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KlimaGlobal

Was hat die Welt seit dem Pariser Klima-Abkommen erreicht?

27. Januar 2026

Die USA sind aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen, klimaschädliche CO2-Emissionen steigen weiter. Doch 10 Jahre nach der Einigung gibt es viele Fortschritte, wachsende Erneuerbare Energien und wirksame Schutzmaßnahmen.

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Die Sonne geht an einem rotgelb gefärbten Himmel hinter einer Reihe von Windkraftanlagen auf.
Trotz massiver Fortschritte bei erneuerbaren Energien mahnen Experten, dass die Emissionen rasch sinken müssenBild: Julian Stratenschulte/dpa/picture alliance

Als der Hammer fiel, der 2015 das Pariser Abkommen besiegelte, flossen Tränen, Regierungschefs reichten sich die Hände, und die Teilnehmer des UN-Klimagipfels COP21 erhoben sich applaudierend von ihren Stühlen. Es war ein entscheidender Moment in der Klimapolitik. Zum ersten Mal verabschiedeten fast 200 Nationen einen verbindlichen Vertrag, um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. Und möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu halten.

Wissenschaftler hatten die 1,5-Grad-Grenze als kritische Verteidigungslinie gegen die schwersten, nicht mehr rückgängig zu machenden Schäden des Klimawandels bestimmt. Trotz bemerkenswerter Fortschritte bei den Klimamaßnahmen ist ein Überschreiten dieser Grenze aus Sicht der UN inzwischen "unvermeidlich" - und das habe "verheerende Folgen" für die Welt. Während die Länder weiterhin Öl, Gas und Kohle verbrennen, steigen die Temperaturen und verursachen oder verschlimmern lebensgefährliche Stürme, Überschwemmungen und Hitzewellen

Das vergangene Jahrzehnt war das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen, und 2024 das heißeste Jahr bisher. Der zweitgrößte Emittent der Welt, die USA, ist jetzt offiziell aus dem Pariser Abkommen ausgestiegen, ebenso wie aus einer Reihe anderer Umweltabkommen. US-Präsident Donald Trump hatte diesen Schritt vor einem Jahr angekündigt.

Die Temperaturen sind seit Pariser Abkommen gestiegen

Während in Brasilien die Staats- und Regierungschefs der Welt im November 2025 zum Klimagipfel COP30 zusammenkamen, mahnten Wissenschaftler, dass jeder Bruchteil eines Grades zähle und den Unterschied zwischen Sicherheit und  dem Leid von Millionen von Menschen ausmache: Durch die zunehmende Hitze stirbt etwa jede Minute ein Mensch. Die Luftverschmutzung durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe tötet schätzungsweise 2,5 Millionen Menschen pro Jahr.

Die Hitze hat auch gravierende Folgen für die Wirtschaft: Allein 2024 hat sie weltweit etwa 304 Milliarden Dollar an wirtschaftlichen Verlusten verursacht. Gleichzeitig werden kritische Ökosysteme über ihre Grenzen hinaus belastet. 2025 hat die Welt zum ersten Mal einen sogenannten "Tipping Point" des Klimas, zu Deutsch Kipppunkt, überschritten. Die Folge sind irreversible Veränderungen. So hat die Erwärmung der Ozeane ein massives Korallensterben ausgelöst.

Korallenriffe gehören zu den artenreichsten Ökosystemen der Erde und beherbergen ein Viertel aller Meeresbewohner. Wissenschaftler warnen, dass andere Kipppunkte, wie das Absterben des Amazonas-Regenwaldes und der Zusammenbruch lebenswichtiger Meeresströmungen, gefährlich nahe sind.

Was ist mit den Emissionen?

Der derzeitige kritische Zustand wurde nach Überzeugung von Wissenschaftlern durch die fortgesetzte Verbrennung fossiler Brennstoffe seit dem Pariser Abkommen verursacht. Im vergangenen Jahr haben die Treibhausgasemissionen einen Rekordwert erreicht. Sie liegen nun 65 Prozent über dem Niveau von 1990. Um die Ziele des Pariser Abkommens in Reichweite zu halten, müssten die Emissionen ihren Höhepunkt überschritten haben und schon abnehmen. Eine aktuelle Analyse zeigt jedoch keine Anzeichen für eine Verlangsamung des Anstiegs oder gar einen Rückgang.

Düstere Rauchwolken über Fabrikschloten
Die weltweiten Emissionen sind seit dem Pariser Abkommen gestiegen Bild: Kevin Frayer/Getty Images

Stattdessen stiegen die Emissionen 2024 sprunghaft an - wobei insbesondere das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas einen Rekord von 53,2 Gigatonnen CO2-Äquivalenten in die Atmosphäre schickten.

Zwei Drittel davon kamen aus nur acht Volkswirtschaften: China, USA, EU, Indien, Russland, Indonesien, Brasilien und Japan. Von diesen großen Verschmutzern haben nur die EU und Japan ihre jährlichen Emissionen im Vergleich zu 2023 verringert.

Der überwiegende Teil davon stammt aus dem Energiesektor.

Was wurde seit 2015 erreicht?

Auch wenn die Klimaschutzmaßnahmen insgesamt stark hinterherhinken, gibt es doch einige bemerkenswerte Fortschritte.

