COVID: Wie hoch ist die Wiederansteckungsgefahr mit der neuen Omikron-Variante? | Wissen & Umwelt | DW | 04.04.2022
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Coronavirus

COVID: Wie hoch ist die Wiederansteckungsgefahr mit der neuen Omikron-Variante?

Wer im Januar Omikron hatte, ist jetzt sicher? Nicht unbedingt. BA.2, eine neue Untervariante, könnte für viele Reinfektionen sorgen.

Zwei Personen in Schutzkleidung stehen an dem Bett eines Corona-Patienten in Russland

Die Omikronvariante des Coronavirus führte vielerorts zu stark steigenden Infektionszahlen

Wer bereits Omikron hatte, fühlte sich danach erstmal sicher. Schließlich bildet der Körper nach einer Infektion Antikörper, die vor dem Virus schützen. Wer dann noch geimpft war, konnte ein noch besseres Gefühl haben. Allerdings lässt der Schutz, der durch Infektion und Impfung entsteht, mit der Zeit nach - manchmal schneller, als man denkt.

Die neue Untervariante von Omikron BA.2 wirft - wie schon anderer Varianten davor - eine bedeutende Frage auf: Können wir uns noch auf den natürlichen Schutz einer vergangenen Infektion verlassen, oder auf den einer Impfung? Das Aufkommen der Omikron-Variante Ende vergangenen Jahres trat die bis dato größte Welle der Coronavirus-Pandemie los. Menschen, die sich mit Omikron angesteckt hatten, erlebten häufig nur milde Symptome.

Dafür ist die Variante wesentlich ansteckender als ihre Vorgänger. Auch Genesene infizieren sich ein weiteres Mal, selbst wenn sie geimpft oder sogar geboostert waren.  

Südafrika: Die Entdecker von Omikron

BA.2 ist möglicherweise noch ansteckender als die "Originalversion" von Omikron, bekannt als BA.1. Aber ganz einig ist sich die Wissenschaft dabei noch nicht. Einige Wissenschaftler sagen, wir haben es mit einer komplett neuen, und nicht mit einer Omikron-Untervariante von SARS-CoV-2 zu tun.

Reinfektionen könnten möglich sein

Erste Daten aus Großbritannien zeigen, dass sich einige Menschen sowohl mit der ersten Omikron-Variante BA.1, als auch mit der Untervariante BA.2 angesteckt haben. Das deckt sich mit Berichten aus dem Vanderbilt University Medical Center im US-Bundesstaat Tennessee. Ärzte dort sagten der DW, dass sie Patienten behandelt haben, die sich erneut mit Omikron angesteckt hatten.

Shira Doron, eine Ärztin und außerordentliche Professorin an der Tufts University School of Medicine in Boston, dagegen erzählt, sie habe noch keinen einzigen Fall gehabt, bei dem sich ein Patient nach einer Omikron-Infektion erneut mit der Variante angesteckt habe. Doron geht davon aus, dass Fälle, die als Reinfektion geführt werden, in Wirklichkeit "falsche Positiv-Ergebnisse" sein könnten.

"Immer, wenn ich jemanden mit einer Reinfektion sehe, ermutige ich diejenigen, sich nochmal testen zu lassen", sagte Doron. "Bei dem Folgetest sehe ich dann sehr oft, dass sie negativ sind."

Warum Omikron ansteckender, aber weniger tödlich ist

Wiederansteckung die seltene Ausnahme?

Laut einer dänischen Studie von Ende Februar sind Reinfektionen möglich, aber sehr selten. Für die Studie schauten sich Forschende rund 1,8 Millionen Fälle aus der Omikron-Welle von Ende November 2021 bis Mitte Februar 2022 an. In dieser Zeit registrierten Ärzte 187 COVID Reinfektionen. Von diesen Fällen hatten sich 47 Personen sowohl mit BA.1 als auch mit BA.2 angesteckt.  

Diese niedrige Rate, 47 von 1,8 Millionen, legt nahe, dass Reinfektionen tatsächlich eine Ausnahme sind. Aber die Lage könnte sich auch verändern, je länger wir sie beobachten. 

