Chronologie der WM-Affäre | Fußball | DW | 01.09.2016
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Fußball

Chronologie der WM-Affäre

Seit Oktober 2015 dreht sich beim Deutschen Fußball-Bund alles um den möglichen Kauf der WM 2006. Die WM-Affäre ist längst auf der höchsten Ebene des Weltfußballs angelangt. Eine Übersicht der Ereignisse.

16. Oktober 2015: In einer Pressemitteilung des DFB ist erstmals von einer ungeklärten Zahlung in Höhe von 6,7 Millionen Euro an den Weltverband FIFA die Rede.

16. Oktober 2015: Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, die WM 2006 sei mutmaßlich gekauft worden. Beim Bewerbungskomitee soll es eine schwarze Kasse gegeben haben, die der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus heimlich mit 10,3 Millionen Schweizer Franken gefüllt haben soll. Der DFB bestreitet die Vorwürfe vehement.

17. Oktober 2015: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach äußert sich erstmals auf dfb.de: "Ich kann versichern, dass es im Zusammenhang mit der Bewerbung und Vergabe der WM 2006 definitiv keine schwarzen Kassen beim DFB, dem Bewerbungskomitee noch dem späteren Organisationskomitee gegeben hat."

18. Oktober 2015: Auch der ehemalige OK-Präsident Franz Beckenbauer weist die Korruptions-Vorwürfe zurück: "Ich habe niemandem Geld zukommen lassen, um Stimmen für die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 nach Deutschland zu akquirieren."

19. Oktober 2015: Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main schaltet sich in die Aufklärungsarbeit ein. Mit einem "Beobachtungsvorgang" soll überprüft werden, ob ein Anfangsverdacht für die Aufnahme von Ermittlungen besteht.

19. Oktober 2015: Erneut weist Niersbach die Korruptionsvorwürfe vehement zurück, räumt aber ein, "dass man die Frage stellen muss, (...) wofür diese Überweisungen der 6,7 Millionen verwendet wurden".

Wolfgang Niersbach hält sich die Hände vors Gesicht (Foto: REUTERS/Ralph Orlowski)

Niersbach hatte am 22. Oktober nicht viele Antworten

22. Oktober 2015: Bei einer Pressekonferenz in Frankfurt gibt Niersbach ein schwaches Bild ab und hinterlässt mehr Fragen als Antworten. Fakt sei, dass es keine schwarzen Kasse gegeben habe. Allerdings seien die 6,7 Millionen Euro Niersbachs Kenntnis nach an die FIFA gezahlt worden, um später 170 Millionen zu erhalten. Die FIFA reagiert überrascht und dementiert Niersbachs Version der Geschehnisse umgehend.

23. Oktober 2015: Die nächste Eskalationsstufe ist erreicht: Der ehemalige DFB-Präsident Zwanziger bezichtigt Niersbach der Lüge. Vor der WM 2006 habe es "eindeutig eine schwarze Kasse" gegeben: "Es ist klar, dass der heutige DFB-Präsident davon nicht erst seit ein paar Wochen weiß, wie er behauptet, sondern schon seit mindestens 2005."

24. Oktober 2015: DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock kritisiert Zwanziger, dieser hätte den erhobenen Schwarzgeld-Verdacht bereits während dessen Amtszeit ausräumen können. Zwanziger entgegnet, erst 2012 entsprechende Erkenntnisse gewonnen zu haben.

26. Oktober 2015: Franz Beckenbauer bricht sein Schweigen und bezeichnet den Deal mit der FIFA bezüglich eines WM-Zuschusses als Fehler: "Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung." Ein Stimmenkauf habe aber nicht stattgefunden.

27. Oktober 2015: Ex-Nationalspieler Günter Netzer droht Zwanziger mit einer Klage. Bis zum 30. Oktober soll Zwanziger erklären, künftig nicht mehr zu behaupten, Netzer habe einen Stimmenkauf asiatischer Funktionäre für die WM 2006 bestätigt. Als Zeugin gibt Netzer seine Ehefrau Elvira an, die bei dem von Zwanziger erwähnten Gespräch zugegen gewesen sei.

28. Oktober 2015: Zwanziger sagt gegenüber den externen Ermittlern des DFB aus.

Theo Zwanziger und Günter Netzer (Foto: picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Zwanziger (l.) und Netzer treffen sich im April vor Gericht

30. Oktober 2015: Zwanziger lässt die Frist von Netzer verstreichen und behauptet, Netzers Ehefrau sei bei dem damaligen Gespräch nur kurze Zeit anwesend gewesen. Netzers Anwalt kündigt daraufhin eine zeitnahe Klage an.

