COP30: Afrikanische Jugend kämpft für Klimagerechtigkeit
16. November 2025
Sie ist 25 Jahre alt, Kenianerin und hat über 100.000 Instagram-Follower: Anita Soina gilt als eine der vielversprechendsten Stimmen Afrikas in der Klimabewegung. Ihre Stimme erhebt Soina, die der Ethnie der Maasai angehört, auch bei der UN-Klimakonferenz in die Stadt Belém im Norden Brasiliens. In ihrer Heimat habe sie erlebt, wie die Abholzung der Wälder zu Dürre, Hunger und Wasserknappheit führt, sagt die Aktivistin. Für sie hat die COP30 eine besondere Bedeutung.
"Ich glaube, dass diese Veranstaltung einer der größten Erfolge für den globalen Süden sein wird", sagt sie der DW. "Wenn wir hier sind und dem COP-Präsidenten oder dem brasilianischen Präsidenten zuhören, spürt man, dass hier etwas wirklich Vielversprechendes passiert.
Doch bei allem Optimismus bleibt Soina zurückhaltend. "Es hat schon viele Versprechungen gegeben, und am Ende wird die Krise immer schlimmer", sagt sie. "Das größte Hindernis in Afrika ist der fehlende politische Wille. Deshalb werden die meisten Ressourcen nicht für die beabsichtigten Zwecke verwendet."
Forderungen nach Transparenz und Maßnahmen
Maurice K. Nyambe, Landesdirektor Sambia der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, ist ebenfalls zur COP30 in den Amazonas gereist. Er hofft, dass der diesjährige Gipfel nicht nur neue Zusagen bringen wird, sondern endlich auch Mechanismen, um Rechenschaftspflicht zu garantieren.
"Ob wir nun über Klimafinanzierung oder Kohlenstoffhandel sprechen, es ist wichtig, Transparenz und Rechenschaftspflicht in all diesen Diskussionen mitzudenken", sagt er der DW. "Wir haben hohe Erwartungen an die COP30."
Was steht bei der COP30 auf dem Spiel?
Die jährliche Klimakonferenz ist als COP bekannt. Das ist die Kurzform für "Konferenz der Vertragsparteien" und meint die Länder, die 1992 das UN-Klimaabkommen unterzeichnet haben. Das Abkommen, die UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), verpflichtet die Nationen zur Zusammenarbeit bei der Bekämpfung des Klimawandels.
Die diesjährige Konferenz hat Symbolcharakter: Zum ersten Mal findet das globale Treffen am Rande des Amazonas-Regenwaldes statt - dessen Erhalt eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der Klimaziele spielt. Die COP30 markiert zudem genau zehn Jahre nach dem Pariser Klimaabkommen von 2015, als sich fast 200 Länder verpflichteten, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen und die Bemühungen um eine Begrenzung des Anstiegs auf 1,5 Grad fortzusetzen.
So wird die Konferenz zum Prüfstein für die Fortschritte bei den Emissionszielen und der Klimafinanzierung für die Länder des Globalen Südens - Verpflichtungen, die vor allem in Afrika noch weitgehend unerfüllt sind. Der Kontinent gehört zu den vom Klimawandel am stärksten gefährdeten Regionen. Dürren, Überschwemmungen und der damit einhergehende Verlust von Ackerland bedrohen bereits jetzt Millionen von Menschen in ihrer Existenz und ihrer Ernährungssicherheit. Aus diesem Grund haben sich junge afrikanische Aktivisten in den letzten Jahren zunehmend in internationalen Klimadebatten zu Wort gemeldet und von den reichen Ländern Klimagerechtigkeit und greifbare Maßnahmen gefordert.
Stimmen von der "Frontlinie"
Auf der Eröffnungssitzung der COP30 forderte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ein entschiedenes Vorgehen gegen Leugner des Klimawandels. "Der Klimawandel ist nicht länger eine Bedrohung, die sich in der Zukunft abzeichnet - er ist eine Tragödie, die sich in der Gegenwart abspielt", sagte er, während Minister darüber diskutierten, wie die Krise die schwächsten Bevölkerungsgruppen der Welt bereits verwüstet.
