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GlobalisierungDeutschland

Deutsche Unternehmen: Die Luft wird dünner

Dirk Kaufmann
7. Juli 2026

Der Trend, dass deutsche Firmen ins Ausland ziehen, flaut ab. Zwar investiert die Industrie wegen des hohen Kostendrucks am Heimatmarkt immer noch stark im Ausland. Doch die erhofften positiven Effekte bleiben oft aus.

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Produktion von Elektrofahrzeugen bei Volkswagen
Bild: Teresa Kröger/Kirchner/picture alliance

Aktuell zieht es deutsche Firmen weiterhin ins Ausland, und zwar Unternehmen jeder Größenordnung. Der Ulmer Spezialist für Gartengeräte Gardena will nach Presseberichten 250 Stellen in Deutschland streichen und teilweise nach Tschechien verlegen. Das entspricht einem Minus von zehn Prozent der Beschäftigten im Inland.

Auch Weltunternehmen wie BASF investieren weiter im Ausland. Die Tageszeitung Welt schrieb am  11. Februar 2026, der Konzern wolle Dienstleistungsstellen nach Indien verlegen. Dabei gerät der Standort Berlin unter Druck, hier würden viele Stellen abgebaut.

Es war schon schlimmer

Ein Jahr zuvor wurde die Lage dramatischer geschildert: "Die Industriekrise in Deutschland läuft auf Hochtouren", schrieb das Online-Magazin Finanzmarktwelt im November 2025. Dabei berief sich der Autor auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes, das Daten von 2018 bis 2023 analysiert hatte. Aktuellere Zahlen hat das Amt bislang nicht veröffentlicht.

Zwischen 2021 und 2023 hätten danach etwa 1300 deutsche Firmen mit mehr als 50 Mitarbeitern Unternehmensfunktionen ins Ausland verlagert, das waren 2,2 Prozent aller im Jahr 2023 in Deutschland ansässigen Unternehmen dieser Größe. Durch die Verlagerungen seien rund 50.800 Stellen in Deutschland verloren gegangen. Finanzmarktwelt kommentierte die Zahlen damals: "Man darf annehmen: 2024 und erst recht 2025 dürfte sich dieser Trend verschärft haben aufgrund der hohen Energiekosten, zunehmender Bürokratie und steigenden Lohnkosten"

Ein halbes Jahr später beobachtete die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) aber bereits einen anderen Trend. Am 2. Juni schrieb KfW Research in einer Pressemitteilung: "Viele Mittelständler ziehen sich aus dem Auslandsgeschäft zurück". Seien 2022 noch rund 880.000 der rund 3,8 Millionen Mittelständler im Ausland aktiv gewesen, seien es ein Jahr später nur noch etwa 763.000. Der Anteil grenzüberschreitend tätiger Mittelständler sei von rund 23 Prozent auf 20 Prozent gesunken.

Iran-Krieg belastet Wirtschaft und Märkte in Deutschland

"Die Rahmenbedingungen für den Außenhandel haben sich deutlich verschlechtert", meint dazu Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. Verantwortlich macht er dafür "geopolitische Spannungen in der Ukraine und im Nahen Osten, eine wachsende Exportkonkurrenz durch China in wichtigen Schlüsselindustrien und die protektionistische Handelspolitik der USA."

Einheitlich uneinheitlich

Wieder ein anderes Bild zeichnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Auf Anfrage der DW verwies Pressesprecher Sven Ehling auf die DIHK-Konjunkturumfrage vom Jahresbeginn 2026. Der ergab, dass der Kostendruck für die deutsche Industrie einen Höchststand erreicht habe und viele Betriebe deshalb stärker im Ausland investieren wollten.

Für dieses Jahr, so der DIHK, würden 43 Prozent der Industriebetriebe Auslandsinvestitionen planen - drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. "Die Gründe dafür sind eindeutig: steigende Kosten, strukturelle Probleme und eine schwache Konjunktur am Standort Deutschland", erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

Und was bringt es?

Investitionen im Ausland hätten bislang die heimischen Standorte eher gestärkt und damit auch zu mehr Beschäftigung im Inland geführt. Insbesondere Auslandsinvestitionen zur Markterschließung oder zum Ausbau von Vertrieb und Kundendienst hatten diese positiven Rückkopplungen. Die Zahl der Unternehmen aber, die hauptsächlich zur Markterschließung im Ausland investieren wollen, sinkt laut DIHK von 30 auf 28 Prozent.

"Besonders problematisch ist, dass die früher üblichen positiven Rückwirkungen von Auslandsinvestitionen auf den heimischen Standort ausbleiben, weil die Unternehmen nun primär aus Kostengründen im Ausland investieren müssen. Das führt an den inländischen Standorten häufig zu starken Einschnitten", so Volker Treier. Auslandsinvestitionen dienten nun eher der Kostenersparnis und nicht dem Wunsch nach Expansion.

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Die Entwicklung bei den Auslandsinvestitionen ist insgesamt nicht eindeutig. Die aktuelle Situation gleicht eher einer Seitwärtsbewegung. Professor Steffen Müller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) zufolge liegt Deutschland beim Blick auf die Direktinvestitionen heimischer Unternehmen im Ausland "sehr weit unter den Höchstwerten".

Die Bundesbankstatistik, so Müller zur DW, weise Transaktionswerte von jährlich 120 Milliarden Euro zwischen 2017 und 2022 aus. Die Zahlen für 2024 lägen dagegen bei 80 Milliarden und 2025 bei unter 100 Milliarden. Diese Zahlen gäben "wenig Grund zur Annahme, dass hier massiv mehr Kapital abwandert als in den Jahren zuvor."

Amerika verliert, Asien gewinnt - Europa führt

Die Umfrage zeigt deutliche Veränderungen in den Zielregionen deutscher Auslandsinvestitionen. Besonders Nordamerika verliert an Attraktivität. Der Anteil der Unternehmen mit Investitionsplänen dort sinkt von 48 auf 44 Prozent.

Gleichzeitig gewinnt das Engagement in Asien. In China steige, so der DIHK, der Anteil der investierenden Industrieunternehmen von 31 auf 34 Prozent. Auch die Region Asien/Pazifik (ohne China) gewinnt an Bedeutung und wächst von 21 auf 26 Prozent. "Der Zollkonflikt mit den USA schürt Unsicherheiten und führt dazu, dass Unternehmen Entscheidungen vertagen", bewertet der DIHK-Außenwirtschaftschef die Ergebnisse.

Mit 64 Prozent bleibt die Eurozone die wichtigste Region, so Treier. Ihre Stabilität, der gemeinsame Binnenmarkt und die gemeinsame Währung bieten verlässliche Rahmenbedingungen, so der DIHK-Vertreter - gerade in geopolitisch unsicheren Zeiten ein wichtiger Faktor bei Investitionsentscheidungen.

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