Donald Trump ätzt gegen Greta Thunberg | Aktuell Welt | DW | 12.12.2019
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Polemik

Donald Trump ätzt gegen Greta Thunberg

"Chill, Greta, chill!" – nach der Ernennung Greta Thunbergs zur Person des Jahres durch das "Time Magazine" rät US-Präsident Trump der Aktivistin, an ihrer "Aggressionsbewältigung zu arbeiten". Die reagierte umgehend.

Greta Thunberg und Donald Trump (l.) bei einer zufälligen Begegnung im September bei den UN

Greta Thunberg und Donald Trump (l.) bei einer zufälligen Begegnung im September bei den UN

Donald Trump hat ein besonderes Verhältnis zu Greta Thunberg. Der US-Präsident, für den der Kampf gegen die Klimakrise nicht gerade oberste Priorität hat, gilt nicht als Fan der jungen Klimaaktivistin aus Schweden.

Dass die 16-Jährige vom "Time Magazine" zur Person des Jahres gekürt wurde, scheint Trump besonders zu missfallen. "So lächerlich", schrieb er auf Twitter als Reaktion auf den Titel. Giftig schob er nach: "Greta muss an ihrem Problem mit Aggressionsbewältigung arbeiten und dann mit einem Freund einen guten alten Film anschauen! Entspann dich, Greta, entspann dich!"

Thunberg reagierte umgehend und änderte ihre Selbstbeschreibung bei Twitter. "Ein Teenager, der an seinem Problem mit Aggressionsbewältigung arbeitet. Gerade entspanne ich mich und schaue mir mit einem Freund einen guten alten Film an", schrieb sie als biografische Angabe auf ihrem Twitter-Profil.

Bereits Ende September hatte Trump Thunberg öffentlich verhöhnt - rund um die UN-Generalversammlung, bei der die junge Schwedin eindringlich ein Nichtstun der Mächtigen mit Blick auf die Klimakrise angeprangert hatte. "Sie wirkt wie ein sehr glückliches junges Mädchen, das sich auf eine strahlende und wunderbare Zukunft freut. So schön zu sehen!", spottete Trump damals auf Twitter. Auch auf jenen Seitenhieb reagierte Thunberg damit, dass sie ihre Selbstbeschreibung bei Twitter entsprechend änderte.

Thunberg war am Mittwoch als jüngste Persönlichkeit überhaupt zur Person des Jahres gekürt worden. "Greta Thunberg ist die überzeugendste Stimme zur wichtigsten Angelegenheit unseres Planeten geworden", erklärte das "Time Magazine".

Was mit einem empörten Teenager und einem plötzlichen Ausbruch der Rebellion begonnen habe, sei zu einem der unwahrscheinlichsten und schnellsten Aufstiege zu globalem Einfluss der Weltgeschichte geworden, schrieb das US-Magazin. Thunberg, die einst einsam vor dem Parlament in Stockholm protestiert habe, sei innerhalb von etwas mehr als einem Jahr zur Anführerin einer weltweiten Jugendbewegung geworden.

2016 war Donald Trump ausgezeichnet worden

2016 war Donald Trump ausgezeichnet worden

Die "Time"-Redaktion würdigt mit dem Titel seit 1927 die Persönlichkeiten des Weltgeschehens, die das vergangene Jahr am stärksten geprägt haben. Auch US-Präsident Trump war schon Person des Jahres – im Jahr 2016, nachdem er kurz zuvor die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hatte.

Sein Wahlkampfteam war nun der Meinung, dass dies auch in diesem Jahr angemessen gewesen wäre. Der "Trump War Room" veröffentlichte am Mittwoch als Reaktion auf den "Time"-Titel für Thunberg per Tweet ein bearbeitetes Cover des Magazins: Auf Thunbergs Körper im rosa Kapuzenpulli ist da Trumps Kopf montiert - dazu die Überschrift "Person des Jahres". Mit Blick auf gehaltene Versprechen habe nur einer diesen Titel verdient, schrieben die Trump-Wahlkämpfer dazu in ihrem Tweet.

Die Verewigung auf "Time"-Titelseiten scheint dem US-Präsidenten wichtig zu sein. Im Sommer 2017 fiel einem Reporter auf, dass Trump in seinen Golfclubs gefälschte Cover hatte aufhängen lassen, die dessen Konterfei zeigte. Das Nachrichtenmagazin verlangte vor rund anderthalb Jahren von der Trump Organization, dass das unechte Cover abgehängt wird. 

Die Schlagzeile des gefälschten Titelblatts mit dem Datum 1. März 2009 zelebrierte Trumps Erfolg als TV-Star. "The Apprentice ist ein Fernseh-Riesenerfolg!" hieß es über die Reality-Serie. Dazu war ein Foto des Immobilienmoguls mit verschränkten Armen zu sehen. 

In einer anderen Zeile am oberen Rand des Covers hieß es: "Trump schlägt an allen Fronten ein ... sogar im TV!". Das tatsächliche "Time"-Cover derselben Woche war der Schauspielerin Kate Winslet gewidmet.  Der Wirbel um die gefälschte Titelseite war für den Präsidenten umso peinlicher, da er selber viele Medien ständig der Verbreitung von "Fake News" - also von Falschnachrichten - bezichtigt.

stu/se (dpa, afp)

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