Die Krise der Filmbranche - der Boom des Streaming | Kultur | DW | 25.03.2020
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Kultur

Die Krise der Filmbranche - der Boom des Streaming

Auch die Film- und Kinobranche hat das Coronavirus weltweit fest im Griff. Von Milliardenverlusten ist die Rede. Gewinner der Krise sind die Streaming-Plattformen. Doch auch ihnen droht Gefahr.

Hollywood schlägt Alarm, es drohen Milliardenverluste. Doch die gigantischen Einnahmeausfälle der großen Studios an der amerikanischen Westküste sind nur ein Teil der durch Corona hervorgerufenen Krise in der Branche. Weltweit werden Filmstarts verschoben, Festivals abgesagt und Dreharbeiten unterbrochen. Die Kinos in vielen Ländern sind seit Tagen geschlossen.

Am härtesten trifft es wohl kleine Kinobetreiber, Filmverleiher, Produzenten, freischaffende Kreative: Viele von ihnen sind in ihrer beruflichen Existenz bedroht - wirtschaften die kleinen Kinobesitzer und die vielen freiberuflichen Filmschaffenden doch meist ohne den finanziellen Fallschirm der weltweit agierenden Kino-Player aus Hollywood.

Zahlreiche Filmstarts wie James Bond werden verschoben

Doch bleiben wir zunächst eben dort: Anfang März kündigten die James-Bond-Produzenten an, das 25. Abenteuer der populären Agenten-Reihe "Keine Zeit zu sterben" auf den November zu verschieben. Andere bereits abgedrehte Hollywood-Großproduktionen folgten dem Beispiel: Disney zog das große Fantasy-Drama "Mulan" zurück, Sony den Real-/Animationsfilm "Peter Hase 2". Und das sind nur drei Filme, deren Millioneneinnahmen fest eingeplant waren. Hollywood rechnet für dieses Jahr schon mit einem Verlust von 20 Milliarden Dollar.

Bildergalerie Persönlichkeiten 2020 | Daniel Craig (Imago Images/Zuma Press/MGM)

Daniel Craig und Co. warten nun auf den Start den neuen James-Bond-Abenteuers Ende des Jahres

Ähnlich sieht es in Europa aus: Die Starts zahlreicher potenzieller Arthaus-Hits, die teils noch in den letzten Wochen Premiere bei Festivals feierten, wurden entweder auf später terminiert oder vorläufig zurückgezogen. Ein Beispiel: Der bei der Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnete Film "Undine" von Deutschlands Star-Regisseur Christian Petzold sollte demnächst in mehreren europäischen Ländern anlaufen, das neue Start-Datum liegt im Juni.

Hoffnungsvolle Kinostarts wie "Die Känguru-Chroniken" wurden jäh unterbrochen

Härter noch trifft es Filme, die kurz vor der Corona-Krise in die Kinos kamen und nach ein paar Tagen wieder aus ihnen verschwanden. Es ist fraglich, ob die Verleiher ein zweites Mal in Werbung und Marketing investieren. Dafür dürfte die Fülle der Neustarts nach einem Ende der Krise zu groß sein. Einige wenige Anbieter versuchen derzeit, eine Online-Verwertung für diese Filme zu finden.

Cover von Marc-Uwe Kling Känguru-Chroniken

War nur sehr kurz in den Kinos: die Verfilmung der kultigen Känguru-Chroniken

Wo sonst sollten diese Filme auch laufen? Wie andere Kultureinrichtungen machten auch die Kinos Anfang März dicht. Für viele, vor allem kleinere Kinobetriebe, kann das in die wirtschaftliche Katastrophe führen. Ihr finanzielles Polster dürfte bei einer lang andauernden Schließung der Lichtspielhäuser schnell aufgebraucht sein.

