Drei Todesurteile wegen Mordes an Touristinnen in Marokko | Aktuell Afrika | DW | 18.07.2019
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Kriminalität

Drei Todesurteile wegen Mordes an Touristinnen in Marokko

Vor gut einem halben Jahr hatte der grausame Mord an zwei skandinavischen Touristinnen in Marokko für Entsetzen gesorgt. Nun hat ein Gericht in Salé drei Hauptangeklagte zum Tode verurteilt.

Marokko Sale Urteil im Prozess um Ermordung skandinavischer Touristinnen (picture-alliance/AP Photo/M. Elshamy)

Sicherheitskräfte bewachen den Gerichtssaal in Salé

Im Prozess um die Ermordung einer jungen dänischen Studentin und ihrer norwegischen Freundin im Atlasgebirge hat das für Terrorfälle zuständige Gericht in der marokkanischen Stadt Salé harte Urteile gefällt. Gegen drei Männer im Alter zwischen 25 und 30 Jahren ergingen Todesstrafen. Die drei Hauptverdächtigen hatten den Doppelmord im Dezember gestanden.

"Es gibt keinen Gott neben Gott", sagte der Hauptverdächtige Abdessamad Ejjoud, der in traditioneller salafistischer Kleidung vor Gericht erschien, während der letzten Anhörung. "Lass ihn mir vergeben", fügte er an. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im Dezember die Todesstrafe für Ejjoud und seine beiden Komplizen, den 33-jährigen Rachid Afatti und den 27-jährigen Younes Ouaziyad, gefordert. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass Ejjoud der Anführer des für die Morde verantwortlichen Dschihadistennetzwerks war.

Marokko zwei Touristinnen wurden im Dorf Imlil tot aufgefunden (Getty Images/AFP/KECH24 Moroccan News Channel)

Sicherheitskräfte bergen die Leichen der Frauen bei dem Dorf Imlil

Mutter verlangt Vergeltung

Auch Helle Petersen, die Mutter des dänischen Mordopfers, hatte die Todesstrafe gegen die Täter gefordert. "Am gerechtesten wäre es, gegen diese Bestien die Todesstrafe zu verhängen, die sie verdienen", hatte die Dänin vergangene Woche in einem von ihrem Anwalt vor Gericht verlesenen Brief erklärt. Der Anwalt der dänischen Opferfamilie, Khaled El Fataoui, sagte der Nachrichtenagentur AFP vor der Urteilsverkündung: "Wir erwarten Strafen, die der Grausamkeit der Tat entsprechen."

Die 24-jährige dänische Studentin Luisa Vesterager Jespersen und ihre vier Jahre ältere norwegische Freundin Maren Ueland waren im Dezember beim Zelten im Nationalpark Toubkal unweit von Marrakesch im Atlas-Gebirge brutal ermordet worden. Nach Angaben der Polizei wurden die Rucksacktouristinnen in ihrem Zelt überfallen und geköpft.  In einem nach dem Mord verbreiteten Video hatten die mutmaßlichen Täter dem Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), Abu Bakr al-Bagdadi, die Treue geschworen. Ein weiteres Video zeigte die Enthauptung eines der beiden Opfer. Der Fall hatte in ganz Marokko für Entsetzen gesorgt.

Marokko Rabat Mahnwachen nach Mord an Studentinnen (picture-alliance/AP Photo/M. Elshamy)

Bei einer Mahnwache in Rabat gedachten am 22. Dezember viele Marokkaner der Mordopfer

24 radikalislamische Angeklagte

Angeklagt waren insgesamt 24 Verdächtige aus der radikalislamischen Szene. Ihnen wurde vorsätzlicher Mord, illegaler Waffenbesitz und die Gründung einer Terrorgruppe vorgeworfen. Alle außer den drei Hauptangeklagten hatten sich während des Prozesses als IS-Anhänger bezeichnet. Für sie forderte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen von mindestens 15 Jahren.

Für Abderrahim Khayali plädierte sie auf lebenslange Haft. Der 33-jährige Klempner hatte die drei Hauptverdächtigen begleitet, den Tatort aber kurz vor den Morden verlassen. Für den Angeklagten Kevin Zoller Guervos forderten die Staatsanwälte 20 Jahre Haft. Zoller Guervos hat die spanische und die schweizerische Staatsangehörigkeit inne und ist zum Islam konvertiert. Er soll den Haupttätern beigebracht haben, wie sie verschlüsselte Nachrichten verschicken und Waffen benutzen.

Der Mord hatte in Marokko zu einem öffentlichen Aufschrei geführt, viele Marokkaner hielten Mahnwachen für die Opfer ab. Die Todesstrafe wird in Marokko zwar verhängt, in der Regel aber nicht vollzogen. Nach Auffassung der Ermittler waren die Verdächtigen von der IS-Ideologie inspiriert, hatten aber keinen Kontakt zu den Dschihadisten in Syrien oder dem Irak. Der IS selbst reklamierte die Tat nie für sich.

kle/sti (dpa, afp)

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