2. November 2015: Die WM-Affäre beschäftigt nun auch höchste Stellen im Land. Das Bundeskanzleramt bestätigte Überprüfungen seiner WM-Akten.

3. November 2015: Die Steuerfahndung Frankfurt startet eine Razzia beim DFB. Auch die Privathäuser von Niersbach, Zwanziger und Ex-Generalsekretär Horst R. Schmidt sind betroffen.

6. November 2015: Der "Spiegel" veröffentlicht handschriftliche Notizen auf einem Schreiben des WM-OK an die FIFA aus dem Jahr 2004, die angeblich von Niersbach stammen. Sie sollen belegen, dass der heutige DFB-Präsident nicht erst in diesem Jahr von den umstrittenen Vorgängen Kenntnis hatte.

9. November 2015: Niersbach übernimmt die "politische Verantwortung" für Ereignisse rund um die WM 2006 und tritt als DFB-Präsident mit sofortiger Wirkung zurück. Die beiden Vizepräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch übernehmen die Amtsgeschäfte.

10. November 2015: Die DFB-Interimspräsidenten Koch und Rauball bestätigen die Unterschrift von Franz Beckenbauer unter einem Skandal-Dokument, das den versuchten Stimmenkauf vor der WM-Vergabe nahelegt. Als Vertragspartner habe der inzwischen lebenslang gesperrte Jack Warner aus Trinidad und Tobago, Ex-Präsident des Verbands für Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF), unterzeichnet. Es geht um "diverse Leistungen", die von deutscher Seite zugesagt worden seien.

13. November 2015: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet vom DFB eine umfassende Aufarbeitung des Skandals.

DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel im Portät (Foto: picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Der 54-jährige Grindel soll DFB-Präsident werden

17. November 2015: DFB-Schatzmeister Reinhard Grindel soll den Deutschen Fußball-Bund als neuer Präsident aus der tiefen Krise führen. Darauf verständigten sich die Vorsitzenden der 21 Landesverbände in Hannover.

20. November 2015: Franz Beckenbauer hat einen Stimmenkauf für die Ausrichtung der WM 2006 vehement bestritten. Den dubiosen Vertragsentwurf mit dem früheren FIFA-Vize Jack Warner vom 2. Juli 2000 habe der OK-Chef blind unterzeichnet.

2. Dezember 2015: Die Aufarbeitung des Skandals verzögert sich. Bisher hatte die Spitze des DFB immer von Dezember oder Januar 2016 als Termin für die Vorlage des Berichts gesprochen.

11. Dezember 2015: FIFA-Präsident Joseph Blatter bezeichnet Beckenbauers Darstellungen als "absurd." Beckenbauer hatte Ende November die ominöse Überweisung der WM-Macher von 6,7 Millionen Euro an die FIFA mit fragwürdigen Begleitumständen begründet: Die FIFA-Finanzkommission soll 2002 für einen späteren Organisationszuschuss von 250 Millionen Schweizer Franken eine Zahlung von zehn Millionen Schweizer Franken (6,7 Millionen Euro) verlangt haben.

12. Dezember 2015: In der WM-Affäre will der Deutsche Fußball-Bund den Abschlussbericht der externen Prüfung der Öffentlichkeit vorlegen. Das kündigte DFB-Interimspräsident Reinhard Rauball am Rande der EM-Auslosung am Samstag in Paris an.

30. Dezember 2015: Das Landgericht Köln bestätigt den Eingang der Klage von Netzer gegen Zwanziger.

22. Januar 2016: Nach der Schweizer Bundesanwaltschaft ermittelt nun auch die US-Bundespolizei FBI in der Affäre um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Die US-Justiz, die gegen zahlreiche hohe FIFA-Funktionäre Strafverfahren wegen Korruption führt, will demnach wissen, wo die 6,7 Millionen Euro hingeflossen sind, die 2005 vom damaligen WM-Organisationskomitee an den Weltverband überwiesen wurden.

Der ehemaliger DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans sitzt an einem Tisch (Foto: Boris Roessler/dpa Bildfunk)

Der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans

27. Januar 2016: Der ehemalige DFB-Vize-Generalsekretär Stefan Hans spricht von einem "Hochreck" der Verschleierung. Die dubiose Zahlung von 6,7 Millionen Euro habe in der Buchhaltung "schlüssig ausgesehen". Den Unterlagen habe man "nicht ansehen" können, dass damit eine offenbar illegale Zahlung verdeckt werden sollte. Hans war angeblich im Archiv des Verbandes auf den Vertrag zwischen Beckenbauer und Warner gestoßen.