Wie viele andere Festivals wurden auch Cannes vom Spielplan gestrichen

Auch die zahlreichen Filmfestivals des Frühjahrs wurden nach und nach abgesagt. Das weltweit wichtigste, die Internationalen Filmfestspiele in Cannes, die eigentlich am 12. Mai starten sollten, wurden abgesagt. Neuer Termin: offen. Auch das New Yorker Festival "Tribeca" wurde verschoben. In Deutschland traf es beispielsweise die renommierten Kurzfilmtage in Oberhausen und das Frauenfilmfest Dortmund/Köln. Nachgeholt werden können kleinere Festivals aus organisatorischen und finanziellen oft nicht. Oberhausen arbeitet derzeit an einem Online-Ersatz.

Filmfestival Cannes Eröffnung Araya A. Hargate (Reuters/R. Duvignau)

Bilder wie diese wird es 2020 aus Cannes vorerst nicht geben

Drehunterbrechungen und Absagen

Betroffen von der Corona-Krise sind die Dreharbeiten zahlreicher Fernseh- und Filmprojekte rund um den Globus, weil dabei viele Menschen eng und intensiv zusammenarbeiten müssen. Bei einer Anzahl von mehr als 1000 unterbrochenen Fernsehproduktionen allein in Europa dürfte der Schaden immens sein. Auch große Hollywood-Produktionen wie "Avatar 2", "Matrix 4", "The Batman", "Jurassic World: Dominion" oder "The Last Duel" wurden gestoppt.

Ein Hoffnungsschimmer: Manche Dreharbeiten, wie die des Hollywood-Blockbusters "Mission: Impossible 7", wurden mittlerweile schon wieder aufgenommen. Allerdings wurden die Drehorte von Italien nach Großbritannien verlagert.

Die große Stunde der Streaming-Plattformen

Premieren verschoben, Festivals abgesagt, Dreharbeiten unterbrochen - was bleibt den Filmfans weltweit? Es schlägt die große Stunde der Streaming-Anbieter. Wenn die Menschen nicht mehr ins Kino gehen können und zu Hause bleiben, registrieren Filme und Serien bei "Netflix", "Amazon Prime" und dem seit Kurzem in Deutschland angebotenen "Disney+" große Abrufzahlen. Davon profitieren auch kleinere Nischenanbieter wie "Mubi" oder "alleskino.de".

Doch schon folgt die nächste schlechte Nachricht: Wenn alle Welt plötzlich millionenfach Filme und Serien streamt, überschreitet das die Netzkapazität. Manche Anbieter versuchen schon, das durch eine verminderte Übertragungsqualität auszugleichen.

Symbolbild Videostreaming (picture-alliance/dpa/A. Warnecke)

Der Griff zur Fernbedienung als Alternative zum Kino

Einige Film-Studios überlegen derzeit, inwiefern sie bereits fertig gedrehte Filme und Serien nun direkt auf Streaming-Plattformen oder im Fernsehen unterbringen. Zwei kleinere deutsche Verleiher stellen ihr Angebot derzeit kostenpflichtig auf Video-On-Demand-Kanälen zu Verfügung, allerdings sind dort keine Premieren zu sehen. Die Einnahmen sollen zum Teil an notleidende Kinobetreiber weitergeben - ein Zeichen der Solidarität innerhalb der Branche.

Auch in Deutschland will der Staat finanzielle Hilfe für die Kinobranche leisten

Die Sorge der Filmschaffenden weltweit ist jedenfalls groß. Wie in anderen von der Corona-Krise betroffenen Branchen summieren sich die Hilfs-Appelle an Behörden und Regierungen. In Deutschland hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters bereits Hilfen zugesagt.

Der britische Star-Regisseur Christopher Nolan brachte es in einem Beitrag für die "Washington Post" auf den Punkt. Mit Blick auf die Betreiber der Kinos sagte er: "Sie werden unsere Hilfe brauchen." Es gehe nicht um die Stars, die Studios und den Glamour, sondern um zigtausende Mitarbeiter, Ticketverkäufer, Reinigungskräfte und Filmtechniker.