Die Fußballfans lassen die Muskeln spielen | NRS-Import | DW | 27.02.2018
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Die Stimmung kippt in den Bundesligastadien

Die Fußballfans lassen die Muskeln spielen

Lautstarker und ruhiger Protest, aber auch hässliche Ausschreitungen Einiger prägen das Bild auf den Tribünen. Die Fans haben zunehmend genug von der Kommerzialisierung und den Fehlplanungen der handelnden Personen.

Ein Fan des BVB präsentiert ein Plakat gegen Montagsspiele (picture alliance/dpa/I. Fassbender)

Ein Fan des BVB präsentiert ein Plakat gegen Montagsspiele

Das Fazit fiel positiv aus. "Das Stadion war halbleer. Starkes Symbol", teilte Jan-Henrik Gruszecki mit. "Keiner der Daheimgebliebenen bedauert die Entscheidung." Das Spiel von Borussia Dortmund gegen den FC Augsburg (1:1) dürfte allen Beteiligten noch lange im Gedächtnis bleiben. Nicht weil der sportliche Wert so hoch einzuschätzen war. Vielmehr, weil sich der Protest der organisierten Fans Bahn brach. Lediglich 54.300 Zuschauer waren in das riesige Stadion gekommen, weshalb es ungewöhnlich leer wirkte. Vor 26 Jahren gab es in der Dortmunder Arena letztmals so wenig Interesse an Spielen des BVB.

Die organisierten Fans des Klubs hatten ein Zeichen gesetzt gegen die Einführung und Umsetzung der Montagsspiele. So wie bereits die organisierten Fans von Eintracht Frankfurt in der Woche zuvor, die lautstark am Spielfeldrand und auch unter Einsatz von Tennisbällen, die hundertfach auf den Rasen geworfen wurden und dadurch den Beginn der zweiten Halbzeit verzögerten, protestiert hatten. Zwei Fan-Aktionen die im Gedächtnis der Zuschauer und der Vereine bleiben werden. Der Protest war massiv und radikal. Vor allem war er friedlich abgelaufen, was die Nachhaltigkeit noch einmal verstärken wird.

Wucht des Protests überrascht die Verantwortlichen

Erstaunlich in diesem Zusammenhang war die Reaktion von Hans-Joachim Watzke unmittelbar vor der Partie der Dortmunder."Einige unserer Fans sagen, dass sie ein Zeichen gegen die Überkommerzialisierung des Fußballs setzen wollen. Wir müssen das ernst nehmen", sagte der BVB-Geschäftsführer. "Die Leute wollen den Montag nicht unbedingt. Der Montag ist jetzt das Vehicle, den generellen Unmut kundzutun. Diese große Ablehnung habe ich in der Form nicht erwartet, da muss man ehrlich sein." Eine ungewöhnlich offene Diktion eines Vereinsverantwortlichen.

Die Klub-Offiziellen sind offenkundig überrascht von der Wucht der Gegenwehr, die ihnen entgegenschlägt. Das ist aber kein neues Phänomen. Seitdem etwa RB Leipzig in der Bundesliga angekommen ist, sind die verschiedensten Fangruppen der 18 Bundesligaklubs bereits in eine Protesthaltung getreten und boykottieren vielfach unter anderem Auswärtsreisen in die sächsische Metropole. Dass die organisierten BVB-Fans nun auch angekündigt haben, mehrheitlich auch die Reise zu RB Salzburg zum Achtelfinale in der Europa League (15. März) nicht anzutreten, zeugt noch einmal deutlich von der ablehnenden Haltung.

Das Kommerz-Rad ist offenbar überdreht

Offenbar hat die Deutsche Fußball Liga - im Namen und auch in direkter Kooperation mit den Vereinen - das Rad zu weit gedreht und hat die Zeichen, die bereits seit längerer Zeit von den Tribünen gesendet wurden, nicht ernst genommen. Die Anziehungskraft des Geldes, das vermeintlich auch für den  Konkurrenzkampf mit anderen Ligen wie denen in England oder Spanien notwendig ist, hat den Blick auf die Traditionen im deutschen Fußball völlig verwischt.

Die Montagsspiele sind vor allem für diejenigen unerfreulich, die ihren Lieblingsklub gerne auch bei jedem Auswärtsspiel begleiten wollen. Das noch größere Problem aber ist wohl, dass sich die Liga, die Vereine, die Spieler immer weiter von ihrer Klientel entfernen. Die Auswärtsfahrer wollen nicht an einem Montag Urlaub nehmen müssen.

Sie wollen aber vor allem nicht, dass die Spieler noch mehr Millionen als ohnehin schon kassieren. Und sie wollen auch nicht mehr ständig von Beratern erfahren, die immer weiter entrückt sind und ihren Klienten skrupellos zu allem raten - bis hin zu vertragsbrüchigem Streik - nur um einen lukrativen Vereinswechsel zu erzwingen. 

Das hässliche Gesicht des Protests 

Anhänger des HSV brennen im Weserstadion Pyrotechnik ab (picture-alliance/dpa/C. Jaspersen)

Anhänger des HSV brennen im Weserstadion Pyrotechnik ab

Dass der Protest gegen die handelnden Personen aber auch ein hässliches Gesicht annehmen kann, haben zuletzt die Fans des Hamburger SV demonstriert. Die jahrelange höchst unerfolgreiche Arbeit der Hamburger Verantwortlichen hat selbst die jahrelangen Geduld der Anhänger de Klubs überstrapaziert. Die Ausmaße sind leider dramatisch.

Beim Nordderby des HSV bei Werder Bremen (1:0) wurden Feuerwerkskörper auf den Rasen und in die unteren Ränge abgefeuert. Das kommende Spiel des HSV gegen Mainz 05 wurde bereits zu einem Hochsicherheitsspiel deklariert. Die gewaltbereiten Ultras planen offenbar weitere Aktionen, auf die sich der Klub vorbereiten will. Derlei handgreifliche und strafrechtlich relevante Proteste gab es zwar auch schon in früheren Jahren (Eintracht Frankfurt, 1.FC Köln), allerdings wird der Unmut mittlerweile auf vielerlei ebenen deutlich. 

Es scheint etwas Entscheidendes aus dem Ruder zu laufen in der Bundesliga. Nach vielen Jahren der Harmonie scheint die Stimmung in eine Richtung zu kippen, die kaum jemandem gefallen kann.

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