Bondi Beach: Attentäter wohl von IS-Ideologie beeinflusst
16. Dezember 2025
Die Attentäter des Terroranschlags auf ein jüdisches Fest in Sydney waren nach Darstellung des australischen Premierministers Anthony Albanese anscheinend von der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) beeinflusst. Der Anschlag sei "durch die Ideologie des 'Islamischen Staates' motiviert" worden, sagte Albanese dem Radiosender ABC Sydney.
Die Angreifer, Vater und Sohn, hätten kurz zuvor eine "militärähnliche Ausbildung" auf den Philippinen erhalten, berichtete der Fernsehsender ABC unter Berufung auf Quellen der Sicherheitsbehörden.
Philippinische Behörde bestätigten, dass beide Attentäter fast den gesamten November dort verbracht hätten. Vater und Sohn, seien am 1. November "gemeinsam aus Sydney in die Philippinen eingereist", sagte die Sprecherin der Einwanderungsbehörde, Dana Sandoval, der Nachrichtenagentur AFP. Am 28. November seien sie wieder ausgereist.
Beide hätten die Provinz Davao als Zielort angegeben. In der von Unruhen geprägten philippinischen Region Mindanao, in der Davao liegt, kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu islamistischen Anschlägen auf Busse, katholische Kirchen und öffentliche Märkte. Von der Regierung unterstützte Sicherheitskräfte kämpfen dort seit langem gegen die Islamistengruppen Maute und Abu Sayyaf.
Die mit dem IS in Verbindung stehende Gruppe Abu Sayyaf wurde in den 90er Jahren mit Geld von Al-Kaida-Führer Osama bin Laden gegründet. Sie wurde durch die Entführung zahlreicher Ausländer bekannt.
Ein Attentäter tot, der andere schwerverletzt
Bei dem Anschlag am Sonntag in Australien am berühmten Strand Bondi Beach töteten die Angreifer 15 Menschen. Der 50-jährige Vater wurde von Einsatzkräften am Tatort erschossen. Sein 24-jähriger Sohn wurde angeschossen und festgenommen - und liegt nach wie vor mit schweren Verletzungen im Krankenhaus. Er soll Berichten zufolge inzwischen aber außer Lebensgefahr sein. Er habe seit langem Verbindungen zu Mitgliedern eines australischen Netzwerks von IS-Unterstützern gehabt, berichtete ABC weiter.
Premierminister Albanese hatte zuvor gesagt, der australische Inlandsgeheimdienst habe den damaligen Teenager vor sechs Jahren wegen Verbindungen zu einer in Sydney ansässigen Terrorzelle des IS überprüft.
In dem Auto, das auf den Sohn zugelassen ist, befanden sich offenbar mehrere Sprengsätze und zwei selbstgemachte IS-Flaggen. Man arbeite weiterhin daran, die Hintergründe des Anschlags aufzuklären, hieß es.
"Held von Sydney" hatte einen Angreifer entwaffnet
Unterdessen besuchte Albanese den Mann, der einen der Angreifer überwältigt hatte, im Krankenhaus. Der 43-jährige Ahmed al-Ahmed sei ein "wahrer australischer Held. Er ist sehr bescheiden", sagte Albanese vor Reportern. "Er hat sich entschlossen einzugreifen, und sein Mut ist eine Inspiration für alle Australier", sagte der Premier.
Der in Syrien geborene Al-Ahmed hatte den Angreifer von hinten gepackt und ihm nach kurzem Kampf die Waffe entrissen, wie millionenfach in sozialen Netzwerken geklickte Aufnahmen zeigen. Er erlitt Schusswunden in der Schulter und muss mehrfach operiert werden. Eine Spendenaktion im Internet brachte umgerechnet bereits mehr als eine Million Euro für seine Arztkosten ein.
Premier: Wir möchten den Antisemitismus ausmerzen
Die Regierung stufte die Tat vom Sonntag als antisemitischen Terroranschlag ein. Auf die Frage von ABC Sydney, ob er das Gefühl habe, genug gegen Antisemitismus in seinem Land getan zu haben, erwiderte Premier Albanese: "Wir tun, was wir können." Man werde weiter gegen Judenfeindlichkeit vorgehen. "Wir möchten den Antisemitismus ausmerzen. Das ist das Ziel."
Seit dem Terrorangriff der islamistischen Terrororganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, der zum Krieg im Gazastreifen führte, ist es nach Angaben jüdischer Repräsentanten zu einem drastischen Anstieg antisemitischer Übergriffe in Australien gekommen. Laut der Sonderbeauftragten für den Kampf gegen Antisemitismus, Jillian Segal, nahmen die Vorfälle allein von Oktober 2023 bis September 2024 um 316 Prozent zu. Es seien mehr als 2000 Fälle gemeldet worden, darunter Drohungen, Übergriffe, Sachbeschädigungen und Einschüchterungen. Dazu zählte sie einen Brandanschlag 2024 auf eine Synagoge in Melbourne. Auch in anderen Ländern kam es vermehrt zu antisemitischen Vorfällen.
as/pgr (dpa, afp, rtr)