Erneuerbare Energien sind weltweit stark gewachsen und haben sogar optimistische Erwartungen übertroffen. Sinkende Kosten fördern diesen Boom. Gleichzeitig steigen die Investitionen in saubere Energie, sie sind inzwischen doppelt so hoch wie die Investitionen in fossile Brennstoffe.

Der Anteil der erneuerbaren Energien an der globalen Energieversorgung hat sich seit dem Pariser Abkommen mehr als verdreifacht. 2024 verzeichnete die Welt den größten Zuwachs an erneuerbarer Energieerzeugung, die nun 40 Prozent des weltweiten Stroms liefert. In der ersten Hälfte des Jahres 2025 haben Solar- und Windenergie erstmals die Kohle bei der Stromerzeugung überholt.

Die weltweite Solarkapazität ist heute mehr als viermal so hoch wie 2015 prognostiziert und verdoppelt sich alle drei Jahre. Die Windkraftkapazität wurde verdreifacht, so eine Analyse der Energy and Climate Intelligence Unit, einer britischen gemeinnützigen Organisation. Selbst in den USA, wo die Regierung von Präsident Donald Trump die finanzielle Unterstützung und Steuervergünstigungen für erneuerbare Energiequellen gekürzt und Beschränkungen für neue Solar- und Windprojekte eingeführt hat, war das Wachstum positiv.  

Laut dem Beratungsunternehmen Deloitte dominierte zwischen Januar und September 2025 Ökostrom das Kapazitätswachstum in den USA. Erneuerbare Energien und Batteriespeicher machten 93 % der neu zum Netz hinzugefügten Kapazität aus.

China Yinchuan 2025 | Solarpaneele auf vielen Hügel, am Rand sind Hochspannungstürme zu sehen
China ist weltweit führend bei erneuerbaren Energien: Diese Solarpaneele in Yinchuan sind Teil eines der vielen riesigen Solarparks im LandBild: AFP

China ist weltweit führend und hat 2024 mehr Solaranlagen installiert als der Rest der Welt zusammen. So umfasste die gesamte chinesische Solarkapazität im Juni 2025 mehr als ein Terawatt (TW), das ist zehnmal mehr als 2017 und 1000 mal mehr als im Jahr 2010. 

In den letzten zehn Jahren ist der Anteil der Elektrofahrzeuge an den Autoverkäufen von etwa ein Prozent auf fast 25 Prozent gestiegen. Damit wird das Ziel des Pariser Abkommens, bis 2030 mindestens 100 Millionen E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen, voraussichtlich früher als geplant erreicht.

Erneuerbare Energien mögen Rekorde brechen, doch das gilt auch für Kohle: Der schmutzigste fossile Brennstoff erreichte 2024 einen Rekordwert beim weltweiten Gesamtverbrauch. Und während mehr Geld in grüne Energie fließt, sind auch die öffentlichen Mittel für fossile Brennstoffe auf 1,6 Billionen Dollar (1,37 Billionen Euro) pro Jahr gestiegen.

Werden wir die Ziele des Pariser Abkommens erreichen?

Experten warnen davor, dass die derzeitigen Klimaschutzmaßnahmen noch immer nicht ausreichen.

Zwar haben die Fortschritte des letzten Jahrzehnts dazu beigetragen, die 2015 prognostizierte ungebremste Erwärmung um 4 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts abzuwenden. Doch noch immer ist der Planet dabei, sich bei derzeitiger Politik bis 2100 um 2,1 bis 3,9 Grad zu erwärmen. Selbst dieses weniger drastische Szenario würde im Vergleich zu heute zu 57 zusätzlichen tödlichen Hitzetagen pro Jahr führen.

Brasilien Brasília 2025 | Indigene Demonstration vor Pre-COP30-Treffen, ein Mann hält ein Schild mit der Aufschrift "Emergencia Climatica, A resposta somos nos"- Deutsch: "Klimanotstand. Wir sind die Antwort"
Vor der COP30 in Brasilien haben Experten und Aktivisten mehr Anstrengungen fürs Klima gefordert Bild: Marcelo Camargo/Agencia Brazil/dpa/picture alliance

Vor der Weltklimakonferenz in Belem hätten vereinbarungsgemäß alle Staaten ihre neuen selbstgesetzten Klimaziele einreichen sollen, doch mehr als 65 Länder haben das bis heute nicht getan. Und die Welt ist immer noch auf dem Weg, sich weit über die 2 Grad Temperaturgrenze hinaus zu erwärmen. 

Darum braucht es eine enorme Beschleunigung der Ambitionen und Emissionsreduzierungen in allen Sektoren, so der jüngste "State of Climate Action Report". Dazu gehören ein viel schnellerer Ausstieg aus der Kohle in diesem Jahrzehnt und eine Verneunfachung der Anstrengungen um die Entwaldung zu stoppen. Außerdem eine Verdoppelung des Wachstums bei den erneuerbaren Energien, eine Aufstockung der globalen Klimafinanzierung um fast eine Billion Dollar pro Jahr sowie ein rascher Ausbau der öffentlichen Verkehrsinfrastruktur in den umweltschädlichsten Städten der Welt.

Dieser Artikel wurde im November 2025 veröffentlicht und am 27.Januar 2026 aktualisiert aus Anlass des offiziellen Austritts der USA aus dem Pariser Klimaabkommen.

Redaktion: Tamsin Walker

Holly Young Holly Young ist Klimareporterin bei der DW Umweltredaktion in Berlin.@holly_young88