28. Januar 2016: Der DFB gibt bekannt, dass der Abschlussbericht der Wirtschaftskanzlei Freshfields am 4. März veröffentlicht wird.

30. Januar 2016: Zwanziger nimmt laut Auskunft seines Anwalts Hans-Jörg Metz nochmals Einsicht in ein Schreiben von April 2005. Dieses wird laut Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" als belastendes Indiz gegen Zwanziger in der WM-Affäre 2006 gewertet.

5. Februar 2016: Der DFB hält sich in der Affäre um die WM 2006 mögliche Schadenersatzansprüche gegen Beckenbauer, Zwanziger und Niersbach offen. Bezüglich möglicher Schadenersatzansprüche trifft der DFB mit der FIFA eine Übereinkunft.

9. Februar 2016: Der DFB hat dem ehemaligen OK-Vizepräsidenten Fedor Radmann in der WM-Affäre einen Zahlungsbefehl über 6,7 Millionen Euro zugestellt. Radmann bezeichnet die Forderung später als "völlig absurd".

11. Februar 2016: Die brisante Abmachung zwischen den Machern der WM 2006 und Warner diente der Absicherung von Stimmen unmittelbar vor der Turnier-Vergabe. Man habe verhindern wollen, dass Warner gegen uns arbeitet, sagt Radmann.

Ex-DFB Generalsekretär Helmut Sandrock im Porträt (Foto: Getty Images/Bongarts/D. Kopatsch)

Helmut Sandrock gibt als DFB-Generalsekretär auf

26. Februar 2016: DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock tritt zurück.

26. Februar 2016: "Der Spiegel" berichtet über verschwundene Dokumente und Akten aus dem DFB-Archiv. Zudem sollen demnach Fahnder der ermittelnden Staatsanwaltschaft Frankfurt den Verdacht haben, dass im Verband schon geraume Zeit vor Ausbruch der Krise Fakten zu den Hintergründen der ungeklärten Millionen-Zahlung an den Weltverband FIFA vertuscht werden sollten.

4. März: Der Bericht wird veröffentlicht. Zwar gibt es keine eindeutigen Beweise, dass die WM 2006 gekauft wurde - enorm viele Indizien sprechen aber dafür. Vor allem Franz Beckenbauer und Wolfgang Niersbach werden schwer belastet.

5. März: Beckenbauer bestreitet im Interview mit der Bild am Sonntag erneut einen Stimmenkauf für den WM-Zuschlag 2006. "Es ging um eine Art Sicherheitsleistung, um von der FIFA den Finanzzuschuss zu bekommen", betonte der 70-Jährige.

6. März: Niersbach behauptet im Welt-am-Sonntag-Interview, sich beim "WM-Projekt 2006 absolut sauber verhalten" zu haben. An ein Aufgeben seiner Posten in den Exekutiv-Komitees der FIFA und der UEFA denkt er nicht.

18. März: Das Präsidium des DFB beruft wie erwartet Friedrich Curtius (39) zum Generalsekretär des Verbandes.

22. März: Die Ethik-Kommission der FIFA leitet ein formelles Verfahren gegen die Macher des Sommermärchens, darunter Ex-DFB-Präsident Niersbach, ein.

25. Juli: Der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wird von der Ethikkommission der FIFA für ein Jahr gesperrt. Die Kammer teilte bezüglich des Urteils mit, dass es sich dabei "nicht um Schmiergeldzahlungen oder Korruption" seitens Niersbach handele. Verurteilt wurde Niersbach, weil er die Sommermärchen-Affäre erst intern regeln wollte. Dieser Entscheid treffe ihn hart, sagte Niersbach dem SID. Er wolle sich anwaltlich beraten lassen, ob er Rechtsmittel einlegen werde.

1. September: Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat ein Strafverfahren gegen die deutschen Organisationsbosse um Franz Beckenbauer eingeleitet und Razzien durchgeführt. Es geht laut den Behörden um den "Verdacht der Betrugs, der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Geldwäscherei sowie der Veruntreuung". Neben Beckenbauer werden die früheren DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der ehemalige -Generalsekretär Horst R. Schmidt beschuldigt.

asz/ck (dpa, sid)

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