Israel: Omikron belastet Krankenhäuser

Monica Gandhi, Medizinprofessorin an der University of California, San Francisco, sagt, Omikron-Reinfektionen könnten häufiger werden, als es die dänische Studie ahnen lässt. Die Antikörper, die wir nach einer Infektion oder einer Auffrischungsimpfung aufbauen, halten nur etwa vier Monate vor, so Gandhi. Sobald dieser Schutz nachlässt, seien wir wieder verwundbar.

Forschende in Israel hingegen sind vorsichtig optimistisch. Laut Cyrille Cohen, Arzt und Berater des israelischen Gesundheitsministeriums, belegten die Daten, die das Gesundheitsministerium gesammelt hat, dass eine Reinfektion innerhalb eines kurzen Zeitraums von zwei Monaten sehr selten sei. Bei 2,5 Millionen Menschen, die zwischen November und Anfang Februar positiv getestet wurden, seien nur bei wenigen Hundert Reinfektionen festgestellt worden, so Cohen.  

BA.2 - nur ein weiteres Omikron?

Auch über den Ursprung von BA.2 sind sich Experten nicht einig. Ende Februar hieß es  in einer Mitteilung der Weltgesundheitsorganisation zu BA.2, dass die neue Variante als "besorgniserregende Variante" (variant of concern) gelte und weiterhin als Omikron einzustufen sei.

Cohen bestätigt, dass sich BA.1 und BA.2 genetisch ähnlich sind. Deswegen sei es unwahrscheinlich, dass wir eine große Welle an BA.2-Infektionen sehen werden, da so viele Menschen bereits immun gegen BA.1 sind, so der israelische Arzt.

Doch andere Forschende widersprechen dem. Eine japanische Studie von Mitte Februar legt nahe, dass es erhebliche genetische Unterschiede zwischen BA.1 und BA.2 gibt, die größer sein könnten, als wir bisher angenommen haben.

Verfolgung von COVID-19-Mutationen in Echtzeit

Die Forschenden schreiben in ihrer Studie, dass BA.2 genetisch so anders sei als BA.1, dass es einen eigenen Buchstaben im griechischen Alphabet verdient habe - und somit als eigenständige Variante des ursprünglichen Coronavirus anerkannt werden sollte. Außerdem fanden sie heraus, dass die BA.2-Variante nicht nur ansteckender ist als BA.1, sondern auch, dass BA.2 unsere Immunabwehr besser austricksen kann.

Allerdings haben die Forschenden für diese Studie nur mit einem Pseudo-Virus und nicht mit dem wirklichen BA.2 geforscht. Die Ergebnisse könnten also anders ausfallen, wenn das Team seine Tests an echten Patienten durchführt.

COVID-Impfung spielt weiterhin eine Rolle

Impfstoffe haben sich in der Pandemie als guter Schutz gegen COVID-19 erwiesen. Geimpfte können sich zwar immer noch infizieren, ein schwerer Krankheitsverlauf aber ist wesentlich unwahrscheinlicher. Für Reinfektionen gilt auch bei diesem Thema: Die Ergebnisse sind noch nicht eindeutig.

Eine im März veröffentlichte österreichische Studie belegt, dass ungeimpfte Personen, deren erster Kontakt mit dem Coronavirus die Omikron-Variante war, nur Antikörper gegen die BA.1-Variante entwickelten. Die Forschenden halten es für wahrscheinlich, dass diese Menschen nicht gegen andere Varianten von SARS-CoV-2 geschützt sind.

Eine Studie aus den USA zeigt, dass geimpfte Menschen, als sie sich mit der BA.1-Variante ansteckten, auch gegen BA.2 robuste Antikörper entwickelten. Die Autoren der Studie schreiben, dass "die einzige Person, die keine nachweisbaren neutralisierenden [Antikörper] hatte, nicht geimpft war".

BA.2: Ein Ende ist nicht in Sicht

Das Risiko der Wiederansteckungsgefahr bleibt noch an vielen Stellen rätselhaft. Fest steht aber: BA.2 verbreitet sich schnell. Es scheint um die 30 Prozent ansteckender zu sein als die ursprüngliche Omikron-Variante BA.1.

In Europa greift BA.2 seit Anfang Februar um sich. In Deutschland erreichten die Infektionszahlen Mitte März ein neues Rekordhoch. Und ein Ende ist nicht in Sicht.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf Englisch erschienen.