukraine keine signifikant gestiegene Bedrohungslage gibt. Die Eisenbahngesellschaft selbst erklärt, dass ihre Mitarbeiter gemeinsam mit dem Militär den Luftraum über den Bahnstrecken überwachen. Wird eine Gefahr festgestellt, ändern die Bahnmitarbeiter die Fahrtstrecke, evakuieren die Passagiere umgehend aus den Waggons und ergreifen weitere Sicherheitsmaßnahmen.

Pawlo Naroschnyi ist dennoch der Ansicht, dass die elektronische Kampfführung entlang der Hauptstrecken der Eisenbahn ausgeweitet werden muss. "Einerseits könnte man jeden Zug mit Drohnenabwehrgeräten ausstatten, andererseits strategische Anlagen wie Kraftwerke, Gas- und Stromanlagen damit abdecken. Technisch ist das alles machbar. Die Frage ist, wie viel Geld benötigt wird, um die gesamte Eisenbahninfrastruktur abzusichern", so Naroschnyi.

Adaption aus dem Ukrainischen: Markian Ostaptschuk

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