Für Hilda Nakabuye, eine prominente ugandische Aktivistin und Mitglied von Fridays for Future Uganda, ist Belém bereits die fünfte COP. Sie ist angereist, um ihrer Gemeinschaft zu helfen. "Für mich ist die COP30 ein besonderer Moment, denn sie markiert das 10-jährige Bestehen des Pariser Abkommens", sagt sie.
Ihre Arbeit konzentriert sich auf Jugendliche und Frauen in Uganda sowie auf den Widerstand gegen die umstrittene Ostafrikanische Rohöl-Pipeline (EACOP), eine geplante 1400 Kilometer lange beheizte Rohrleitung, die von TotalEnergies und der China National Offshore Oil Corporation unterstützt wird. Die geplante Trasse durchquert sensible Gebiete wie den Murchison Falls National Park und führt am Lake Victoria, dem größten Süßwassersee Afrikas, vorbei. Umweltschützer haben vor irreversiblen Schäden für die biologische Vielfalt und die Wasserquellen gewarnt, auf die über 40 Millionen Menschen angewiesen sind.
"Als junge Frau aus Afrika bin ich hier, um meine Stimme zu erheben und die Gemeinschaften zu vertreten, die von einer Krise betroffen sind, die sie nicht verursacht haben", sagt Nakabuye. "Wir fordern eine faire und gerechte Energiewende. Ich erwarte von den Staats- und Regierungschefs hier auf der COP30, dass sie die Stimmen der Menschen - insbesondere die der marginalisierten Gemeinschaften - in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellen."
Gemeinschaften einbinden
Soina und Nakabuye sind sich einig, dass es von entscheidender Bedeutung ist, die lokalen Gemeinschaften zu befähigen, ihre Rechte zu verstehen. "Es muss noch viel mehr getan werden, um die Gemeinschaften einzubeziehen. Die beste Strategie ist, sie nicht nur in die Bekämpfung des Klimawandels, sondern auch in die Entwicklung der Gemeinschaft einzubeziehen", meint Soina.
Simon Peter Longoli, der wie Nakabuye aus Uganda angereist ist, nahm am Eröffnungstag der COP30 an einer Veranstaltung teil, die sich mit der Frage befasste, wie sich lokale Gemeinschaften effektiver in den UNFCCC-Prozess einbringen können.
Für ihn ist die COP30 mit hohen Erwartungen verbunden, da die UN die oft nomadisch lebenden Viehhüter jetzt offiziell als Teil der so genannten "lokalen Gemeinschaften" anerkannt haben. Zum ersten Mal glaubt er, dass die Anerkennung kommen könnte.
"Was wir heute hier erreicht haben, ist ein weiterer Meilenstein", sagte Longoli. "Wir erwarten, dass es morgen formalisiert werden kann - dass indigene Völker, die 'caucus' genannt werden, als ihre lokalen Gemeinschaften an dem Prozess im Zusammenhang mit dem Klimawandel in der UNFCCC teilnehmen können."
"Die Zeit, in der wir etwas gegen den Klimawandel tun können, läuft ab. Wir Viehhüter können uns vielleicht anpassen. Aber die COP muss Ergebnisse liefern, die umgesetzt werden können", fügt er hinzu.
Solidarität mit dem globalen Süden
Die afrikanische Jugend hofft auf echte Zusagen zur Klimafinanzierung und eine echte Beteiligung an der Entscheidungsfindung auf der COP30. In ihren Stimmen schwingt eine gemeinsame Botschaft mit: Klimagerechtigkeit muss über die Rhetorik hinausgehen und sich in Ressourcen für diejenigen niederschlagen, die "an der Front" leben.
Sie fordern auch eine engere Zusammenarbeit zwischen den Ländern des Globalen Südens - vom Amazonas bis nach Afrika -, um die globale Krise gemeinsam zu bewältigen. Diese jungen Aktivisten betrachten ihre Anwesenheit in Belém als mehr als nur symbolisch. Es ist eine Aufforderung zum Handeln.
Dieser Artikel wurde zuerst auf Englisch veröffentlicht.